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Es gibt so Filme, da könnte man weinen

Ich könnte heute ein schnelles Pasta-Rezept posten, das richtig gut schmeckt und super zu einem Glas Rotwein schmeckt- Mach ich aber nicht. Ich hatte schließlich versprochen, dass es heute kein Rezept gibt.
Schwierig, schwierig... Stattdessen möchte ich euch ein Zitat posten (ja Frau P, wieder eins dieser "ich mach dich glücklich um jeden Preis" Zitate)
Das Zitat spielt auch eine große Rolle in einem meiner Lieblingsfilme, den ihr sicher auch kennt. Er heißt "Der Club der Toten Dichter"  und die Geschichte wäre eigentlich sehr schnell erzählt, wäre da nicht diese Kleinigkeit, die man nicht in Worte fassen kann, außer vielleicht mit dem kleinen Begriff "Weisheit".
Jeder von uns (oder zumindest die meisten) kennen Mr. Keating und seinen Spruch "Carpe Diem" und ich bin jedes Mal gerührt, wenn ich am Schluss so viele Jungs auf ihren Tisch steigen sehe und sie "Oh Captain my Captain" sagen höre.
Aber woran liegst das? Es ist ein schöner und guter Film, das ist klar. Ein Film der leisen Töne und der Jugend und ihrer Rebellion.
So weit so gut, davon gibt es unzählige. Aber das Gefühl, das, neben all den wunderbaren Landschaften, vermittelt wird (oder werden soll) ist eine ganz andere Sache.
Da kommt ein Mann, ein Lehrer, an eine elitäre und eingefahrene Schule voll von Traditionen und alten Werten. Jeder weiß was er zu tun hat und was in Zukunft aus ihm wird. Ein Anwalt, ein Mediziner, ein Ökonom... Und plötzlich steht das jemand, der von Sprache, Schönheit und Romantik redet. Jemand der sagt: "Nutze den Tag, denn irgendwann, und vielleicht sogar morgen, bist du tot"."
So einfach ist das. Und jedes Mal bekomme ich Gänsehaut.
Denn was dort gesagt wird, das gilt nicht nur für diese Jungs im Film. Es richtet sich an uns, an die Zuschauer. Irgendwann bist du tot. Nutze den Tag.
Das ist schon ganz schön heftig, für einen netten Filmabend oder? Eigentlich will man nicht mit solch eiskalten Wahrheiten konfrontiert werden. Schon gar nicht, wenn man mit einem schönen Glas Wein auf dem Sofa sitzt... Und trotzdem. Wir bleiben dabei. Gespannt verfolgen wir wie und warum diese Jungs plötzlich anfangen sich zu verändern. Das ist nicht wie ein Actionfilm, der zeigt wie Superhelden geboren werden, sondern still und leise und ganz subtil. Und dabei hoffen wir im Stillen, auch teilzuhaben an all diesen Veränderungen.
Ich habe häufig das Gefühl, dass der Alltag sehr viel von dem verschüttet, was eigentlich Leben ist. Wir hetzen durch Zeit und Raum, im Kopf immer den nächsten Termin, die nächste Verabredung und die nächste Prüfung. Wir sagen uns "am Wochenende, da lass ich es mir gut gehen" und merken gar nicht, wie die Zeit verstreicht. Und auch am Wochenende... Mal ehrlich wer hat heute noch Zeit sich hinzusetzen und nachzudenken? Da ist der Abwasch, die Uni, der Hund, der Freund... Wer weiß was uns alles in die Quere kommt. Unser Leben läuft in vorgeschriebenen Bahnen und nach einem genauen Zeitplan. Und während wir von Tag zu Tag immer älter werden und mit jeder Minute weniger Leben übrig bleibt, vergessen wir genau das zu tun: zu leben. Anstatt zu leben rennen wir von A nach B, trösten uns mit dem Gedanken an Morgen und knüpfen Bedingungen an all das was uns gut tut. "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen". Das mag ja gut und richtig sein und uns letzten Endes zu erfolgreichen Menschen machen, aber was genau haben wir davon? Ich denke nicht besonders viel, dann am Ende kommt es nicht darauf an wie erfolgreich du warst und ob du immer die/der Beste gewesen bist, sondern darauf ob du dein Leben so gelebt hast wie es dir gerecht wird. Und genau das ist es, was ich mit diesem wunderbaren Film verbinde und leider viel zu oft vergesse...
Hier also das viel besungene Zitat:

Und trotz des Selbstmords von einem der Schüler, es bleibt die Nachricht: "Carpe Diem", mit all ihren damit verbundenen Gefahren und mit einem Anflug von Melancholie. Glaubt mir, man  kann aus diesem Film unglaublich viel mitnehmen und lernen. .Also dann: Los geht's Carpe Diem und auf in die Wälder. Schaut euch den Film an, er ist wirklich unglaublich gut!!!
Ich wünsche euch einen wunderbaren Donnerstag
Lotte

PS: Ich war vor über einem Jahr in einer Ausstellung über Menschen im Hospiz. Dort wurden Bilder der Menschen vor und nach ihrem Tod gezeigt und dazu ein kurzer von ihnen verfasster Text. Besonders beeindruckt haben mich zwei unterschiedliche Schicksale. Das erste war eine sehr, sehr alte Frau, die schrieb "Ich habe mein Leben lang nur gearbeitet und geschuftet und jetzt, wo ich endlich Zeit für mich hätte, da muss ich sterben. Wo ist Gott jetzt und wieso tut er mir das an". Ich hatte das Gefühl, dass diese Frau selbst im Tod noch wütend und missgestimmt war. Gleich neben ihr hing das Bild eines (vergleichsweise) jungen Mannes um die 50. Er schrieb "Ich habe gelebt. Ich war in Frankreich und habe dort studiert, ich habe bei den Studentenprotesten mitgewirkt, bin gereist und habe mein Leben gelebt. Meine Freunde sagen es sei schlimm jetzt so früh zu sterben, aber ich habe alles getan was ich tun wollte"  --- Anschaulicher geht es fast nicht mehr, oder?

Kommentare

  1. Danke, auch ich bin berührt!!
    Mecki

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  2. Es kommt nicht so oft vor, aber jetzt ist so ein Moment, in dem ich sprachlos und überwältigt bin.
    Hansi

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    1. Oh ja das ist wirklich selten! Aber schön, dass es möglich ist. :-)

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  3. Frau P. hat gelesen, verstanden und stimmt zu :)

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    1. Hihi, jetzt muss ich lachen. Ich dachte du regst dich auf ;-)Du bist echt süß ^^

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