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Ich stell dann mal die Sinnfrage

Bei meiner Feier am Montag fragte mich eine Freundin etwas, was mich seither sehr beschäftigt hat. "Machst du dir das alles eigentlich nur fürs Internet so schön?"
Eine ganz leichte Frage, mit einer schwierigen Antwort, eine Antwort, die auch sehr persönlich ist. Und wie so oft habe ich keine eindeutige oder befriedigende Lösung parat.
Warum schreibe ich eigentlich einen Blog? Ist das nicht sogar sehr narzisstisch? Man stellt sein tägliches Leben, seine Gedanken und Gefühle in die große weite Welt des Internets, wohl wissend, dass Menschen dies lesen werden, Menschen, die einen nicht kennen und vermutlich auch nie kennen gelernt hätte, wäre man nicht eines Tages auf die Idee gekommen einen Blog zu schreiben. Ja, es ist narzisstisch zu glauben was man sagt wäre in irgendeiner Weise etwas besonderes, mitteilenswert und müsste dem world wide web unbedingt zugänglich gemacht werden.
Wenn man aktuellen Studien und auch dem Fokus von letzer Woche glauben darf ist das allerdings inzwischen normal. Wir alle sind zu Narziss geworden, zwar nicht im pathologischen Sinne, aber wir halten uns für etwas besonderes und sind ganz in das Spiegelbild verliebt, das wir versonnen betrachten. Etwas verzerrt zwar, aber noch genug Abbild unserer Selbst um zu sagen: Seht her! So bin ich, wunderbar und strahlend schön. Schreibe ich deshalb unter dem Psydonym Lotte Fuchs jeden Tag einen Post?
Ich müsste lügen, wenn ich das ganz eindeutig verneinen würde. Es ist immer ein wenig selbst darstellerisch, wenn man vor anderen Leuten sein Leben beschreibt. Dies öffentlich im Interent zu tun vermutlich sogar noch mehr. Also sind wir, die wir einen Blog schreiben oder bei Facebook posten (was ich übrigens aus verqueren Prinzipien heraus nicht tue) einfach nur Egomanen auf einem tollen Trip?
Mmmh. Ein wenig zu einfach oder?
Natürlich ist es schön mal sein Leben immer nett und freundlich zu beschreiben mit ein paar hübschen Fotos dazu, die zeigen wie hübsch und adrett die Wohnung und das Kätzchen doch sind.
Aber das ist nicht alles, ich mag Anerkennung, genau wie jeder andere Mensch, aber auf die Frage ob ich nur für Anerkennung schreibe muss ich klar "Nein!" sagen.
Warum also dann? Ich bin nicht im Ausland (kommt noch, versprochen) und muss Freunde und Familie in Kontakt mit mir halten.
Ich bin auch keine begnadete Fotografin, die ihre wunderbaren Fotos demonstrieren kann. Und ebenso wenig bin ich sehr politisch, tief philosophisch oder so überragend intelligent, dass man es der Welt unbedingt mitteilen müsste. Ich bin einfach ich. Ziemlich normal und manchmal auch am Boden zerstört. Für einen Lifestyle Blog im engeren Sinne fehlen mir Geld und Ausdauer. Ich weiß mich ganz nett anziehen (glaube ich), aber ich bin bei weitem keine Stilikone, die Modetipps veröffentlichen kann. Ich böser Mensch trage sogar zu Hause eine Jogginghose, was würde Karl Lagerfeld wohl dazu sagen *zwinker*.  Weder habe ich putzige Kinder, noch die Fähigkeit mit 2 Handgriffen alles perfekt zu inszenieren. Ich  mache nie Sweettables und am Abend sehe ich häufig so abgekämpft aus, dass ich mich kaum erkene. Also ganz und gar unperfekt...
Warum also ein Blog? Warum alles hübsch machen, eine Kerze anzünden, Dinge unternehmen und alles fotografieren und ins Internet stellen? Mach ich all das in meinem Leben nur um dann drüber zu bloggen? Alltägliche Dinge, die eigentlich normal sein sollten?
Jein. Wieder einmal keine befriedigende Antwort. Ich bin wohl kein besonders guter Kandidat für so eine Fragestellung.
Ich könnte jetzt eine Art Seelenstriptease vollziehen und euch in ungeahnte Abgründe mitnehmen (und ja, die gibt es, wer mich kennt weiß das nur zu gut), aber das will ich gar nicht.
Trotzdem hat mich die Frage meiner Freundin zum nachdenken gebracht. Würde ich auch alles so schön machen, mich mit so vielen Leuten verabreden, Kerzen anzünden, etwas besonderes kochen und Kleinigkeiten Aufmerksamkeit schenken, wenn ich nicht darüber schreiben würde?
Ja, das würde ich. Aber es wäre viel, viel weniger. Durch das Bloggen nehme ich viele Dinge bewusster wahr, die ich sonst vielleicht nie beachtet hätte. Ich schaue plötzlich, ob ich einen schön gedeckten Tisch habe, auch wenn es nur für mich allein ist, ich achte darauf ob ich etwas koche, was mir wirklich schmeckt und ich sehe lauter kleine Einzelheiten im Alltag, die mir sonst entgangen wären.
Ich überlege mir "Was war an diesem Tag besonders? Gibt es etwas, das ich gerne mitteilen würde?" Und diese Gedanken helfen mir Dinge um mich herum zu erkennen, die ich sonst nicht beachtet hätte. Sie helfen mir ein bisschen besser mit mir und meiner Umgebung umzugehen und offen zu sein für Erfahrungen und Begegnungen, die man sonst nie gemacht hätte.
Der Blog war ein Auslöser dafür. Ein Auslöser für den ich mich bewusst entschieden habe um die innere Achtsamkeit wieder zu schärfen und aufrecht zu erhalten. Ich kann nur noch einmal das Zitat von Thoreau anführen:
Ich gehe zwar auch in den Wald, aber anschließend blogge ich darüber *grins*
Nein, ihr wisst schon. Ich meine das weder hochtrabend noch poetisch. Ich will nur einfach wieder entdecken lernen, auch und ganz besonders im schnöden grauen Alltag ohne Perfektion ;-) Einfach entdecken was Leben ist und dabei hilft mir mein Blog, aber er ist nicht (liebe Leser jetzt ganz stark sein) mein Leben oder Ein und Alles, sondern bloß ein wunderbarer Ansporn Dinge zu tun, die man sonst vielleicht nicht tun würde. Nichtsdestotrotz liebe ich das bloggen sehr und habe jeden Tag Unmengen an Freude daran. Außerdem überlege ich ständig: Was kann ich schreiben? Wie kann ich das in Worte fassen? Was schreibe ich morgen??? Ihr seht, der Spaßfaktor ist gewaltig und überwiegt immer.  Aber ich würde vieles von dem was ich tue (kochen, backen, Freunde treffen etc) auch ohne Blog tun und genießen... Also nein, ich habe nicht nur für den Blog Spaß, sondern mit ihm-
Ich würde diesen Kuchen auch essen, wenn ich keinen Blog hätte. 
Ich wünsche euch einen wunderbaren Tag
Lotte
PS: Morgen wird es wieder flacher, versprochen.

