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Vom Suchen und Finden der (Rucksack)Liebe

"Gehst du eigentlich zelten?" Etwas entgeistert starre ich den Verkäufer an.
Eigentlich ist er ja ganz gut aussehend. Dieses naturburschige Flair, bei dem frau immer die Assoziation bekommt, dass dieser Mann nachdem er im Wald einen Hirsch fürs Abendbrot erlegt hat, noch eben Holz hacken geht um den Kamin in der Blockhütte zu bestücken. Nicht das Schlechteste und wenn er jetzt noch Gitarre spielt bin ich verloren...
Mein Gesicht muss meine Überraschung verraten haben, denn er wiederholt die Frage:
"Na in Neuseeland, gehst du dann da campen und machst lange Wanderungen?"
Ich schüttle den Kopf. "Also so wirklich geplant ist das nicht".
Er nickt bedeutungsschwer und guckt an mir herunter.
Kurz überlege ich, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre im Outdoorgeschäft auf Skinny Jeans und Hipsterstyle zu verzichten. Jetzt ist auch zu spät.
Um mich herum stapeln sich bergeweise Rucksäcke, die ich, mit Gewichten bepackt, durch den halben Laden geschleppt habe nur um festzustellen: "Sch***e sind die schwer!"
Aus irgendeinem unerfindlichen Grund sind alle Rucksäcke rot. Ist das die Outdoorvariante von stylish? Ich habe keine Ahung. Normalerweise gehe ich auch nicht in Outdoorgeschäfte.
Als ich meinen Eltern eröffnet habe, dass ich mir dieses Jahr zum Geburtstag einen Rucksack und zu Weihnachten einen Schlafsack wünsche, haben die beiden einen kurzen Blick getauscht.
"Ich hätte nie gedacht, das unsere Yuppietochter sich mal einen Rucksack wünscht", hat mein Vater gesagt. "Ja, ich dachte immer ein paar High-Heels", erwiderte meine Mutter seufzend.
Um ehrlich zu sein, ich hätte das auch nicht gedacht.
Und nun stehe ich hier im Laden, im dritten wohlgemerkt, und lasse mich von einem naturburschigen Verkäufer beraten welches Modell zu meiner Rückenlänge passt. Leider hat er anscheinend nicht vor Gitarre zu spielen.
Schon beim Aufsetzen der Rucksäcke bin ich überfordet. Wo muss ich jetzt ziehen damit das sitzt? Und warum genau sind die noch mal rot? Klar ich bin eine Frau, aber ich will KEINEN roten Rucksack und überhaupt, nur weil ich nach Neuseeland gehe, heißt das ja nicht dass ich meine High Heels zu Hause lasse, oder?
Also eigentlich.
Theoretisch habe ich mich auch schon in einen Rucksack verliebt, so einen netten mit Füchschen drauf. Blöd nur, dass er ungefähr das doppelte von dem kostet, was man für ähnliche Modelle zahlt.
Außerdem ist er für Menschen gemacht, die quasi jede Nacht allein mit dem Wolf tanzen, nachdem sie mit dem Kajak von der Nord- zur Südinsel gefahren sind und gegen einen weißen Hai gekämpft haben. Was soll ich sagen, das ist nicht so unbedingt meins. Also zumindest nicht auf Dauer. Klar, will ich die Natur sehen und auch mal durch die Gegend wandern, aber eben nicht ausschließlich.
Der Verkäufer grinst mich an.
Offenbahr hat er mich und meine Outdoorerfahrung inzwischen richtig eningeschätzt.
"Also wenn es darum geht, dass du eigentlich einen Koffer willst, aber du möchtest die Hände frei haben... Dann hätte ich noch diese hier im Angebot"
Er deutet auf ein paar riesige Rucksäcke. "Die kannst du vollständig aufmachen wie eine Reisetasche und sie auch genauso packen. Der Hersteller ist gut, das Tragesystem ist in Ordnung und die sind wirklich robust. Außerdem haben die hinten drauf noch einen kleinen Rucksack, wenn du nur mal schnell raus möchtest kannst du den abnehmen und allein benutzen" Ich schaue mir die Rucksäcke genauer an. Kein einziger von ihnen ist rot, dafür sind sie alle genauso hässlich wie die anderen.
Ich suche mir den am wenigsten hässlichen aus. "Ist der gut?"
Und bevor ich etwas sagen kann, habe ich ihn auf den Schultern. Oha. Schwer. Aber durchaus machbar. Als ich ihn, wie üblich, durch das halbe Geschäft geschleppt habe geht es an die Gimmicks. Vollständig zu öffnen, die Rucksackhenkel kann man verstecken und das Ganze als Reisetasche nutzen. Das ist sehr gut im Flugzeug: Es kann nichts abreißen, weil man alle Rucksackfunktionen verpacken kann. Außerdem ist er riesig und der Tagesrucksack... Naja, der überzeugt mich nicht, ist aber vermutlich praktisch.
Nach anständigem gegoogle zu Hause erfahre ich das der nette Rucksack eigentlich durchweg gute Kritiken bekommt. Und soooooo hässlich ist er nun auch nicht, ich bin dann halt für die Zeit einfach eine Schildkröte. Warum auch nicht, das sind ja nette Tierchen und wenn sie dann noch so viel Platz haben und ihr gesamtes Haus aufklappen können ist doch alles wunderbar.
Ich habe übrigens beschlossen meinen Rucksack Jim zu nennen, nach Jim Morrison. Schließlich gehört es sich für eine Frau nicht so lange allein zu reisen und ich bin mir sicher, dieser Rucksack wird ein echter Rockstar.
Ich wünsche euch ein wundervolles Wochenende
Lotte, die sich freut das ganze Gedöns noch mal mit dem Schlafsack zu haben

Kommentare

  1. Jedes Mal, wenn ich jemandem mit so einem XXL Outdoor Backpack sehe, frage ich mich "Warum fällt der nicht einfach rückwärts um?" :)

    Schön, dass Du schließlich einen gefunden hast! Das Abenteuer kommt immer näher!!

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    1. Genau DAS frag ich mich auch jedes Mal, besonders bei mir ;-)

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  2. bestimmt findet sich in NZ ein Sherpa und der wird sich um den Rucksack kuemmern und den Rest wirst du ROCKEN:-)
    LG
    Regi

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  3. Oh Gott, der ist aber klein !!!
    Für 3 Wochen Israel-Wandern hatte ich einen fast doppelt so großen (über 26 Kilo Gepäck, denn Zelt und Trinkwasser waren immer dabei). Wie willst du das mit so wenig Gepäck ein dreriviertel Jahr lang überleben? ;) Der abnehmbare Kleine ist super - sei froh, dass du ihn hast. Sieht doch gut aus.
    Öhm...rot sind die, damit man dich in der Wildnis im Falle eines Unfalls schneller findet (grün und gelb sind da eher Tarnfarben, blau zieht Mücken an. Rot und orange als leuchtende, gute Alternativen, da pink nur eine sehr kleine Zielgruppe ansprechen würde). Genug schlaugetan.
    Viel Spaß beim Packen und Glückwunsch zum Rucksack.

    Knutscher,
    Frau P.

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    1. Liebe Frau P.
      Willkommen in der Welt der optischen Täuschung ^^. Der ist genauso groß wie alle anderen Outdoorrucksäcke und hat sogar mehr Stauraum. Die Bilder täuschen ;-)

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