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Gestern...

da saß ich in der Bahn und habe fassungslos online Zeitung gelesen...
Noch immer fehlen mir die Worte und ich weiß gar nicht genau was und wie ich jetzt darüber schreiben soll. Meinungsfreiheit, Freiheit der Presse, Gleichheit, Brüderlichkeit- all diese Begriffe springen einem mit Titelblättern ins Auge. Immer wieder steht dort "Je suis Charlie"- Ich bin Charlie. Ja.
Und manchmal auch dir Frage: Muss man denn solche Karikaturen zeichnen? Meine Meinung: Sie müssen nicht gefallen, ABER man sollte sie zeichnen DÜRFEN ohne um sein Leben zu fürchten. Das sollte selbstverständlich sein.
Immer wieder wird über Islam, Islamisierung und Gefahr geredet.
Wie eigentlich immer im Zusammenhang mit solchen Ereignissen. Wunderbare Schlagworte, die sich ja dann gerne einprägen.
Bewegende Bilder von Franzosen, die auf die Straße gehen -ungeachtet der Terrorwarnstufe-,die zeigen "so nicht mit uns, wir haben keine Angst unsere Meinung zu sagen..."
Und dann wieder Islamisierung, Gefahr für die Meinungsfreiheit, Presse in Gefahr...
Zwischen Medien und Trauer spielt sich im Moment sehr viel ab.
Alles ist voll von Emotionen und das soll es, muss es auch sein.
Trauer um die Opfer und Fassungslosigkeit sind richtig. Auch zu zeigen, dass man sich nicht einschüchtern lässt und weiter macht finde ich persönlich gut. Sich nicht geschlagen geben und nicht in kleine Löcher zu kriechen- das ist eine gute Antwort. Zu sagen ich schreibe/rede/mal TROTZDEM  ist genau der Punkt, der zeigt: Wir lassen uns nicht terrorisieren.
Trotz all dieser meiner Meinung nach richtigen Reaktionen finde ich eine Sache auch wichtig:
Solche Anschläge sind KEINERLEI Rechtfertigung für rassistisches, hasserfülltes Verhalten, für haltlose Vorurteile und ein Pauschalisieren all der Menschen, die etwas anderes glauben als du und ich.
Weder bestätigt ein solcher Terroranschlag solche Vorurteile, noch ist es ein Grund sich in ihnen zu vertiefen.
Ich bin nicht naiv, ich weiß durchaus dass es Terror, Gewalt und schreckliche Dinge auf der Welt gibt. Und ich verurteile sie zutiefst! Nichtsdestotrotz sollte es für mich niemals eine Rechtfertigung dafür sein selbst intolerant anderen Menschen, Kulturen und Glaubensrichtungen gegenüber zu sein. Fanatiker gibt es immer.
Aber bitte last uns nicht den Terroristen die ganze Arbeit wegnehmen, indem wir ihren Terror und ihren Hass in unseren Herzen die Tür aufmachen. Terror bedeutet in erster Linie Angst, Angst vor willkürlich verbreitetem Schrecken, vor Tod und Gefahr. Haben wir Angst vor einem Menschen, nur weil er anders denkt, glaubt und redet, dann müssen Terroristen nicht mehr viel tun. Dann ist der Terror bereits hier.
Zeigt Größe, zeigt Farbe, zeigt "Je suis Charlie", denn ich bin für Meinungsfreiheit, Meinungsvielfalt
und gegen den Hass einzelner, die sich als Sprachrohr sehen möchten.
Charlie Hebdo machte sich in seiner letzten Ausgabe übrigens über das in Frankreich erschienene Buch lustig, dass dystopisch über die Gefahr eines islamistischen Gottesstaats in Frankreich berichtete. Nur so als kleine Zwischeninforamtion.
In diesem Sinne und im Gedenken an die Opfer des gestrigen Tages.
Lotte

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