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Spruch der Woche "Sie Bratappel"

Leute ich bin sooooooooooo müde. Das ist kein Wunder, denn wer Morgens um halb sieben eine Stunde aufs Fahrrad steigt, um zum Praktikum zu kommen weiß was er getan hat. Wenn dieser Jemand auch noch eine Frau ist, die sich natürlich auch hübsch machen will (man könnte ja in der Psychiatrie den Oberarzt seines Lebens kennen lernen, oder?), muss man dann auch noch extra früh aufstehen. Und das ist nur der Tagesbeginn. Zwischen Oberarztvistite (3 STUNDEN voller Details über Patienten, Krankengeschichten und Verläufe sowie einem Crashkurs in Psychopharmakologie) und Akten lesen wird man mit Schicksalen konfrontiert, die unter die Haut gehen. Diese erste Woche bedeutet für mich erst einmal Eingewöhnung. Ich laufe überall mit, stelle blöde Fragen und versuche möglichst viel zu lernen, denn ab nächster Woche heißt es richtig los legen. Schon Morgen übernehme ich die Psychoedukation, darf einen Demenztest machen (wenn wir das nicht vergessen, haha) und werde vermutlich bald einen Intelligenztest bei einer Patientin durchführen. Und nächste Woche... Jaaaaaaaaa da bin ich auch für den ein oder anderen Patienten allein zuständig. Die Oberärztin drückte das sehr charmant so aus: "Praktikanten... Ja zu denen sind wir am Anfang ruppig wie immer, dann haben die sich eingewöhnt sind eine echte Hilfe und dann gehen sie wieder" Zu allem Überfluss war heute auch noch die für mich zuständige Psychologin krank und die Stationsärztin im Stress. Trotzdem habe ich in der Visite unglaublich viel gelernt. Zum Beispiel, dass man einen Patienten nicht immer in Watte packen muss. Dazu muss ich sagen, dass ich auf einer Psychosestation bin und die Patienten meistens seit 20 Jahren dort hin kommen. Deswegen kennen sich Patienten und Ärzte schon untereinander. Meine Oberärztin spricht mit ihren Patienten gerne liebevoll mit Sätzen wie: "Sie Bratappel, was haben Sie denn jetzt schon wieder angestellt? Das war nicht psychotisch, das war dumm" oder ähnliches. Als übervorsichtige Studentin bekam ich erst einmal einen Schreck, bis mir klar wurde: Man muss nicht jeden Patienten in Watte packen, mit manchen klappt es auf die andere Art besser. Und die meisten wissen auch wie sie dir Frau Doktor zu händeln haben ;-). Alles sehr beeindruckend.
Auf dem Rückweg von der Klinik hatte ich den wunderbaren frischen Ostseewind, der bewirkt dass es hier recht selten regnet. Nur leider kam er mir genau frontal entgegen. Kein Spaß, glaubt mir. Wer als echtes Fliegengewicht gegen diesen Wind auf einem Fahrrad ankämpft wünscht sich zwischenzeitlich die Figur und Kraft eines Sumoringers. Das klappt nur leider nicht von Jetzt auf Gleich (ich arbeite aber mit Unmengen von Kuchen daran) und so hatte ich ganz schön zu kämpfen. Gott sei Dank hat mein Vater mich aber aufgegabelt. Da war ich zwar schon beinahe am Ziel, aber immerhin musste ich die letzten Kilometer nicht mehr radeln.
Zuhause wurde ich dann mit frisch gebackenem Pflaumenkuchen (Pflaumen aus dem eigenen Garten und Kuchen von Mama... Jemand neidisch???) und heißem Tee belohnt. Aber ihr glaubt nicht wie geschafft ich war. Oh Mann, ich musste mich erst einmal hinlegen. Das ist auch gut so, denn heute heißt es wieder: Ab aufs Rad und hoffen das kein Wind ist.
Ich wünsche euch einen ereignisreichen Tag
Lotte



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