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Tu es für dich, nicht für die Modeindustrie

Erst einmal vielen Dank für die vielen lieben Kommentare gestern! Ich habe mich wirklich sehr über sie gefreut.
Irgendwie gibt es da ein Thema, das schon längere Zeit in meinem Kopf herum geistert. Lange habe ich überlegt, ob ich dazu überhaupt etwas auf meinen Blog stellen möchte, denn es ist kontrovers und bestimmt nicht jedermans Standpunkt. Aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass es nicht richtig wäre etwas nicht zu schreiben, was mir so wichtig ist.
Das Thema beschäftigt vermutlich jede Frau von dem Moment an, in dem sie das erste Mal eine Modezeitschrift in die Hand nimmt: Figur, Essen, Gewicht.
Sobald man eine solche Zeitung aufschlägt ist sie voll von Tipps, wie man "ganz ohne jeden Druck" 10 Kilo abnehmen kann und künftig ein glücklicheres, erfolgreicheres und schöneres Leben führen wird.
Und jedes Mal, wenn ich so etwas lese könnte ich kotzen. (Entschuldigt diesen drastischen Ausdruck) Wann genau war eigentlich der Moment an dem beschlossen wurde, dass man nur schlank glücklich und erfolgreich und schön sein kann?
Ich könnte die Schuld jetzt den 50er Jahren und Twiggy geben, aber das ist mir dann doch zu einfach.
Die Sache ist die, dass die Gespräche von uns Frauen (und inzwischen auch von vielen Männern) davon besessen sind, dass man Abends keine Kohlehydrate essen sollte und dass man ganz dringend noch 4 Kilo abnehmen muss, bevor der Sommer los geht.
Von klein an lernen Mädchen, dass sie dünn sein müssen um Erfolg zu haben, das schlank und sportlich sein alles bedeutet und dass die Mami mal wieder dringend abnehmen muss, weil sie so dick geworden ist. Ach und bitte lieber keinen Nachtisch, das setzt doch sofort an.
Ich will hier keine Lanze für ungesunde Ernährung brechen. Ich selbst esse sehr gesund und ausgewogen, ich achte darauf nicht zu fettiges Zeug und kein Junkfood in mich hineinzustopfen und mache Sport. Ich erlaube mir aber auch einen Nachtisch, wenn mir danach ist.
Was mich stört ist eher das Bild, dass wir von uns zeichnen. Die Art, wie andere Menschen drauf reduziert werden wie dick oder dünn sie sind. Ja, auch wie dünn sie sind. Ich bekomme oft zu hören "Oh du bist viel zu dünn", ersetzt das Gleiche mal mit "Oh du bist viel zu dick" ---Ich finde beides gleich 'charmant'. Wir reduzieren auf ein bestimmtes Gewicht, darauf ob man auch Knochen sieht oder ob da ein Röllchen zu viel ist.
Etwas für den eignen Körper zu tun, sich gesund zu ernähren und Sport zu machen sind natrürlich toll und wenn man viel Übergewicht hat und es auf gesunde Weise abnehmen möchte, ist dagegen ja auch nichts einzuwenden. (Die Betonung bitte auf GESUND, das ist weit entfernt von Hungerkuren)
Was mich stört ist eher die Art wie Menschen über sich und ihren Körper sprechen, dieses ewige an sich und anderen Rumgezerre ob man zu dick, zu dünn oder zu mittelmäßig ist.
Die Sache ist die, wenn man sich selbst als Mensch nicht akzeptiert und respektiert, und zwar genauso wie man jetzt in diesem Moment ist, dann helfen auch keine Diät oder zwei Kleidergrößen weniger.
Hungern macht einen nicht zu einem glücklicheren Menschen, eher im Gegenteil.
Sich dafür zu hassen, dass man nicht in die merkwürdigen Kleidergrößen passt, bringt gar nichts, außer Druck und Anspannung.
Und den eigenen Kindern diesess Vorbild vorzuleben und ihnen zu sagen "Mama muss dringend abnehmen, die ist wieder viel zu dick" ist gefährlich.
Natürlich können wir an den aktuellen Trends nichts ändern, aber ich finde wir haben alle eine Art Vorbildfunktion um Kindern (und auch Erwachsenen) zu zeigen, dass man seinen Körper auch dann lieben darf, wenn er nicht in eine bestimmte Kategorie passt.
Ich liebe diesess Zitat von Kate Winslet, indem sie genau darauf eingeht.
Natürlich sind Extreme gefährlich und zwar in beide Richtungen. Und dass man seinen Körper ein wenig in Form bringen möchte, ist auch nicht verwerflich. Schlimm ist nur die herablassende Art, die man an den Tag legt, wenn man andere aufgrund ihres Gewichts beurteilt, egal ob es "Boah ist die  fett" oder "Die ist bestimmt magersüchtig" ist. Beides verletzend und beides unnötig. Denn ein Mensch zeichnet sich nicht dadurch aus, dass er in eine Gewichtsklasse passt oder nicht passt, sondern durch so viele andere Dinge.

