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Göttin in Gummistiefeln - oder Farmleben ungeschminkt

Wer die Lotte aus Leipzig kennt, der wird bei dem Gedanken daran wie ich mit Schubkarre und Gummistiefeln über die Wiese laufe einen Lachanfall bekommen.
Lotte in Leipzig das sind High Heels und Nagellack, Hipsterkleidung und schicker Schmuck, am Wochenende weggehen und den ein oder anderen Martini schlürfen.
Das alles passt so gar nicht zum Farmleben am Ende der Welt.
Quasi abgeschnitten von jeglicher Zivilisation (außer dem Internet JUHU!!!) gibt es hier weder die Möglichkeit schick wegzugehen noch Alkohol, und die High Heels habe ich in weiser Voraussicht gleich in Auckland gelassen. Nein, wirklich Gelegenheit mich hübsch zu machen und unter Menschen zu gehen habe ich hier nicht. Ganz im Gegenteil.
Gleich am ersten Morgen beschloss ich im Hinblick auf meine Aufgaben das Make up einfach mal wegzulassen und trage seither mit größter Begeisterung GAR NICHTS im Gesicht außer einem Lächeln.
Was die Kleidung angeht, so fällt die Wahl jeden Morgen auf meine Arbeitshose und gefühlte 100 Pullis übereinander. Und die Schuhe? Gumboots, zu deutsch: Gummistiefel.
Ich habe mich also innerhalb kürzester Zeit vom Schickimickiemädchen in ein echtes Landei verwandelt und lebe das Klischee voll und ganz aus.
Was meine Metamorphose erleichtert haben könnte ist dass ich "vons Dorf" komme, mich also dank frühster Jugendtraumata  Kindheitserfahrungen mit Gummistiefeln, Dreck, Matsch und ähnlichem auskenne.
Dementsprechend füge ich mich ganz gut in den wwoofing Alltag ein und kriege nicht nach den ersten Tagen einen Lagerkoller, weil das Einzige was ich zu Gesicht bekomme unendliche Weite mit ein paar Bergen als Deko ist.
Becky, die Besitzerin der Farm (spricht sich übrigens Biiiiiikiii aus, soviel zum Kiwienglisch) hat mir erzählt dass ihre letzten beiden Wwooferinnen echte Probleme hatten sich hier einzugewöhnen. Sie waren jeden Morgen erpicht darauf das volle Makeup ins Gesicht aufzutragen wofür sie über eine Stunde im Badezimmer benötigten, fanden die Idee in einem Wohnwagen zu schlafen gruselig und haben sich vor allem geekelt, was mit Schmutz und Tieren zu tun hat.
Solltet ihr auch so sein (was ja nicht verwerflich ist) hier ein kleiner Tipp: Geht niemals wirklich NIEMALS in eurem Leben wwoofen. Ihr werdet nicht auf Luxusfarmen arbeiten und die sanitären Anlagen und überhaupt sehr vieles entspricht nicht dem deutschen Standard. Es kann sein, dass ihr keine Heizung habt und es Nachts bitterkalt wird (wie beispielsweise bei ähhh MIR), der Strom beim kleinsten Sturm ausfällt (wie beispielsweise bei ähhh MIR) und ihr nur dann Internet habt wenn eure Arbeitgeberin nicht telefoniert, was sie praktisch den ganzen Tag tut (wie beispielsweise bei ähhh ratet mal).
Die Arbeit wird nicht darin bestehen Abends den Tisch zu decken und ein bisschen dekorativ in der Gegend zu stehen sondern ist vor allem eins: körperlich anstrengend.
Wenn ihr auf einer Farm mit Tieren seid, also fast immer, gewöhnt euch daran dass diverse Exkremente auf dem Rasen liegen und dass ihr vermutlich dafür zuständig seid Schafe/Ziegen/Kühe hin und her zu führen und einzufangen um sie von einer Weide auf die andere zu bringen. Und nein, ihr werdet nicht gefragt ob ihr Angst habt ihr macht das einfach.
Alles in allem also kein Leben, das jedem gefällt.
Aber was soll ich sagen: Ich finde es super!!! Die Möglichkeit Bio-Eier direkt vom Huhn zu bekommen, mal eben im Gewächshaus den Salat fürs Abendessen zu holen und sooft ich will Kühe zu streicheln sind nur einige der Vorteile. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass mir die körperliche Arbeit hier doch recht gut tut.
Es hat schon etwas meditatives Steine hin und her zu karren oder ein Beet herzurichten. Es ist auf gar keinen Fall etwas, das ich ein Leben lang machen möchte, aber für zwei Wochen ist es gar nicht das Schlechteste.
Selbstverständlich reizt mich der Gedanke beim Reisen wieder ein wenig schicker auszusehen, aber ich habe beschlossen alles was ich bei Becky (Biiiiiiiikii remember ;-) ) erlebe als Erfahrung einzuordenen, die ich so wahrscheinlich nie wieder machen werde. Ich lerne hier genau wie ich welche Tiere warum versorgen muss, wie man Magarine selber macht und dass es blöd ist sein Beet auf einem ehemaligen Flussbett anzulegen, weil man alle möglichen Steine wegschaffen muss.
Ich habe allerdings beschlossen meine wwoofing Zeit etwas zu verkürzen und beginne schon heute mit dem Reisen, was zwar meinen Neuseelandaufenthalt verkürzt, aber nicht die Zeit in der ich "on the road" bin.
Aber jetzt gibt es erst einmal eine Bilderflut von der Farm.

Liebste Grüße vom Ende der Welt
Lotte, die heute nach Christchurch aufbricht und Morgen ihre Reise startet

Kommentare

  1. Schön, von dir zu lesen!
    Das ist so witzig für mich, die ich quasi immer den Bauernhof meiner Großeltern als Zweitheimat hatte. Gummistiefel sind GEIL. Matschen dürfen ist auch GEIL. Und überhaupt. :D

    Sieht toll aus, die kleine Farm! Ganz viel Freude dir auf deiner Reise!

    Küsschen von Frau P.

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  2. Wow die Farm sieht ja toll aus. Da würde es mir bestimmt auch gefallen. Ich mag das Landleben ab und zu (und immer mehr) auch sehr gerne! Ich denke, dass es jedem Menschen gut tut, zwischendurch einmal ein anderes Leben zu leben und einmal etwas total anderes zu machen. So lernt man sich selber auch sehr gut kennen. Ich wünsche dir nun eine gute Weiterreise und bis gespannt, bald wieder von dir zu lesen.:-)

    Liebe Grüsse Alizeti

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  3. Einfach wundervoll <3 ich krieg Pickel vor Neid!

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