Direkt zum Hauptbereich

Hast du schon Geige geübt? Oder was lange währt---

Als ich fünf Jahre alt war, habe ich angefangen Geige zu spielen. Im Kindergarten bekam ich musikalische Früherziehung und ich war damals ganz Feuer und Flamme Geige zu lernen.
Meine Begeisterung hielt sich jedoch genau -naja gefühlte zwei Minuten.
Meine Lehrerin war, was den Umgang mit Kindern und vor allem (später sehr wichtig) Pubertierenden angeht eher... sagen wir einmal ungeschickt.
Es machte mir keinen Spaß, ich übte nicht und meine Eltern bekamen dementsprechend regelmäßig zu hören wie faul und schlecht ich doch sei.
Das war natürlich für das allgemeine Familienklima eher abträglich und so kam es dann doch häufiger zu intensiven Auseinandersetzungen was mich und mein Geigenspiel, Orchesterproben und alles damit verbundene betraf.
Als ich mit 14, nach neun Jahren Streit, meine Eltern endlich davon überzeugte für ein halbes Jahr zu pausieren um mich dem anstehenden Musicalwettbewerb inklusive Gesang und Balletunterricht besser widmen zu können, war mir klar: Das blöde Ding werde ich NIE wieder anfassen.
Und so weigerte ich mich hartnäckig zu spielen, fest in dem Glauben, dass mein Instrument und mich ein tief empfundener beidseitiger Hass verbindet.
Mein damaliger Mathematiklehrer (ebenfalls Musiklehrer und auch Geiger, der versuchte mich in sein Schulorchester zu holen) prophezeite zwar: "Warte es nur ab, das ging mir ähnlich. Ich habe als ich jung war die Geige in den Schrank gestellt und dachte ich ich werde sie nie wieder auch nur anschauen, aber eines Tages habe ich einfach wieder angefangen. Das wird dir auch so gehen", aber ich war der Meinung das gelte ausschließlich im Rahmen von Mathematiklehrern und sei keineswegs auf Rothaarige anzuwenden.
Doch dann... Dann kam irgendwie doch alles anders.
Ganz ohne Druck und einfach weil mir danach war, habe ich meine Eltern gebeten meine Geige mitzubringen. Und dann, plötzlich hatte ich sie in der Hand. Über 8 Jahre nur verflucht und mit Ärger an sie gedacht war sie plötzlich wieder in meinem Leben gelandet.
Huch.
Und einfach so begann ich sie wieder zu spielen. Am Anfang schief und ungeduldig, aber schon nach wenigen Tagen mit zunehmend Freude.
Unterricht habe ich nicht.
Ich will auch gar keine Berge versetzen und Welten bewegen.
Im Gegenteil. Ich spiele das, was mir Spaß macht.
Meine frühere Lehrerin weigerte sich mit mir schöne Stücke zu spielen. Stattdessen wurde ich mit fürchterlichen Etüden (jaja gut für die Technik ich weiß) noch und nöcher gequält, die ich nie übte und sie dementsprechend immer wieder aufs Neue aufbekam.
Das mache ich nicht. Ich weiß, meine Technik ist nicht mehr so gut, ich spiele nicht die tollsten Sachen, aber immerhin macht es mir wieder Freude.
Und Dinge, die mir im Unterricht unglaublich schwer fielen bewältige ich jetzt so schell und unkompliziert wie nie zuvor.
Laut meinem Freund, der ebenfalls Instrumentallehrer ist, liegt das einfach nur daran, dass Druck und Angst wegfallen und ich deswegen auch bei schwierigen Passagen einfach locker bleiben kann.
Ich hätte nie gedacht, dass es tatsächlich so einen Unterschied ausmacht.Und nach 8 Jahren Pause ist es nun tatsächlich so, dass ich die Stadtbibliothek nach Noten durchforste, mich freue wieder einmal Vivaldi zu spielen und aus den Songs meiner Lieblingsbands einfach ein Violinstück mache (ohne Noten, nach Gehör). Was lange währt...
Und die Moral von der Geschichte? Ähm--- Manchmal kommt es einfach ganz anders als man denkt.
Irgendwie scheint der Trick tatsächlich darin zu bestehen das Ganze freiwillig zu machen und den Stress und die Anspannung weg zu lassen.
Gilt bestimmt auch für andere Bereiche, habe ich mir sagen lassen. Ich arbeite daran... Man kann ja nicht alles auf einmal machen ;-)
Ich wünsche euch einen schönen Dienstag
Liebste Grüße
Lotte
PS: Okay bis dahin ist es noch sehr, sehr weit. Oder weiß jemand wo ich so schnell so viel Eis herbekomme?