To eat and what to eat- that is the question ;-)
Und wie mache ich das? Nicht, dass ich jetzt ein riesiges Vorbild bin, was Ernährung angeht, aber ich werde manchmal gefragt, wie ich bei all dem was ich so koche, trotzdem schlank bleibe. (Nein, das ist KEINE besondere Leistung auf die man besonders stolz sein muss.) Ersteinmal bin ich noch jung, ich habe das Gefühl da ist das eh ein wenig leichter seine Figur zu halten. Ansonsten gibt es ein paar Punkte, auf die ich  achte.
1. Das Auge isst mit
Insgesamt esse ich einfach unheimlich gerne. Ich achte darauf, dass mein Teller immer schön aussieht und ich wirklich Lust bekomme genau das zu essen. Als ich einmal in einem Restaurant brunchen war, kam ein Fremder auf mich zu, schaute auf meinen Teller und meinte "Das sieht bei Ihnen ja aus wie auf einem Gemälde". Mir ist das gar nicht aufgefallen, weil ich irgendwann angefangen habe mein Essen so anzurichten, dass es wirklich verführerisch ist. Ich finde das unheimlich wichtig, damit Essen Spaß macht.
2. Alles kann, nichts muss. Ein bisschen weniger Druck bitte!
Ich werde vermutlich auch nie ein Freund von Junkfood werden, aber wenn mir danach ist mal eine ganze Pizza zu essen, dann mache ich das. Und wenn ich wirklich Lust auf eine Currywurst oder McDonalds habe, dann verbiete ich mir das nicht. Auch Schokolade oder Chips sind völlig in Ordnung, wenn ich wirklich Lust darauf habe. Allerdings nicht aus Langeweile, sondern weil man Spaß daran hat und genau das jetzt möchte. Quasi als bewusste Entscheidung um die Esoterikkiste zu bedienen ;-) Man sollte sich aber nicht unter Druck setzten. Weder durch eine schon offene Chipspackung (die muss jetzt alle werden!!!) noch durch eine Vorgabe wie "Ich darf NIE Chips essen"
3. Sweets for my Sweet, Sugar for my Honey
Seit einiger Zeit süße ich auch nur noch mit Honig oder anderen "natürlichen" Süßstoffen. Zucker verwende ich nur zum Backen und immer um mindestens die Hälfte weniger als im Rezept steht. Das kenne ich nicht anders, weil mir das einfach von klein auf beigebracht wurde. Mir persönlich schmeckt das besser und von mir bebackene Menschen haben sich noch nie beschwert, dass der Kuchen nicht süß genug war (die trauen sich das vermutlich nicht ^^)
4. Da ist was Grünes auf dem Teller- Ist das giftig?
Ja, die gute alte und von mir viel erwähnte Mädchenküche. Ich mag es einfach gerne frisch und grün auf meinem Teller. Mir schmeckt das. Ich esse unheimlich gerne Obst und Gemüse. Die machen auch unheimlich viel her (siehe 1.). Ich habe ein Faible für mediterrane Küche, die an sich schon ziemlich leicht ist. Übrigens ist es ein Irrtum, dass Salat nicht satt machen kann. Ich dünste dazu gerne Gemüse (zum Beispiel Brokkoli, grüne Bohnen und Möhren) an oder blanchiere kurz Gemüse und gebe mit in den Salat. Dazu ein schönes Brot und das Essen ist perfekt.
5. Der frühe Vogel hatte bestimmt nur Hunger!
Meine Lieblingsmahlzeit am Tag: Frühstück. Wenn ich vom Joggen wiederkomme, bereite ich gern ein richtig üppiges Frühstück zu. Mal Pancakes, mal Armer Ritter (Neudeutsch "French Toast") oder auch Unmengen an Obst mit Joghurt. Ohne Frühstück starte ich nicht in den Tag.
6. OBST
Ich liebe Obst. In meinen Lernpausen/Arbeitspausen mache ich mir unheimlich gern einen bunten Obstteller. Lecker und soooooooo schön (siehe Punkt 1). Obst ist auch meine Art von "Snacking". Gern auch als Smoothie. Man nehme: 1 Banane, ungezuckertes tiefgekühltes Obst nach Wahl (Ich liebe Sauerkirschen und Heidelbeeren), gieße das Ganze mit Hafermilch auf, bis das Obst bedeckt ist und püriere alles. Erfrischend, unheimlich lecker und gesund.
7. Sport
Ich war nie ein Freund vom Schulsport, aber seit ich studiere weiß ich erst zu schätzen, wie gut Bewegung tun kann. Ich versuche jeden Tag zu joggen. Aber ich setze mich nicht unter Druck, und wenn ich mal wirklich keine Zeit habe oder richtig kaputt bin, finde ich es völlig okay nicht zu joggen. Für die Bauchmuskeln kann man super beim Fernsehen die "100" machen. Pilates an sich ist super um sich ein wenig in Form zu bringen.



