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Von Wegen im Abseits, Elefanten und Bartagamen

Vor kurzem habe ich ein wenig Geld investiert um mir eine Jahreskarte für den Zoo zu gönnen (der Haustrommler hat es mir gleich getan).
Wir sind beide in der luxuriösen Situation freitags frei zu haben und so können wir dann, ungestört von Großfamilien, früh am Morgen in den Zoo gehen und die Stille genießen.
Ich liebe solche Dinge sehr. Sei es über Tag in der Woche ein Museum zu besuchen, einfach durch einen Park zu schlendern oder in einer fremden Stadt abseits der Touristenwege ein Restaurant zu besuchen. Jedes Mal, wenn man etwas anders macht als die meisten Menschen entdeckt man Neues, Unerwartetes und Aufregendes. Es muss ja gar nichts großartiges sein, wie eine Reise ans andere Ende der Welt oder das ganze Leben auf den Kopf stellen.
Meistens sind es dann doch die kleinen Dinge, die in der Stille abseits der Menschenmassen eine ganz andere Wirkung entfalten.
Ein Zoo, abseits der üblichen Besuchszeiten hat für mich etwas magisches. Denn fallen schreiende Massen und lautes Rufen weg, sieht man Dinge, die einem sonst häufig entgehen.
Mein allerschönstes Erlebnis im Zoo trug sich übrigens in Rostock zu. Als ich ein kleines Mädchen war, fuhr mein Vater mit mir dorthin. Gemeinsam wollten wir uns ein kleines Eisbärbaby anschauen, das frisch und niedlich durch die Gegend tapste.
Menschenmassen standen dort und gafften. Alle sahen sich nur den kleinen Eisbären an.
Mein Vater erzählt gerne, wie sauer ich dann wurde, weil die anderen Tiere im Zoo gar keine Aufmerksamkeit bekamen und ich mich erbost abwandte. Zusammen gingen wir durch den ansonsten menschenleeren Zoo, sahen uns alle anderen Tiere an und beobachteten schließlich ein Greifvogeltraining, das jedem anderen entgangen ist, der nur "klein und niedlich" sehen wollte. Lange standen wir dort und beobachteten fasziniert das Können, die Geschwindigkeit und Intelligenz der Greifvögel und ihre Interaktion mit ihrem Trainer.
Es ist und bleibt meine liebste Erinnerung an den Zoo und jedes Mal, wenn das Thema Zoo in unserer Familie angesprochen wird, kramt mein Vater diese alte Geschichte raus.
Recht hat er. Für mich zeigt sie, dass das Besondere, das Andersartige und Geheimnisvolle nicht immer darin liegt, dass man unglaublich weit weg ist/fährt, sondern einfach darin, die Augen für alles Neue, Besondere und nicht sofort Ersichtliche auf zu halten und staunen über Alltäglichkeiten zulässt.
Deswegen habe ich die Jahreskarte, deswegen besuche ich Museen zu Zeiten, in denen es menschenleer ist, gehe im Louvre nicht zur Mona Lisa und esse ausschließlich in Restaurants im Ausland in denen nicht Englisch gesprochen wird (es sei denn man ist in einem englischsprachigen Land versteht sich ;-)).  Oder ich besuche eine Lesung von Fantasyautoren während der Leipziger Buchmesse von denen ich zu dreiviertel noch nie etwas gehört habe- aber dazu ein anderes Mal.
Nun also zurück zum Zoo...
Für mich ist der Leipziger Zoo einer der schönsten, die ich kenne. Unter anderem deshalb, weil er so viel Wert auf artgerechte Haltung legt.
Das Pongoland arbeitet beispielsweise eng mit dem Max-Planck Institut für evolutionäre Anthropologie zusammen und bietet den Affen (merke: Die Tiere, nicht die Forscher ;-)) eine vergleichsweise große Freifläche zum Toben.
Vor kurzem waren wir zu einem besonderen Anlass im Zoo.
Jeden Tag um 10.15Uhr findet das Elefantenbaden statt. Während sich am Wochenende Menschenmassen drängeln um zu schauen, hatten wir den Vorteil beinahe allein zu sein.




Die erste Aktion der badenden Elefantendame bestand übrigens darin, den Zuschauern den Hintern zuzudrehen und einmal ihr großes Geschäft zu erledigen. Anwesende Kinder fanden das total eklig, anwesende Lotte fühlte eine Welle des Pipi-Kacka Humors in sich aufsteigen und musste ziemlich lachen. Ich fürchte ich bin kein Vorbild...
Ansonsten blieb das Baden jedoch ohne weiter Zwischenfälle.
Habt ihr im Leipziger Zoo noch Zeit geht unbedingt ins Gondwanaland. Dort kann man für etwas zusätzliches Geld auch einmal Bötchen fahren und sich alles vom Wasser aus anschauen.
Außerdem haben wir einen kleinen Zwischenfall beobachtet, der uns zu dem neuen Bonmot veranlasst hat: "Sei froh, du hättest auch die Bartagame sein können... "
In diesem Sinne sende ich euch liebste Grüße
Lotte

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