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Mut ist: Da zu arbeiten, wo andere weglaufen wollen.

Gestern war ich bei einem Vortrag von einer guten Freundin von mir. Sie hat als Freiwillige ein Jahr in der Ukraine gearbeitet. Zuerst hat sie in einer Schule für Sehbehinderte und blinde Kinder gearbeitet und später in einem Kinderheim, einem Altenheim und in einem Heim für psychisch kranke Frauen. Jetzt ist sie seit einiger Zeit wieder in Deutschland und hat uns, bevor sie ihr Ethnologiestudium beginnt, an ihren Erfahrungen teilhaben lassen.
Ich bin noch immer beeindruckt von all dem, was sie berichtet hat. So viel Liebe und Wärme wie sie selbst in diesem ach so fernen und doch so nahen Land erfahren hat, und gleichzeitig der gewaltige Schrecken bei all dem, was dort in Kinderheimen und Heimen für psychisch Kranke noch Standard ist.
Ich glaube ich hätte es bei diesen Heimen keine zwei Tage ausgehalten. Fotografieren war verboten und was sie erzählte klang einfach furchtbar.Ihre Berichte über die Menschen dort sind allerdings voller Wärme. So hat man ihr wohl, als sie zu Besuch in einem kleinen Dorf auf dem Land war, die halbe Ernte aus der Datscha mit gegeben, einfach weil sie der Gast ist und man Gäste nun einmal so behandelt. Überall sei man freundlich und großzügig gewesen und das bei all dieser Armut und Entbehrung, die man vielerorts antrifft. (Gleich neben unglaublichen Reichtum.ein Land der Widersprüche, besonders zwischen Stadt und Land.)
Ich bin so glücklich dass wir hier in Deutschland sind und tagtäglich einen solchen Luxus erleben dürfen. Dass ist uns häufig gar nicht mehr bewusst, in was für einer wunderbaren Welt wir hier leben. Meine Bewunderung für ihre Arbeit dort ist riesig. Mühevoll muss es gewesen sein und gegen lauter Widerstände. Umso schöner war es zu hören, dass ganz kleine Dinge dort eine große Wirkung entfalteten. Sei es einer alten Dame Kaffee mitzubringen und ihr damit einen Herzenswunsch zu erfüllen, mit den behinderten Jugendlichen Zeit zu verbringen oder einem alten Mann Karten mitzubringen und damit Ausgelassenheit ins Altenheim zu zaubern. 
Mit Sicherheit hat meine Freundin dort keine Welten bewegt. Die Armut dort ist noch immer bitter und der Alltag der Menschen, die dort wie auf dem Abstellgleis fort geschoben werden, ist traurig und einsam, aber mit ihren kleinen Aufmerksamkeiten und ihrer Lebensfreude hat sie es für kurze Zeit geschafft das Leben dort bunt werden zu lassen. Das ist Mut. Das ist Liebe. Und vor allem: Ein echtes Vorbild
Einen wunderbaren Tag wünsche ich euch
Lotte



Kommentare

  1. Wahrscheinlich wird S. noch viele Enten verspeisen aber sich nur an eine erinnern.
    Hansi

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