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Es ist zwar Freitag, aber heute gibt es keine Foto-Fragen

Auf meinem Laptop gibt es ein Dokument, das ausschließlich Zitate enthält. Ich habe festgestellt, dass viele Menschen, die in meinem Alter sind (oh Mann, das klingt als wäre ich fast 100) in irgendeiner Weise auf der Suche sind. Je mehr man sich mit Menschen darüber unterhält, desto sicherer erscheint es mir, dass viele von uns sich ganz viele Fragen stellen und nach einem tieferen Sinn suchen. Vermutlich ist das auch noch mit 30, 40 und 80 so, aber das kann ich nicht so gut beurteilen. Erikson hat diese Suche nach Identität zwar als zentralen Konflikt der Jugend beschrieben, aber ich glaube dass ein solche Entwicklungsstufe nicht mit 17 oder 18 abgeschlossen ist (ich sage ausdrücklich ich glaube, denn einen Beweis dafür habe ich nicht).
Wir sitzen also hier und fragen uns nach dem Sinn. Was will ich, wer bin ich und was kann ich tun, damit ich etwas hinterlasse?
Ich stelle mir diese Frage auch schon seit einiger Zeit. Wer oder was bin ich eigentlich? Was tue ich? Warum tue ich das und ist es nicht viel besser einfach nochmal "reset" zu drücken?
Gibt es einen Sinn? Einen tieferen? Ist die Antwort wirklich 42 oder etwa Yoga? (Bitte lass es nicht Yoga sein, dann bin ich verloren)
Alles ist irgendwie ungeklärt und in der Schwebe. Und genau dafür habe ich dieses Dokument. Es gibt und gab viele schlaue Menschen auf der Welt (erstaunlich, dass die Welt trotzdem kein besserer Ort ist), die einiges mehr über Leben und Lieben, Freiheit und Zäune eintreten wissen als ich.
Ich kann mit Worten leider nicht so wunderbar jonglieren wie diese Menschen. Ich wünschte ich könnte es, dann würde ich den ganzen Tag nur noch Weisheiten von mir geben, wissend gucken und damit ein Heidengeld verdienen. Das wäre wunderbar. Aber es funktioniert leider nicht.
Aber ich kenne das Gefühl, das sie ausdrücken. Diesen Wunsch, diese Sehnsucht nach Freiheit, Liebe, nach Leben und Leichtigkeit. Die kindliche Idee etwas bewirken zu wollen und den Drang endlich etwas zu tun. Mauern einzutreten und los zu rennen, ganz gleich was andere sagen oder denken.
Einmal alles hinter sich zu lassen und genau das zu tun was einem gut tut und dann im nächsten Moment wieder selbstlos zu sein, etwas zu bewirken, die Welt ein kleines bisschen zum Leuchten zu bringen.
Aber da sind so viel Leere und Schwärze, die es manchmal zu überbrücken gilt. So viel Bitterkeit, Verletzlichkeit und manchmal auch Wut, die man bezähmen muss und ganz viel Angst  den Dingen ihren Lauf zu lassen. Ein kleiner Schubs in die richtige Richtung tut da schon ganz gut. Und genau dafür habe ich dieses Worddokument mit dem unschuldigen Titel "quotes" auf meinem Laptop.
Ich werde die Sinnfrage nicht beantworten können und weiß auch nicht, ob ich jemals all das mache, was ich mir in meinen kühnsten Träumen vorstelle. Vielleicht werde ich nie in einer Einrichtung für ehemalige Kindersoldaten arbeiten, sondern einfach nur im Gefängnis mit Straftätern. Und vielleicht lässt mein Wunsch zu reisen, die ganze Welt zu sehen, Polarlichter zu beobachten und Affen in der echten Natur zu beobachten eines Tages nach und ich freue mich auf Reihenhaus 2,5 Kinder und Beschaulichkeit. Wer weiß das schon? Aber wenn ich all diese Zitate sammel und lese, und ich kann Stunden damit verbringen, dann kann ich ein wenig träumen. Dann träume ich von der Lotte, die ein Jahr in Paris lebt und mit Baguettes unter dem Arm an der Seine entlang schlendert, die nach Neuseeland fliegt und die schottischen Highlands unsicher macht. Ich denke an die Lotte, die ausreißt, wild und frei ist, die alles riecht, fühlt, hört und schmeckt was es auf der großen weiten Welt gibt und etwas schaffen kann, was über die Jahre bleibt. Vermutlich ist das sehr jung und sehr idealistisch von mir, aber stellt euch mal vor wie schrecklich es wäre, wen man mit Anfang 20 nicht jung und idealistisch und voller Tatendrang wäre?
Sehr bitter, oder? Und deswegen habe ich lieber ein kleines, etwas peinliches  Dokument voller Zitate, als keine Träume mehr.
Ich wünsche euch einen wunderbaren Start in euer Wochenende
Lotte, die heute Besuch von ihren Eltern bekommt und dringend putzen muss ;-)


