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Von guten Mächten?

Natürlich sind auch bei mir die Ereignisse von Paris nicht ohne Gedanken und Gefühle geblieben.
Viel geht mir durch den Kopf und nimmt Raum ein.
Ein Verwandter von mir war zum Zeitpunkt der Anschläge im Stadion und ich bin sehr dankbar, dass ihm nichts passiert ist. Dieses Gefühl der Dankbarkeit war- bei all dem Schrecken, der geschah und sich ausbreitete- sehr groß in mir vorhanden.
Wir haben Glück gehabt als Familie. Viele andere haben es nicht. Und so bin ich natürlich in Gedanken bei all jenen, die Freunde und Verwandte verloren, selbst Opfer der Attentäter wurden und heute noch um ihr Leben kämpfen.
Ich wünsche diesen Menschen alle Kraft, die sie aufbringen können um diese Zeit zu überstehen.
Nicht vergessen möchte ich die Helfer vor Ort. Solche Bilder lassen auch Ersthelfer nicht kalt, selbst, wenn sie in diesem Moment funktionieren und ihr Arbeit machen- manche verfolgen diese Bilder eine lange Zeit. Das ist, wie eine Professorin einmal in einem Seminar zum Thema "Notfallpsychologie" zu uns sagte: "Eine ganz normale Reaktion auf ein völlig unvorstellbares Ereignis". Worte können nicht ausdrücken wie wichtig die Arbeit jener Menschen ist, die jetzt vor Ort sind. Sich um Angehörige kümmern, Verletzte pflegen und ein offenes Ohr haben.
Diesen Menschen gebührt großer Respekt und Dankbarkeit- auch sie sollten wir nicht vergessen. Ebenso wenig wie die Polizisten, die alles in ihrer Macht stehende taten um Schlimmeres zu verhindern.
Viele Menschen sind betroffen, viele von denen wir es auf den ersten Blick vielleicht nicht sehen.
All jene schließe ich in meine Gedanken ein.
Es gibt nicht viel zu sagen, nichts was den Schmerz im Moment lindern oder etwas besser machen könnte.
Alles was wir tun können ist füreinander da zu sein.
Ja, die Welt ist ein finsterer Ort voll von Kriegen, sterben und Elend.
Aber sie ist auch ein schöner Ort, ein Ort in dem binnen Sekunden Menschen aufstehen können und füreinander da sind.
Zwei Dinge sind es, die ich in den letzten Tagen immer wieder gehört habe. Sei es von Freunden, Betroffenen oder Politikern. Weder sollten wir uns von diesem Schrecken einschüchtern lassen und fortan die Angst unser Leben diktieren lassen, noch sollten wir die Schuld bei jenen Menschen suchen, die vor genau diesem Terror in unser Land fliehen. Ein Generalverdacht hilft niemandem weiter. Auch damit hätten Terroristen gewonnen, wenn sie uns  das Vertrauen ineinander nehmen und die Menschlichkeit, die zu uns gehört.
Paris ist meine Stadt. In ihr fühle ich mich wohl und angekommen, ich liebe den Trubel und das bunte Leben, das mich dort umgibt, die Cafés, die Kunst und vor allem die Menschen.
Überall pulsiert das Leben und trotz all des Terrors und der fürchterlichen Dinge, die geschehen sind ist es das, was uns bleiben sollte: Wir leben. Lasst es uns nicht in Angst tun, sondern mit Freude und Dankbarkeit für jeden Moment, der uns bleibt.

 Ich schließe meinen Post heute mit einem Gedicht Dietrich Bonhoeffers, das er während seiner Gefangenschaft an seine Verlobte schrieb. Es ist für mich ein solches Zeichen der Zuversicht, dass es mich jedes Mal zu Tränen rührt. Egal, was euch in schweren Zeiten und dunklen Momenten Hoffnung und Zuversicht geben mag, sei es Gott, Allah. Jahweh, das Spaghettimonster oder einfach der schlichte Glaube an die Menschlichkeit und den Humanismus- ich wünsche euch, dass ihr es bewahren könnt.

Von guten Mächten
Von guten Mächten treu und still umgeben,
Behütet und getröstet wunderbar,
So will ich diese Tage mit euch leben
Und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen,
Noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach, Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
Das Heil, für das du uns geschaffen hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
Des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
So nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
Aus deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
An dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
Dann wolln wir des Vergangenen gedenken
Und dann gehört dir unser Leben ganz.

Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
Die du in unsre Dunkelheit gebracht.
Führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
So lass uns hören jenen vollen Klang
Der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
All deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
Erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

~Dietrich Bonhoeffer~

Einen schönen Sonntag wünsche ich euch
Lotte

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