Kommentare

  1. Es ist halt so, dass bei dieser Lehrerin nicht die Freude an der Musik eine Rolle gespielt hat; nein ihre Schüler sollten die besten sein und möglichst Konservatoriumsqualität erreichen, was natürlich völlig idiotisch ist; die Welt ist eben nicht voll von David Garrets.
    Das war auch mal Thema mit Bernd R. Zu seiner Zeit als Stadtdirektor hat er auf die entsprechenden Beschwerden von Eltern hin, den Musikschuldirektor, der genau so agierte schlicht rausgeworfen und durch jemanden ersetzt, der nach dem Motto "Musik macht Spaß" verfahren ist. Die Ergebnisse bei "Jugend musiziert" sollen sprunghaft besser geworden sein.
    Ein Einzelfall, denke ich. Ansonsten "Kneif mal nem Ochsen ins Horn"
    Für Dich freut`s mich. Glückwunsch und VIEL SPASS !!
    Hansi

    AntwortenLöschen
  2. Na, wenn es nur am Eis mangelt...... ;-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

      Löschen
  3. Na selbstverständlich woran denn sonst? ;-)

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich über eure Anmerkungen und Kommentare :-)

Beliebte Posts

Bücherliste Januar

Irgendwie ist der Januar wahnsinnig schnell vorbei gegangen und gleichzeitig fühlte er sich an wie eine Ewigkeit. Büchertechnisch sah der Beginn des Jahres eher mau bei mir aus. Ich habe ganze drei Bücher gelesen und mich irgendwie auch sonst im Januar ein bisschen verzettelt.
Ich glaube für mich beginnt das neue Jahr offiziell im Februar und ich zähle den Januar einfach als Testphase. Die drei Bücher der Testphase stelle ich euch natürlich trotzdem vor.



1. Der Report der Magd von Margaret Atwood Das Buch ist vor kurzem als Serie verfilmt worden und hat mehrere Emmys sowie zwei Golden Globes gewonnen. Leider kann ich dazu gar nichts sagen, da die Serie in Deutschland nur bei EntertainTV ausgestrahlt wird. Das Buch fand ich sehr bedrückend. Ich habe ja ein Faible für Dystopien und "Der Report der Magd" ist im wahrsten Sinne des Wortes dystopisch.  Was mich allerdings störte sind die Kritiken, die das Buch mit Orwell oder Huxley gleichzusetzen versuchten. Während die beiden Aut…

Mehr von dem guten Zeug bitte

Am Wochenende, während der Schnee die Welt ein bisschen weiß zauberte, kuschelte ich mich in Worte und Geschichten wie in eine warme Decke. Ich habe begonnen das erste Buch von Charlotte Eriksson zu lesen, ein Buch um das ich seit einem Jahr herum schlich. Gleich die ersten Sätze verzauberten mich und ich musste sie gleich allen möglichen Menschen schicken.  Ich las auch in "The Sun and her Flowers" von Rupi Kaur - noch so ein Buch, das ich schon ewig lesen wollte (und ja, ich muss dringend auch noch "Milk and Honey" dazu kaufen) und irgendwie bin ich gerade sowieso sehr sprach- und wortverliebt. Es gibt ja so Zeiten, gerade im Winter, da können Worte durchaus viel bewegen und verändern. 
Ich habe, während ich all die Gedichte und Geschichten las - und ich gebe zu das habe ich die ganze letzte Woche gemacht, wenn ich Zeit dafür fand-  gespürt wie ich innerlich ruhiger wurde und mir über viel Dinge klar wurde.  Und auf einmal führt dieser Post in eine völlig andere…

Weihnachtsgrüße

Die Sache mit Weihnachten ist die: Wir haben unzählige Erwartungen an die Stimmung, an das Fest, an die Geschenke, an das Essen und die lieben Verwandten. Wir erwarten Schnee, Kälte, Romantik und das perfekte Ambiente für eine heimelige Kulisse.
Irgendwie muss alles perfekt sein, klappt ja auch bei all den Bloggern. Die haben schließlich nie Streit am Weihnachtsmorgen, der Baum ist perfekt dekoriert und alle sind immer schön. Also bitte her mit der Perfektion, die sich wie eine Tube Honig über die nächsten Tage ergießt und alles im Keim erstickt, was annähernd gut sein könnte. Steinbeck hat einmal geschrieben "Now that you don't have to be perfect you can be good"  In diesem Sinne wünsche ich euch keine perfekten Weihnachten, keine perfekt angezogenen Menschen, kein perfektes Essen, das erst einmal vier Stunden bewundert und fotografiert werden muss, und keine sich perfekt benehmenden Kinder.  Stattdessen wünsche ich euch Freude, Ausgelassenheit und eine tüchtige Portion…