Kommentare

  1. Lass das putzen, die machen alles wieder dreckig, Putz hinterher.
    Diese Gefühle hat jeder denkende Mensch und täglich oder sehr oft will man anders sein. Aber man ist so, wie man ist gut!!Gut wenn man die Möglichkeiten hat, seine Gedanken und Sehnsuchten zu lenken. Alles Liebe Mecki

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  2. Das Gefühl stellt sich auch noch mit 36 ein.. Glaube mir ;o) Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich kein Reihenhaus und keine 2,5 Kinder habe. Vielleicht ist es nicht meine Bestimmung. Vielleicht bin ich die, die immer in ihren Freunden ihre Familie hat, die sich nicht mit einem Lebenspartner für immer zufrieden gibt... Vielleicht bin ich für dieses klassische Konzept nicht gemacht!? Das frage ich mich jetzt seit geschlagenen 2,5 Monaten. Und hab auch noch keine Antwort, liebe Lotte!Zumal man dann von allen Seiten beäugt wird. Alle meinen, dass man damit ja unglücklich sein müsste! Aber man soll nicht glauben, dass Partner und Kinder dann die Antwort auf alle Fragen sind. Eine Freundin von mir hat geheiratet und einen fast 2 Jahre alten Sohn. Alles scheint schön. Und sie sagte mir letztens, dass auch sie sich fragt: soll das alles sein!? Du siehst, diese Frage schwebt über jedem! Also fast jedem ;o) Alles Liebe, Birgit

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    1. Quatsch man muss nicht unglücklich sein. Ist es nicht viel schlimmer nur glücklich sein zu können, wenn man einen Partner hat? So etwas finde ich schrecklich, denn das ist doch eher eine Abhängigkeit als Liebe. Ohne Partner muss ich unglücklich sein... Mmmh ich finde unglücklich sein passt auch zu manchem Partner, oder?
      So abgedroschen es sein mag, ich denke wenn man selbst mit sich nicht glücklich ist dann gibt es keinen Menschen auf der Welt, der das für einen übernehmen kann.

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    2. Du, ich kenne genug die sagen: besser mit jemanden zusammen und unglücklich sein---als alleine sein! Es ist ja nur die Gesellschaft, die einem den Stempel aufdrückt: "Du bist Single!? Armes Hascherl! Warte ab, du findest auch noch den passenden Deckel!" GGRRRR Ist doch so... Da kann man sich doch über kurz oder lang nur schlecht fühlen. Oder wie sagte Miranda aus SatC so schön: "Und wenn ich ihn nie finde, dann bin ich mein Leben lang was!? Halbfertig!? ;o) Und du hast Recht. Es gibt dazu ja auch so ein klasse Buch: liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest ;o))))

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  3. Amen, Lotte. Den druck ich mir aus (Notizbuch, du weißt!).

    Coelho ist...richtig gut! Hast du schon seine Bücher gelesen? Die drehen sich fast alle um die Frage, wie man an das "Mehr" im Leben kommt und sind sehr esoterisch ;) Ich mag sie trotzdem.

    Birgit - ja als verheiratete Frau fragt man sich all das besonders (ich spreche aus Erfahrung :)), eben weil alle anderen denken, man habe alles erreicht. Doch Ankommen ist doch nur eine Zwischenstation auf dem Weg zum Weitergehen. Deshalb beginnt man gerade, wenn alle (einschließlich man selbst) einen für angekommen halten, den nächsten Weg zu suchen. Ich glaube, wichtig ist nur, dann zusammen weiterzugehen, weswegen es sich für beide etwas verlangsamen kann.

    frau p. grüßt :)

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    1. Liebe Frau P :-)
      Coehlo habe ich schon gelesen und finde ihn sehr gut, aber manchmal echt too much und zu Schulmeister mäßig. Trotzdem mag ich ihn (meistens).
      Ich glaube sich solche Fragen zu stellen ist unabhängig davon ob man verheiratet ist, in einer Partnerschaft lebt oder Single ist. Man kann immer einen Grund finden warum die ein oder andere Gruppe sich das besonders fragt. ;-) Ich denke es ist einfach unabhängig von einem Ring eine der großen Fragen - Ankommen? Gibt es so etwas überhaupt?

