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Wie ich einst den Tierarzt aß - Alles Bio oder was?

Ich bin nun wieder bei meinen Eltern gestrandet. Weihnachten steht vor der Tür und die Familie rückt enger zusammen.
An meinem ersten Abend Zuhause gab es köstliche Spaghetti Bolognese, die genauso gut schmecken, wie die in Sorrento (habe ich in meinem Italienurlaub getestet).
Dieses Mal mit einem kleinen Bonus. Nicht nur, dass der Sellerie von meinem Vater aus einem vereisten Beet gehackt wurde, auch das Fleisch war etwas ganz Besonders.
Zwei Dörfer weiter steht ein altes Gutshaus. Dieses monströse alte Haus gehört Familie G., die darin nicht nur sich selbst, sondern auch Pferde und Feriengäste unterbringt. Wunderschön und unglaublich idyllisch ist es dort und man vergisst beinahe sofort all das hektische Getriebe der Außenwelt.
Familie G. hat außer Feriengästen eben auch unglaublich viel Platz. Und so kommt es, dass das traditionelle und jährliche Adventskränze binden der Gemeinde dort statt findet. Leider war ich die letzten Jahre nicht mehr da (als fleißiger Student ist man in der großen Stadt in weiter Ferne), aber meine Kindheitserinnerungen sind angefüllt mit dem Duft unterschiedlicher Nadelhölzer, gigantischen Schüsseln von Obstsalat und viel lautem Lachen.
Und dann erinnere ich mich an die regelrechten Feste innerhalb all der Jahre in denen ein Rind der Familie G. geschlachtet wurde. Die Vegetarier unter euch werden jetzt laut stöhnen und sich zur Seite drehe. Aber noch mehr Bio als dort geht einfach nicht.
Jedes Jahr, wenn ein Tier geschlachtet wurde, kamen (und kommen) Freunde, Bekannte und Neugierige aus der Umgebung um dort Fleisch zu kaufen, denn dieses Rindfleisch ist wirklich besonders.
In all den Jahren habe ich es noch nicht geschafft Vegetarier zu werden, ich esse wenig Fleisch, aber das mit Genuss. Und wenn es das Fleisch von dort ist, sogar ganz ohne schlechtes Gewissen.
Die Tiere dort leben das ganze Jahr auf der Weide, sind glücklich, rund und wunderschön und sie besitzen alle einen eigenen Namen.
Es mag erstaunlich sein, dass es leichter fällt glückliche Tiere mit Namen zu essen, als die Horde der Anonymität in sich hinein zu stopfen, aber ich persönlich finde es besser zu wissen, dass diese Tiere ein erfülltes Leben hatten. Futter gibt es von der Weide, Antibiotika werden nicht sinnlos in die Tiere gepumpt und ein schöneres Leben kann man sich als Rind einfach nicht wünschen. (Wäre ich eine Kuh, da wäre ich glücklich!)
Wie gesagt, alle Tiere haben einen Namen und so weiß man immer "Das ist XY, der immer so frech war, den ich hier gerade esse" und weiß das irgendwie viel mehr zu würdigen. Und es schmeckt und riecht vollkommen anders als aus dem Supermarkt.
Eines denkwürdigen Tages kam es, dass ein kleines Kalb nach unserem Tierarzt benannt wurde (ich glaube die Geburt war nicht ganz einfach und ihm zu Ehren wurde das Kalb M. genannt). Und, es kam wie es kommen musste, eines Tages wurde M. geschlachtet. Was für ein denkwürdiger Tag für alle Freunde des morbiden Humors es doch war. ;-) Ihr könnt euch sicherlich all die schalen Scherze und kleinen Witze vorstellen, die samt M. auf den Tisch kamen. Und ja, es war schon komisch das zu essen.
Wie gesagt, ich esse Fleisch (obwohl die meisten meiner Freund inzwischen Vegetarier sind, esse ich immer noch es gerne, aber wenig davon) und achte trotzdem auf Bio. Und hier bei meinen Eltern befinde ich mich quasi im Bioschlaraffenland mit eigenem Gemüsebeet und Fleisch, von dem ich weiß wo es herkommt.
Dieses Mal weiß ich den Namen des Tieres allerdings nicht (mein Vater hat beim Kauf nicht nachgefragt), was ich jetzt nicht sooo schlimm finde.  Dafür bekam ich geniale Bolognese und prasselnden Kamin.
Mein erster Tag Zuhause bestand übrigens aus Uni nachbereiten, arbeiten und Lernen, aber in schöner Atmosphäre!
Ich wünsche euch den wunderbarsten Tag und hoffe, dass ich jetzt nicht alle vegetarischen Leser für immer vertrieben habe?!
Lotte


Kommentare

  1. Liebste Lotte! Ich hatte erst letzens ein Gespräch mit einem Freund über das Thema Fleisch. Er hat Urlaub in Tibet gemacht und kam mit ner Wagenladung Fotos wieder. Da war eins bei: viele Tiere auf einem Wagen und mit einem Netz obern drüber, damit sie nicht rausspringen. Eingepfercht!Fand das erst---naja! Da blutet mir das Herz. ABER denen ging es bis dahin gut. Und hier sieht man nicht, wie beschissen (entschuldige) es den Tieren bis zu Schlachtung geht. Da würden sicherlich einige Vegetarier werden. Was wiederum bedeuten würde, dass es nicht mehr so eine Massentierhaltung gäbe. Ich selbst bin aber auch nicht konsequent ;o( Esse aber wirklich wenig Fleisch.. geniesse die Tage bei Deinen Eltern. Ich habe Urlaub ;o) Alles Liebe, Birgit

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    1. Du hast vollkommen Recht. Ich esse auch lieber Tiere, die bis zum letzten Stündlein auf der Weide standen. Ich habe übrigens schon mit 3 Jahren zu meiner Mutter gesagt "Ich wär so gerne Vegetarier, aber ich ess so gerne Fleisch Mama!" Daran hat sich irgendwie noch nichts geändert.
      Geniesse deinen Urlaub :-)
      Liebste Grüße in die Hauptstadt
      Lotte

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