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Paris, on mange où?

Eines der Dinge in Frankreich, die man keinesfalls vernachlässigen sollte, ist das Essen. Natürlich, Paris ist nicht Leipzig und keinesfalls Provinz.
Gutes Essen kostet dementsprechend, zumindest im Restaurant, nicht gerade wenig Geld.
Aber ahhhhhhhh es lohnt sich.
Gerade wenn man weit ab der Touristenpfade in kleinen Bistros oder Cafés sitzt, das Diner des Hauses genießt und Menschen bei einem guten Glas Rotwein beobachtet, erscheint der Urlaub perfekt.
Ein Credo, das ich bei jedem Urlaub, egal ob in Paris, Prag, Neapel oder auch Wellington, verfolge ist: Gehe dahin wo die Einheimischen sind.
Frei nach dem Motto: When in Rome, do as the Romans do.
Nahe beinahe aller Sehenswürdigkeiten und Touritempel findet man Unmengen an Restaurants und Cafés, die brechend voll sind, keiner ein Wort Französisch spricht und dir die Bedienung wortlos eine englische Speisekarte reicht.
WE DON'T WANT THAT.
Drei Meter weiter, um ein paar Ecken herum und in einer Sackgasse hingegen, finden sich charmante kleine Bistros, in denen ausschließlich Französisch gesprochen wird und keiner JEMALS auf die Idee käme, Englisch mit dir zu sprechen.
Dort, in genau diesen kleinen Ecken ist es wunderbar, authentisch, billiger und unglaublich gut.
Das beste Beuf Bourguignon meines Lebens aß ich einem derart winzigen Restaurant in Paris, das Tische jedes Mal hin und her gerückt werden mussten wenn sich ein neuer Gast hinein drängte.
Da ich ein ganz passables Französisch spreche (einem Frankreichausstausch und Französischleistungskurs Abi bei einer genialen Leherin sei Dank) wurden wir als Gäste akzeptiert. Mein Freund, der kein Französisch kann, jedoch etwas pikiert angestarrt.
Das Essen jedoch ... ahhhhhhhhh... so zart, so gut, so unglaublich lecker, dass pikiertes Anstarren sofort vergessen war.
Auch in Prag gingen wir ausschließlich in Restaurants, in denen NUR Tschechisch gesprochen wurde, wir verstanden kein Wort, aber das Essen war jeden Cent wert.
Seid ihr also in Paris, traut euch ruhig in Ecken zu gehen, die vielleicht erst einmal gar nicht nach Touristenmengen aussehen und dort in winzigen Restaurants zu essen. Jeder französische Kellner wird es euch hoch anrechnen, wenn ihr versucht mit ihm in seiner Muttersprache zu reden, ganz egal wie schlecht es ist, und euch auch dann gerne mit Englisch helfen. Wichtig ist der Versuch ;-).
Und hier meine ganz persönlichen Tipps für gutes Essen in Paris/Frankreich

1. Bäcker 
Wollt ihr nicht allzu viel Geld ausgeben gibt es bei fast allen Bäckereien und Patisserien Mittags gute belegte Baguettes oder auch einen Croque Monsieur. Auf die Hand mitnehmen und es auf einer kleinen Bank an der Seine essen ist beinahe so romantisch wie in einem Restaurant und kostet gerade einmal ein Drittel. Gute Bäcker erkennt ihr daran, dass sie voll mit Franzosen sind und kaum einer Englisch spricht ;-) Warten bei einer langen Schlange lohnt sich in diesem Fall tatsächlich.
Für Abends einfach ein Bageutte und etwas Käse kaufen, zusammen mit Weintrauben und einem schönen Wein ein unglaublicher Genuss, Ich empfehle Cancoillotte, dieser Käse stammt aus der Franche-Comté (wo ich meinen Ausstausch gemacht habe), ist wunderbar flüssig, in Deutschland meines Wissen nach nicht zu bekommen und UNGLAUBLICH gut. Ich kann gar nicht beschreiben wie gut er ist...

2. Marais Viertel
Im Marais kann man unglaublich gut essen. Da wir dort gewohnt haben, kann ich in diesem Fall gleich mit 2 Tipps  aufwarten. Im Le Temps ds Cerises in der Rue de la Cersaie aß ich das beste Beuf Borguignon meines Lebens, das mit etwas Orangengeschmack quasi zu einer kulinarischen Perfektion wurde. Keiner sprach Englisch, wir waren offensichtlich die einzigen Touristen. Die Preise waren, für Paris, vergleichsweise in Ordnung. Im Preis-Leistungs-Verhältnis jedoch wunderbar. Leider waren wir von unserem Hauptgerichten so satt, dass keine Chance bestand noch eines der köstlich klingenden Desserts zu probieren.
Anders war es im Café Marais. Obwohl der Name im ersten etwas touristisch klingt, ist das Café Marais doch abseits genug um noch als Tipp zu gelten. Hier gibt es wunderbare französische Spezialitäten, guten Wein und ein tolles Dessert. (Sehr zu empfehlen ist auch die Käseplatte). Nebenbei liefen alte Charlie Chaplin Filme, die mit einem Projektor auf die Wand geworfen wurden. Unglaublich schön und très charment.



