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Post Dok

Zu Beginn der Woche ein kleiner universitärer Wortwitz als Titel- auch das muss manchmal sein. ;-)
Dabei geht es heute gar nicht um wissenschaftliche Karrieren, sondern tatsächlich um Filme.
Die letzte Woche war in Leipzig diesbezüglich nämlich einiges los. Wie jedes Jahr fand hier die DOK statt, das Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilme. Und, nach 5 Jahren, man lese und staune, habe ich es dieses Jahr tatsächlich das erste Mal geschafft daran teilzunehmen. Wobei das Wort Teilnahme vielleicht nicht gerechtfertigt ist, wenn man ganze 3 Veranstaltungen schafft. Aber mehr war leider nicht zu machen.
Dafür waren alle Filme die ich sah absolut großartig und empfehlenswert- das hat man ja auch nicht jeden Tag. 
So sah ich einen Film, der sich mit einem finnischen School Shooter beschäftigte, einen animierten Kurzfilm über die Todesstrafe in den  USA, eine Dokumentation über ein Sozialprojekt für Sexualstraftäter in Florida und, für mich am meisten beeindruckend, zwei Dokumentationen, die hautnah direkt ins Kriegsgebiet führten.


"A Baptism of Fire", begleitete junge Fotojournalisten direkt an die diversen Fronten des arabischen Frühlings von Ägypten bis nach Libyen (und, auch wenn es im Film nicht gezeigt wurde, nach Syrien) . Immer direkt an die Front frei nach dem makaber anmutendem Motto "Ein Leben für ein Foto". Was hinter den Bildern steht, die wir allabendlich in der Tagesschau sehen, welche Risiken und Geschichten, all das wurde mir bei dieser Dokumentation das erste Mal richtig bewusst. Von Kugelhagel und Gasmasken, hin zu Whiskey und Quatsch machen im Hotel oder eben zur Beerdigung eines Freundes, der den Kugeln nicht entkommen konnte. Verstörend, aufwühlend und packend. Plötzlich sieht man ein Foto aus Kriegsgebieten noch einmal ganz anders. Den Trailer könnt ihr hier finden. Genauere Informationen noch einmal hier.
Verstörend war auch "Black Flag" eine Dokumentation, die direkt zur schiitischen Miliz und ihren Kampf gegen den IS im Irak führte. Eine kleine Gruppe von Männern, die um einen Kilometer Land und eine völlig zerstörte Stadt kämpfen und dabei ihr Leben lassen. Auf Arabisch mit englischen Untertiteln wurden Einblicke gewährt, die so nicht denkbar sind. Den Trailer könnt ihr hier sehen.

Es fällt mir schwer in Worte zu fassen, was diese beiden Filme ausdrückten. Ich habe das Glück in einem Land zu leben, in dem Krieg nicht mehr als ein Wort in den Nachrichten ist. Ein Wort, das siebzig Jahre von uns entfernt ist und von dem ich in diesem Sinne nie eine Vorstellung hatte. Natürlich können zwei Dokumentation nicht vollständig erfassen. was es bedeutet mitten in einem Kriegsgebiet zu leben. Aber der kurze Einblick, der mir an diesem Abend gewährt wurde, hat vieles in mir berührt und erschüttert.
Wenn ihr die Möglichkeit habt einen dieser Filme zu sehen: Macht es.

Auch die Filme "Pervert Park" (den Film über das Sozialprojekt für Sexualstraftäter) und "Last Day of Freedom" (den Film über die Todesstrafe) haben mich beeindruckt. Im Rahmen meines Studiums und auch im Hinblick auf meinen Wunsch für meinen weiteren Berufsweg, habe ich mich schon viel und intensiv mit Straftätern und Therapien für Gewalt- und Sexualstraftäter auseinander gesetzt. Dazu vielleicht ein anderes Mal mehr. Aber "Pervert Park" gab noch einmal einen ganz anderen Einblick dazu, wie in Nordamerika der Umgang mit Sexualstraftätern aussieht.

"Last Day of Freedom" war für mich eine Überraschung. Er war der Kurzfilm, der vor "Pervert Park" lief und ich habe ihn nicht freiwillig ausgewählt um ihn mir anzusehen.
Zum Glück habe ich es dann getan. Als Humanistin bin ich klare Gegnerin der Todesstrafe. Ein Staat der sich das Recht herausnimmt seine Bürger zu töten ist für mich eine grauenvolle Vorstellung. Nichts, gar nichts auf dieser Welt kann das Leid der Angehörigen eines Mordopfers oder das Leid einer vergewaltigten Frau oder eines Kindes schmälern. Schon gar nicht ein erneuter Akt der Gewalt. Weder wird die Tat ungeschehen gemacht, noch nützt es irgendeinem Menschen auf dieser Welt. Es ist schlichtweg Mord und grauenvoll. "Last Day of Freedom" erzählt die Geschichte eines Hingerichteten aus der Sicht seines Bruders und ist für den Oscar als bester Kurzfilm im Bereich Dokumentation nominiert. Ich hoffe sehr, dass er gewinnen wird und somit mehr Menschen diese Geschichte hören und ihre Gedanken hinterfragen.
Zum Trailer geht es hier entlang.



Wer einen schonungslosen Blick auf die Psyche hinter einem Amoklauf haben möchte, dem kann ich "Pekka inside the mind of a school shooter" empfehlen. Überlebende, Lehrer, die Eltern und Freunde des Amokläufers in Norwegen erzählen wie sie Pekka erlebten und was dieser Tag für sie bedeutet hat. Eine endgültige Antwort kann niemand finden. Trotzdem bleibt es ein lohnenswerter Film. 



Insgesamt war die Dok auf jeden Fall ein wunderbares und einzigartiges Erlebnis, das unglaublich bereichernd war. Sichtweisen, die man sonst nicht einnehmen kann, Schlange stehen um eine Last Minute Karte zu erhaschen und zufällig liebe Menschen dort treffen gehörte für mich ebenso dazu wie Q&As mit den Filmemachern und viel, viel Englisch hören. 
Habt ihr nächstes Jahr um diese Zeit nichts vor- Leipzig lohnt sich und die Dok ganz besonders
Ich wünsche euch einen wundervollen Start in die Woche
Liebste Grüße
Lotte

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