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Lernen mit Lotte

Ich studiere ein Fach, in dem ich sehr viel lernen und auswendig wissen muss. Das war für mich am Anfang recht ungewohnt, denn in der Schule fiel mir das meiste zu und ich habe höchstens einmal Vokabeln oder Geschichtszahlen gelernt. Mein Abi machte ich mit einem 1er Schnitt, obwohl ich krankheitsbedingt das letzte halbe Jahr nicht einen Tag in die Schule ging und das halbe Jahr zuvor auch nicht wirklich anwesend war.
Ein richtiges Konzept, wie ich am besten Wissen in meinem Kopf verstaue hatte ich damals jedoch nicht. Ich habe mich immer auf meine schnelle Auffassungsgabe und mein gutes Verständnis von Zusammenhängen verlassen.
Und dann kam die Uni. Plötzlich hieß es große Mengen Stoff zu bewältigen und alles für eine Prüfung wiedergeben können. Eine ziemliche Umstellung, die mir am Anfang nicht leicht fiel. Zwar blieben meine Noten sehr gut, es schlich sich jedoch eine gewisse Panik ein und Abende, Wochen und viel, viel Lebenszeit gingen für die Bewältigung von Prüfungsstoff drauf, den ich, mit dem richtigen Konzept, sehr viel entspannter hätte lernen können.
Und da nun bald wieder die Prüfungszeit für alle Studenten ansteht (und auf Wunsch der Leser versteht sich) gibt es heute eine kleine Session zum Lernen für euch.
Viel Spaß beim Lesen.

1. Plane, dann wirst du nicht hektisch
Am Anfang jeder Lernphase steht für mich immer, immer, IMMER ein guter Plan.
Ich verschaffe mir genauen Überblick über die Stoffmenge und verteile sie gründlich auf alle mir zur Verfügung stehenden Tage. Für jeden Tag gibt es eine bestimmte Anzahl an Einheiten, die ich schaffen will. Bin ich damit fertig höre ich auf. Bin ich es nicht halte ich weiter durch. 
So habe ich eine Struktur und weiß ungefähr ob ich an diesem Abend noch ins Kino gehen kann oder eher nicht. 

2. Gib mir Farbe Baby - schon wieder
Ja ich weiß, das hatten wir erst letzte Woche bei der Organisationssache. Aber Farben machen vieles einfacher. Mir persönlich verschaffen sie eine gute Unterteilung. Große Überschriften markiere ich Orange, danach folgende Gelb, dann Grün und kleine Miniüberschriften werden blau. Damit sehe ich eine gute Struktur in der Arbeit und habe auf einen Blick im Kopf was ich bearbeiten muss. 
Für mich besonders wichtig ist es mir die Anzahl der Punkte, die ich lernen muss, in Klammern neben die Unterschrift zu schreiben. Dadurch weiß ich immer wie viele Punkte ich nicht replizieren kann und wo ich genauer lernen muss.



3. Wiederhole und siege!
Ich versuche jedes Themengebiet mehrfach zu lernen. Mein Minimum liegt bei drei Lerndurchgängen, mein Maximum bei sechs. Das bedeutet auch, dass ich bei Lerndurchgang eins keinesfalls die Anforderung an mich stelle perfekt zu sein- beim letzten Durchgang hingegen schon.
Ich habe festgestellt, dass Dinge, die mir beim ersten Mal nicht in den Kopf wollen beim zweiten und dritten Mal meist mühelos repliziert werden können. Mit jedem Mal, dass ich zum wiederholen nutze, sitzt das Wissen etwas fester, sodass manche Prüfungsfragen am Ende im Schlaf beantwortet werden können. 

4. Daten, Zahlen, Vokabeln
In meinem Studiengang haben wir sehr wenig mit Geschichtszahlen oder Vokabeln zu tun. Trotzdem habe ich einen kleinen Kniff für euch wie ihr diese gut lernen könnt (das EINZIGE! was ich schon in der Schulzeit tat und es jetzt nicht mehr gebrauchen kann). Karteikarten sind altmodisch, aber für mich noch immer der absolute Renner. Ja, es ist aufwendig sie zu beschriften. Ja, es nervt sie zu verstauen. ABER! Sie sind das Beste, was mir passieren konnte um schnöde Vokabeln oder einfache Geschichtszahlen in den Kopf zu bekommen. Auf die eine Seite schreibt ihr die Geschichtszahl/Vokabel, auf die andere Seite das Ereignis/die deutsche Bedeutung.
Dann könnt ihr alles in mehreren Durchgängen lernen. Schon sitzendes Wissen wird auf einen Stapel gelegt, das noch nicht sitzende wiederholt bis es ihr es könnt. Das Ganze wieder in mindestens drei Durchgängen und es läuft mit Sicherheit gut bei euch!
Das Beste daran: Schon beim nervigen Beschriften lernt ihr zum ersten Mal. 
Perfekt oder?


