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Menu d'amour

Manchmal kommt es, trotz aller Liebe, vor, dass man sich streitet.
Umso schöner ist es sich wieder zu vertragen.
Unser "Wir vertragen uns wieder" Ritual fand eine Woche nach dem Streit statt.
Ja, das erscheint spät, zumal wir uns schon lange wieder vertragen haben.
Aber genau eine Woche ist so viel Gras über alles gewachsen, dass man solch ein Ritual umso besser genießen kann.
Unseres besteht übrigens, wie könnte es bei mir anders sein, aus einem aufwendigen selbst gekochten Essen bei Kerzenschein und mit vielen guten Zutaten.
Die Rezepte haben wir aus dem Buch "Menu d'amour" von Nicolas Barreau, einer wunderbar kitschigen, französischen Liebesgeschichte inklusive mehrerer Menüs für Verliebte. 
Es lebe das Klischee ;-)


Unser Menü bestand aus drei Gängen.

Einem Turm aus Feigen und Ziegenkäse mit Honig-Sesam Sauce.
Lammragout mit Granatapfelkernen und gratinierten Kartoffeln 
Und last but not least ;-)
Gâteau au Chocolat mit Blutorangenparfait 

Der Feigen-Ziegenkäseturm war das einzige Rezept, das wir nicht aus dem Buch genommen haben. 
Ihr findet es hier.
Einfach und schnell und damit genau das Richtige, wenn die restlichen Gänge etwas aufwendiger sind.
Eigentlich mag ich ja weder Lamm noch Kartoffelgratin.
Von daher war die Idee Lammragout mit gratinierten Kartoffeln als Hauptgericht zu servieren doch eher... nun ja ... mutig.
Aber das Rezept klang so verführerisch gut, dass ich nicht widerstehen konnte.
Und so kaufte mein Freund extra gutes, teures Salzwiesenlamm und ich habe mich tatsächlich getraut das Rezept auszuprobieren.
Lammragout mit Granatapfelkernen mit gratinierten Kartoffeln

Ihr braucht 

400g Lammfleisch aus der Keule
2 Karotten (ich habe die wunderbaren violetten genommen, die es zur Zeit gibt)
2 Schalotten
1 Aubergine
3 mittelgroße Tomaten.
2 Granatäpfel
2 Knoblauchzehen
3 EL Butter
1 Bund Thymian
1 EL Mehl
1/4 l trockener Weißwein  
400g kleine Kartoffeln
2 Eier
1 Becher Sahne

Das macht ihr
Zunächst wird das Lamm von Fett befreit und in mundgerechte Stückchen zerschnitten. 
Das Gemüse putzen , die Karotten schälen und alles in winzige Würfel schneiden. 
Ebenso mit den Zwiebeln und Knoblauch verfahren. 
Das Gemüse (außer den Tomaten) sowie Zwiebeln und Knoblauch in einer Pfanne mit etwas Olivenöl anbraten. Mit Salz, Pfeffer und Thymian abschmecken. 
Das Fleisch nun ebenfalls in Olivenöl scharf anbraten, salzen und pfeffern. Das Fleisch mit einem Esslöffel Mehl bestäuben und mit einem Schuss Weißwein ablöschen. 
Gemüse und Fleisch in einen Römertopf geben und  mit dem restlichen Wein übergießen. 
(Wir haben damit gleich auch den Bratensatz aus der Pfanne gelöst)
Alles im Backofen bei 150°C ca 2 Stunden schmoren lassen.

Für das Gratin die Kartoffeln schälen und in hauchdünne Scheiben schneiden. 
Die Sahne mit den Eisern verquirlen und mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen. 
Die Kartoffeln in eine Auflaufform kreisförmig schichten und mit der Sahnemischung übergießen. 
40 Minuten vor Ende der Backzeit des Lamms das Gratin mit in den Ofen schieben. 
Zu diesem Zeitpunkt auch die aus den Granatäpfeln gelösten Kerne unter das Lamm in den Römertopf mischen. 

Alles zeitgleich fertig- alles wunderbar! (sogar ich möchte das Lamm und das Gratin!!!)