3. All time favorite
Zweimal aßen wir Abends in meinem bisher absoluten Lieblingsrestaurant in Paris. Als ehemaliger Buchladen ist das "la fourmie ailée" (die fliegende Ameise) zuständig für einen ganz eigenen Charme. Mitten im Quatier Latin, ein paar Schritte von Shakespeare and Company entfernt, sind hier mitunter auch einige Engländer und Amerikaner zu finden.
Exquisites Essen, unglaublich guter Wein und eine fröhliche Bedienung machen den Abend perfekt. Umgeben von Bücherregalen ist Lotte ja sowieso sofort ohne weiteres glücklich. Wenn dann noch gutes Essen dazu kommt kann gar nichts mehr schief gehen. Das Besondere? Es handelt sich beim "la fourmi ailée" auch um einen Salon de thé, es findet sich hier eine sehr umfangreiche Teeauswahl auf der Karte.
4. Einmal muss es doch touristisch sein
Vergesst bitte kurz alles was ich oben über "nicht da essen gehen wo die Touristen sind" geschrieben habe. Ein kleiner Ausflug ins l'Angelina in der Rue de Rivoli muss einfach sein. Dort gibt es wunderbare heiße Schokolade und einen Mont Blanc (ein Törtchen bestehend aus Maronencreme und Meringue- ein kleines hiervon reicht locker für zwei Personen!!!) zu exorbitanten Preisen, aber dafür in schick mit goldenen Decken und wunderbar elitärem Gehabe. Ein bisschen anstehen muss man um einen Sitzplatz zu ergattern, aber man gönnt sich ja sonst nichts und ein Mal hingehen lohnt sich schon allein zum Leute gucken. (Es lässt sich vielleicht ein bisschen mit Niederegger in Lübeck vergleichen. Voll, laut, etwas aufgesetzt aber einmal muss man dann doch hin ;-))

5. Für Insider und Jazz Fans
Das Belleville ist ein bisschen das multikulturelle Zentrum der Stadt mit einer sehr ausgeprägten Künstlerszene. Jeden Sonntag findet im Bellvilloise, dem Kulturzentrum des Stadtteils, ein Jazz Brunch statt. Neben einem umfangreichen Brunchbüffet mit ausgewählten Köstlichkeiten gibt es ein Jazzkonzert und jede Menge gute Laune. 
Neben Familien mit Kindern, knutschenden Pärchen und viel, viel Szene kann man hier für 29€ pro Person essen, trinken (keinen Alkohol!) und ein Konzert genießen. 
Anders, voll und einfach wunderschön. 
Der kleine Nachteil: Die Plätze beim Jazz Brunch sind heiß begehrt, sodass man eine Woche vorher reservieren sollte. Wir waren nach dem Brunch so satt, dass wir den ganzen Tag kaum noch etwas essen mussten. 
Den Tipp für das Bellvilloise bekam ich von meiner ehemaligen Französischlehrerin. Wir aßen zu meinem Geburtstag dort, der glücklicherweise auf den Sonntag fiel.




Ein kleiner Tipp: Gleich in der Nähe vom Bellvilloise befindet sich der Friedhof Père Lachaise. Dort kann man einen wunderbaren Verdauungsspaziergang machen und nebenbei die Gräber von Jim Morrison, Edith Piaf und Oscar Wild besuchen. 

Mein Fazit: In Paris kann man unglaublich gut essen. Leider ist es nie billig, es sei dann man beschränkt sich auf das übliche Fastfood. Etwas investieren lohnt sich jedoch und je weiter man von den üblichen Pfaden abweicht, desto besser wird meistens auch das Essen. 
Wir hatten ein extra Budget (dank eines Geldgeschenks), das wir einzig und allein hierfür nutzten. 
Günstig ist es selbst zu kochen (es gibt unzählige tolle Märkte und auch Lebensmittelgeschäfte). Seid ihr mittags unterwegs bieten viele Restaurants auch ein sehr günstiges Menü mit 3 Gängen an, das wirklich lecker ist. 

In diesem Sinne wünsche ich euch einen wunderbaren Start in die Woche
Liebste Grüße 
Lotte


Kommentare

  1. Danke für diesen tollen Post mit den leckeren Anregungen. Ich habe in Paris die gleiche Erfahrung gemacht

    Liebste Grüße zu dir :-)

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