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Hoch die Tassen

Ich bin ja ein "Nachwende Kind". Als ich auf dieser Welt eintraf, gab es die Mauer schon nicht mehr.
Da könnte ich den Tag der Deutschen Einheit etwas weniger wichtig nehmen-
Um ehrlich zu sein, bis vor Kurzem habe ich mir darüber auch nicht sonderlich viele Gedanken gemacht. Bis vor kurzem eine Frau mit Kamera vor meiner Mutter und mir stand und fragte "25 Jahre Wiedervereinigung- Grund zur Freude?"
Da wurde mir bewusst: Ich falle ja sogar in die Kategorie "Hybrid" ;-).
Geboren wurde ich nämlich im Rheinland, habe dort 2 Jahre meines Lebens verbracht und fühle mich immer noch dort zugehörig. Bis heute verfalle ich manchmal ins Rheinische (besonders, wenn ich eine Zeit dort war), sage viertel vor und viertel nach und habe die bekannte rheinische Großfresse Frohnatur ;-)
Dann zogen meine Eltern mit mir an die Ostseeküste und statt Karneval und Frohnatur, gab es nun Fischbrötchen und Norddeutsches Temperament.
Dort bin ich sozialisiert worden, in Kindergarten und Schule gegangen, habe Freundschaften und Beziehungen geschlossen. Gar kein Problem.
Zum Studium ging es dann nach Leipzig.
Klein Paris lässt grüßen, genauso wie Öko, Bio, Fairtrade und lange Nächte.
Alles war ganz selbstverständlich.
Bin ich im "Westen" fühle ich mich wohl, bin ich im "Osten" fühle ich mich genauso wohl.
Überall kenne ich Menschen, die ich mag und solche, die  arrogant und nicht besonders toll sind.
Schwierigkeiten habe ich weder mit "Ossis" noch "Wessis", sondern nur mit einer Kategorie, die man lustigerweise auf beiden "Seiten" trifft.
Die Menschen, von denen ich spreche, reden folgendermaßen:
DIE Ossis/ DIE Wessis sind arrogant/dumm/langweilig/engstirnig/blöd/scheiße... (hier bitte mit diversen negativen Adjektiven fortsetzen)!
WAS SOLL DAS? Vorurteile lassen grüßen, Arroganz und Engstirnigkeit sind auf beiden Seiten unübertrefflich.
25 Jahre Einheit und noch immer so etwas?
Seid mir nicht böse, Verständnis finde ich dafür nicht.
Ich habe bisher weder DEN Wessi, noch DEN Ossi getroffen, sondern auf beiden Seiten nur Menschen.
Manche mochte ich, andere konnte ich nicht leiden.
An einer Himmelsrichtung festgemacht habe ich diese Entscheidung nie.
Warum auch? Für mich sind und bleiben es Menschen und ja, sogar Einwohner eines gemeinsamen Landes. (Revolutionär oder ;-) )
Ein kleiner Tipp: Schaut euch Videos von der Wiedervereinigung an.
Dort sieht man wie sich ein Land gemeinsam freut.
Bleibt offen, beurteilt Menschen nicht nach Himmelsrichtungen (egal ob West oder Ost), sondern danach wie sie tatsächlich sind.
Als mein Onkel mich vor anderthalb Jahren in Leipzig besuchte sagte er zu mir; "Es ist so schön hier stehen zu können und zu wissen: Das ist jetzt ein Land. Als ich in deinem Alter war haben wir jeden ausgelacht, der sagte es würde eines Tages wieder so sein"
Recht hat er. Es ist schön, wunderschön sogar.
In diesem Sinne: Hoch die Tassen !
Liebste Grüße
Lotte

PS: Ich sage nicht, dass im Westen und Osten alles gleich ist. Der Lohnunterschied ist eine Katastrophe und einiges läuft nicht so, wie man es sich in einem Land, das zusammengehört, vorstellt. Aber mit Vorurteilen anderen Menschen gegenüber macht man Unterschiede nicht kleiner, sondern größer. Baut euch keine eigene Mauer im Kopf, wenn ihr Menschen begegnet sie beschränkt euch nur.

Kommentare

  1. Liebe Lotte,
    dankeschön für diesen Post! So lieb geschrieben...
    Recht hast du: Weg mit der Mauer im Kopf!
    Liebe Grüße
    Natalia

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