Es kommt bei diesem Rezept nicht darauf an das Lamm genau 2 Stunden im Römertopf zu lassen. Nehmt es einfach mit raus sobald das Gratin fertig ist.
Die Granatäpfel, das Gemüse und das Fleisch ergeben zusammen ein unglaublich saftiges, fruchtiges Aroma zu dem der herbe Geschmack des Fleischs wunderbar passt. 
Alles erscheint so zart, dass es auf der Zunge zu zergehen scheint. 
(Es eignet sich demnach wunderbar für alle Träger der Dritten ;-))



Unser Dessert bildete quasi den krönenden Abschluss des Essens. 
Wir mussten allerdings eine kurze Pause zwischen den Gängen einlegen - so gesättigt waren wir nach allem was davor kam.
Weglassen wollten wir es allerdings nicht. 
Zartschmelzende Schokoladenküchlein mit flüssigem Schokoladenkern und herbes Blutorangenparfait?
Das kann man nun wirklich nicht stehen lassen, beim besten Willen nicht.
Mein Freund ist außerdem ein richtiger Eisjunkie.
Demnach war das selbstgemachte Parfait natürlich die Krönung des Essens. 

Gâteau au chocolat mit Blutorangenparfait

Ihr braucht

Für den Gâteau au chocolat

100g feine Bitterschokolade (mind. 70% Kakao)
2 Eier
35g gesalzene Butter 
35g brauner Zucker
25g Mehl
1 Päckchen Vanillezucker
4 Schokoladenstücken extra (WICHTIG!!!)

Für das Blutorangenparfait

Saft von 2 Blutorangen (leider habe ich keine frsichen Blutorangen gefunden und deswegen im Bioladen eine Packung Blutorangensaft gekauft)
2 Eigelb
1 Prise Salz 
2 Päckchen Vanillezucker
1 Becher Schlagsahne

Das macht ihr

Das Parfait
Mehre Stunden (am besten einen Tag) früher vorbereiten. 
Die Eigelbe mit Zucker, einer Prise Salz und 3 EL heißem Wasser im Mixer aufschlagen. 
Den Saft hinzufügen. 
Sahne mit Vanillezucker steif schlagen und unter die Creme ziehen. 
Alles in eine Form geben und in den Tiefkühlschrank geben.

Für die Schokoladenküchlein
Schokolade und Butter im Wasserbad schmelzen. 
Die Eier schaumig schlagen und den Zucker dazu geben. Den Vanillezucker einrühren, das Mehl und die geschmolzene Schokolade hinzu fügen. 2 Förmchen 
(ich habe 4 Silikonformen für Muffins genommen) 
zu ca 1/3 mit dem Teig befüllen. Dann die zusätzlichen Schokoladenstückchen hinein geben und die Formen auffüllen. 
Im vorgeheizten Backofen (ist ja noch warm vom Hauptgericht :P) bei 220° 8-10 Minuten backen. (Achtung nicht zu lange sonst wird der Teig zu fest). Idealerweise sind die Küchlein außen gebacken und innen weich und cremig schmelzend.
Zusammen mit dem Parfait servieren.

Ich gebe zu, nichts an dem gesamten Menü ist Low Carb, gesund und macht eine Bikinifigur.
Trotzdem habe ich nicht einen Bissen bereut und keine Sekunde an Kalorien gedacht. 
Zu lecker, zu perfekt zu zart war jeder einzelne Gang.
Luxus pur- in der eigenen Küche
Stilecht gab es zum Abschluss einen kleinen Verdauungsschnaps... Aus super kitischigen Bechern, die wir geschenkt bekamen.
Zwar hoffe ich nicht, dass ich mich häufiger streite, ein so wunderbares "Streitabschlussmenü" lässt jedoch jedes böse Wort, jedes Missverständnis im Nu dahin schwinden.
Vielleicht sind es die Kerzen, der schön gedeckte Tisch oder das wundervolle Essen - vielleicht ist es aber auch einfach nur die bewusste Entscheidung gemeinsam einen Abend zu zelebrieren, nachdem man zusammen gekocht hat---
Das menu d'amour zeigt jedenfalls seine Wirkung.
Ich wünsche euch einen wunderschönen Start in die Woche 
Liebste Grüße
Lotte

PS: Was sind eure Rituale um einen Streit abzuschließen?

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