5. Sprache lernt man im Leben
Fremdsprachen fielen mir nie schwer. Ich liebe es über Sprache neue Kulturen und Ansichten zu lernen. Aber , das habe ich recht früh festgestellt, Sprache lernt sich am Besten im Alltäglichen.
Lest euren Lieblingsautor (am besten ein Buch, das ihr auswendig könnt) in der Sprache, die ihr lernen möchtet, sehr Filme im Original mit Untertiteln (die Untertitel in der Originalsprache nicht auf Deutsch. So lernt ihr doppelt: Aussprache und Schreibweise), bereist das Land, lernt Menschen kennen und sprecht die Sprache. Bittet darum korrigiert zu werden, wenn ihr etwas falsch betont, aber sprecht, sprecht, sprecht. Anders wird das nichts ;-) Dafür macht es unglaublichen Spaß. Ich habe Französisch tatsächlich während meines Frankreichaustauschs am besten gelernt und, man lese und staune, mit den Harry Potter Büchern auf Französisch. Die sind wunderbar geeignet, da sie die perfekte Alltagssprache haben ohne dabei zu sehr in Slang oder Jugendsprache zu verfallen. (Und ich konnte sie auswendig, das bedeutet bestimmte Redensarten musste ich nicht mühselig nachschlagen um zu wissen was gemeint ist)


6. Reden ist Gold
Ja, auch wenn ihr alleine seid. Das Gelernte laut zu wiederholen, auszusprechen und zu replizieren bringt mehr als ihr glaubt. Ihr müsst nämlich erstens denken und replizieren, dann das Ganze laut aussprechen und hört es am Ende auch noch einmal. Drei unterschiedliche Wege sind besser als nur ein Kanal. Ja, ich komme mir blöd dabei vor. Ich mache es aber trotzdem- hilft nämlich. 

7. Sei Dornröschen
Im Schlaf konsolidieren wir eine Menge. Das bedeutet: Wer in der Prüfungsphase steckt sollte  seinen Schlaf nicht zu knapp kalkulieren. Erstens, weil lernen anstrengend ist und zweitens, weil Konsolidierung nun einmal das Allerwichtigste ist. Wenn sich das Wissen nicht verfestigt können wir es ja auch gleich lassen oder? Einen Artikel dazu findet ihr zum Beispiel im Spektrum (nur falls ihr ungläubig die Augen aufreißt und sagt ihr lernt lieber die Nächte durch)
Alkohol im Übermaß macht die Konsolidierung übrigens kaputt- also vielleicht besser keine Falsche Wodka alleine trinken ;-)



8. Bleib fokussiert
Das Leben hat die herrliche Angewohnheit immer in den Momenten dazwischen zu funken, wenn es gerade gar nicht passt. Trennungen, Streit und Umzüge finde mit Vorrang in den Prüfungszeiten statt und irgendwie mag man sich mit gebrochenem Herzen ja nun auch nicht auf den Lernstoff konzentrieren und vielleicht ruft er j an und sowieso...
NEIN!
In der Lernzeit mögen die Gefühle verrückt spielen, man mag traurig sein und sich elend fühlen (ging mir oft genug so- die krassen Sachen passieren immer dann). Aber: Lernen lenkt ab. Ehrlich! Versucht euch zu disziplinieren, auf den Stoff zu konzentrieren und eure Gedanken schön beisammen zu halten. Ja, elend darf man sich fühlen. Ihr müsst auch nicht vor Freude im Kreis hüpfen, aber den Fokus für eine Weile auf die Lernerei zu legen kann sehr befreiend sein. 
(und ja, es gibt Fälle in denen so etwas gar nicht geht. Dann sollte man vielleicht doch lieber die Klausur schieben.)
Fokussiert bleiben heißt auch nicht aufs Handy gucken, 10 Whatsapp Nachrichten schreiben oder eben mal einen Blog lesen (Höhö kenne ich nur zu gut).
Am besten packt ihr das Handy weg und schaut nur nach einer bestimmten Anzahl an Lerneinheiten darauf. Ihr glaubt gar nicht wie schnell ihr den Stoff bewältigt, wenn ihr dringend aufs Handy schauen wollt. 


9. Pausen
Das klingt vielleicht banal, aber Pausen sind essentiell, Niemand kann sich 8 Stunden am Stück aufs Lernen konzentrieren und es zu versuchen ist ein Ding der Unmöglichkeit.
Sobald ich merke, dass meine Konzentration schwächelt höre ich für kurze Zeit auf zu lernen.
Ich mache mir einen Tee, esse ein Stück Schokolade oder gehe für einen Spaziergang vor die Tür. Ganz hoch im Kurs während der harten Phase stehen bei mir kleine Schläfchen. Irgendwie erfrischen die mich immer besonders gut.



10. Locker bleiben
Auch beim Lernen ist das Wichtigste: Locker bleiben.
Verkrampft und mit Angst geht zwar auch, ist aber auf Dauer doch eher anstrengend.
Ich versuche so gut es geht meine Struktur zu halten, bleibe aber locker, sollte es aus irgendeinem Grund nicht gehen. Außerdem achte ich darauf schöne Dinge einzuplanen, die ich tatsächlich einhalte.
Nach einem anstrengenden Lerntag treffe ich mich gerne mit Freunde, gehe weg, koche etwas schönes oder bin auch mal tanzen. (Ja und trotzdem versuche ich genug Schlaf zu bekommen- das geht gut. Ich plane für den nächsten Tag weniger Stoff ein)
Das Leben verliere ich nicht aus den Augen und genieße es einfach weiterhin.
Zwar werden meine Aktivitäten weniger, dafür genieße ich sie bewusst und räume mir dafür genügend Zeit ein.
Und das sorgt dafür, dass meine Motivation nicht irgendwann in den Keller geht und ich mir vorkomme wie ein Einsiedler.
Es gehört für mich genauso dazu, wie Pläne und Strukturen. 


Ich hoffe meine kleinen Lerntipps konnten euch ein wenig helfen. Nehmt einfach mit was ihr für euch gebrauchen könnt und bleibt locker.
Eine Prüfung ist nicht die ganze Welt, trotzdem ist es schön, wenn man sie gut bewältigen kann.
Wenn ihr möchtet verrate ich euch nächste Woche einen Hardcore Tipp für das Lernen zu zweit und wie man damit innerhalb weniger Tage eine riesige Stoffmenge bewältigen kann. 
Ich wünsche euch einen wundervollen Start in die Woche 
Liebste Grüße
Lotte


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