Oha, das ist nun wirklich einmal ein langer Post geworden, aber das Thema geisterte nun schon so lang durch meinen Kopf, dass ich es einfach loswerden musste. Also das schlechte Gewissen und Vorgaben aus Modzeitschriften bitte abschalten und das Leben genießen :-)
Ich wünsche euch einen wunderbaren Tag
Liebste Grüße
Lotte
PS: Ich liebe diese Aktion von Dove!!! Schaut euch ruhig mal die Videos dazu an

Kommentare

  1. Lotte, das ist KLASSE!!!
    Ich unterschreibe jedes Wort, das du geschrieben hast und ich finde dieses Dove-Video wunderbar. Das werde ich gleich auf youtube suchen und an alle(!) Mütter mit Töchtern und an alle mit ihrem Gewicht "kämpfenden" Freundinnen schicken.
    Einen wunderschönen Tag aus dem sommerlichen und endlich nicht mehr verregneten Norden wünscht dir die
    Vegetarierin

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  2. Glückwunsch! Einfach super!
    Hansi

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  3. Liebe Lotte,
    du hast dieses immerwährende Thema so gut auf den Punkt gebracht und so toll geschrieben!! Ich danke dir dafür und gratuliere dir herzlich zu diesen passenden Worte! Ich denke,jeder sollte sich immer wieder bewusst werden,dass er oder sie so wie er/sie ist gut und liebenswert ist. Man braucht nicht immer in Grösse Zero zu passen. Ich spreche da ziemlich aus Erfahrung,da ich auch nicht (für die Gesellschaft) perfekte Fiugur habe und manchmal habe ich mehr Mühe damit und dann fühle ich mich aber auch wieder völlig okay. Aber ich denke so geht es wohl allen ein wenig :-)
    Ich würde diesen Text gerne bei mir verlinken,weil ich finde,es sollen alle lesen dürfen! Magst du mir Bescheid geben,ob dies für dich okay ist?
    Liebe Grüsse Alizeti alizeti@gmx.ch

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  4. Danke für die Kommentare ihr Lieben!

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  5. Ich kann dir auch nur zustimmen, ein toller Artikel (und die Bilder am Ende haben mir richtig Appetit gemacht)! Ich habe mich mittlerweile mit meinem Gewicht "angefreundet" (ich bin nicht dick und nicht dünn, habe ein deutliches Bäuchlein und habe vorher lange versucht, das Gewicht wieder zu erreichen, das ich mit 16-17 Jahren (!!!) hatte - so ein Blödsinn!). Beim Essen versuche ich eigentlich nur einen Grundsatz zu befolgen: Aufhören, wenn ich satt bin, und nur das essen, worauf ich wirklich Appetit oder Hunger habe. Also quasi aufs Bauchgefühl hören (wo bietet sich das mehr an als beim Essen?)!

    Liebe Grüße
    Nele

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  6. Amen.

    Das tat gut :)

    Es umarmt dich frau p. die unglaublich gern mit dir diese Woche mal was essen gehen möchte :)

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    Antworten
    1. Frau P. :D Klar doch, hab dich schon so vermisst! Ich freu mich auf dich.
      Fühl dich umarmt
      Lotte

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