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    2. Hallo Frau P ;o) Ja, aber es ist doch interessant, dass meist die Ziele wie folgt im Leben genannt werden: heiraten, Kinder bekommen, Haus bauen.. oder so ;o) Ich habe noch NIE jemanden sagen hören: egal wie und egal wo, hauptsache glücklich! Das Ziel ist für alle DEN Partner des Lebens zu finden. Und wieviel Ehen werden geschieden, weil man sich vielleicht irgendwann nicht mehr zueinander passt!? Ich glaube da könnte man ne LANGE Diskussion draus machen. Du hast Recht: auch die Hochzeit ist ein Zwischenstop auf dem weiteren Weg...aber viele halten es für ein Ziel, wo man DANN alles erreicht hat! ;o) VlG, unbekannterweise von Birgit

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    3. Hej, ihr beiden.
      Natürlich habt ihr beide recht :)

      Man muss sich meiner Meinung nach die Sinnfrage regelmäßig stellen. Wer heute aufhört zu träumen und zu suchen, ist morgen schon fast tot. Und das gilt in jeder Lebenssituation. (Nur habe ich bemerkt, dass Leute zu einem sagen, wenn man mit 21 verheiratet ist: "Wie schön, was du schon alles erreicht hast, jetzt kannst du dein Leben genießen!" KEIN SCHERZ! Ich finde das schrecklich. Und furchtbar bedauernswert sind die Menschen, die sich im goldenen Käfig ihrer Ziele gefangen sehen - und das wird einfach zu oft auf die Verpartnerten projiziert).

      Liebe Birgit - diese Abfolge der Ideale hat mich auch schon immer gestört! Wobei ich tatsächlich Leute kenne, die sagen "egal wie und wo, hauptsache glücklich". Und die finde ich so bewundernswert.

      Ich finde dieses Denken vom "Lebensziel" Partnerschaft genauso bedenklich wie "Lebensziel Religion" oder "Lebensziel Geld, Prestige,etc". ich denke, wenn das Leben ein Ziel hat, dann dieses: glücklich zu sein, um anderen (und da ist es egal ob es die Leute um einen herum, Freunde, Geschwister, Eltern, die Kassiererin im Supermarkt oder Flüchtlingskinder im Sudan sind) Glück ins Leben zu tragen. Wie gesagt, Ziele halte ich immer nur für Zwischenstopps auf dem Weg, die Welt zu einem besseren Ort zu machen - und das hört sich übel kitschig und idealistisch an :D

      Liebe Grüße
      Frau P.

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  4. Bin ja kein großer Fan von Coelho. Ich denke immer erst "Oh, er schreibt von jemandem, der genau so denkt, wie ich, wow" - und kurze Zeit später merke ich, dass jeder so denkt, und dass Coelho nicht besonders individuell ist. Ist mir ein bisschen zu Mainstream und irgendwie einfach nie genug.
    Ich erinnere mich nur zu gerne an Krieger des Lichts. Ist ja alles schön und gut, aber was man davon hat, ein Krieger des Lichts zu sein, erfährt man nie.
    Und natürlich muss man nicht immer durch alles was man tut und fragt und denkt irgendetwas Positives erreichen oder irgendwo ankommen. Aber ab und zu mal irgendwo ankommen wäre doch ganz nett. Diese permanente Rastlosigkeit ist anstrengend. Da hat man das eine Problem bewältigt, da steht das nächste vor der Tür. Ist es nicht immer so? Bildungstechnisch, beruflich, privat, emotional, finanziell?
    Ich glaube, man sollte sich niemals zu genaue Ziele setzen und niemals an nichts hohe Erwartungen stellen (auch nicht an sich selbst), sondern einfach man selbst sein, den Moment leben und tun was man für das Richtige hält.
    Angekommen sein muss ja irgendwann auch scheiße langweilig werden. Oder?

    Huch. Wo kam denn das grad her?

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    1. Ich würde das genauso unterschreiben. Wort für Wort. Sogar das mit Coehlo (auch meine Kritik). Bin begeistert!!!

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