Kommentare

  1. Wenn jeder so ehrlich mit seinen Antworten wäre, sähe es wohl besser in der Welt aus.
    Brechen wir`s doch mal auf ein ganz profanes Beispiel herunter:
    Nehmen wir an, jemand will draußen ine Lampe anbringen. Das tut er, damit man, also alle den Weg finden, nicht stolpern usw. Es hat also eine Bedeutung für andere. Aber ertut es ja auch für sich. Damit er selbst nicht stolpert. Aber es ist ja noch mehr. Er sucht die Lampe aus, die ihm gefällt, er sucht die richtige Stelle aus, die ihm passend, schön und vorteil- haft erscheint. Es ist also eine Gemengelage in der Motivation, Hell für andere, hell für sich aber auch und nicht zuletzt: wie toll hab`ich das gemacht? Sieht das nicht gut aus? Und ich war`s, der das vollbracht hat.
    Der das tut ist gewiss kein Narziss - er hat neben allem nur Spaß an seinen Kenntnissen und Fähigkeiten.
    Das ist be Gott nun gar nichts Verwerfliches.

    Hansi

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    1. Ja, ja diese Lampengeschichte kommt mir bekannt vor

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  2. Haha. Das hab ich mich neulich auch gefragt, aber mit der beruhigenden Feststellung, dass ich auch schon jeden Mist fotografiert habe, bevor ich darüber gebloggt hab. Und ich habe auch noch keinen Ausflug oder so gemacht, einzig um danach darüber zu schreiben. Zusätzlich dient mein Blog nützlicherweise dabei, meiner Familie zu Hause von meinem Auslandsaufenthalt zu berichten - und Anne postet ab und zu Neues von Zuhause, damit ich auf dem Laufenden bin. Aber ja. An sich mal drüber nachzudenken warum man das alles macht, ist gar nicht so sinnfrei.

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    1. Oh dein Blog ist so wunderschön und Barney ist so knuffig, dass mir echt etwas fehlen würde, wenn dein Blog nicht mehr da wäre. Ich finde es eine geniale Sache einen Blog zu schreiben um aus dem Ausland zu berichten und im Kontakt zu bleiben.

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  3. Liebe Lotte! Genauso könnte man den Menschen fragen, der einen Blog liest (egal welchen): warum machst du das!? Meist kennt man die Person nicht. Was geht einen das Leben der Anderen an!? Ich denke auch auf diese Frage bekommt man keine eindeutige Antwort. Manch einer macht es auch Neugier, um Gleichgesinnte zu finden oder um nicht alleine zu sein. Ja, das gibt es denke ich mal auch. Ich überlege auch schon lange, ob ich ein Tagebuch für alle führe ;o) Ein Tagebuch muss ja nicht immer Geheimnisse haben. Sondern eigentlich (das sagt ja der Name) schreibe ich auf, was ich am Tag gemacht habe! Was war schön und was nicht. Um manche Dinge klarer zu sehen! Mein Papa hat mich früher abends immer gefragt: was war denn das Schönste am Tag und was war nicht so schön!? Und meist kam einem das nicht so schöne im Nachgang betrachtet albern vor. Es war dann zwar nicht schön, aber nicht mehr ganz so schlimm ;o) Alles Liebe, Birgit

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    1. Das ist ja eine süße Geschichte. :-)
      Ich wünsche dir einen wunderbaren Tag
      Lotte

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