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Offline ist das neue "hip" oder "Nur Personal ist immer erreichbar"

Ein neuer Start, eine neue Woche, eine neue "Montagsmotivation".
Heute soll es um euer Smartphone gehen (ja, um das Gerät mit dem ihr vielleicht gerade meinen Blog lest).
Ich gehöre zu den wenigen Menschen, die erst sehr, sehr spät ein Smartphone ihr Eigen nannten.
Genau genommen kaufte ich mir in Neuseeland die allererste Billigversion eines solchen Geräts, um mit meinem damaligen Freund in Deutschland leichter kommuniziert zu können.
Eine sinnvolle Anschaffung, die sich in diesem Fall wirklich lohnte.
Davor hatte ich nie das Bedürfnis verspürt alles im Internet sofort nachlesen zu können oder ständig erreichbar zu sein.
Übrigens war es mit meinem ersten Handy genauso. Das hatte ich mit 16 und auch nur so irgendwie durch Zufall.
Auch Facebook kam recht spät bei mir an ... Und viele andere Fortschritte ebenso oder nie (ich hatte nie einen Gameboy, eine Spielkonsole oder eine Playstation und habe es auch nie vermisst!).
Ich bin, was so etwas angeht, ein Spätentwickler.
Kommt es bei mir an besteht jedoch die Gefahr, dass ich ein bisschen zum Junkie mutiere.
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Schon längere Zeit dachte ich über meinen Smartphonekonsum nach, versuchte ihn zu reduzieren und nicht ständig Zeit mit Whatsapp oder Messenger zu verbringen. 
Dennoch so richtig clean wurde ich nicht. ;)
Dann telefonierte ich eines Abends mit meiner Mutter und sie erzählte mir von einem Professor, der sich intensiv mit den Themen "Digitales Leben" und Gesundheit auseinandersetzt.
Im Gegensatz zum allgemeinen Hype geht Manfred Spitzer davon aus, dass die Digitalisierung ernsthafte Nachteile mit sich bringt, die  schwere gesundheitliche Auswirkungen haben.
Als Mediziner und Psychologe beschäftigt er sich vorrangig mit den Folgen für (psychische) Gesundheit, Bildung und Entwicklung von Kindern.

Ich las das  Buch "Cyberkrank" recht zügig, freute mich über den häufigen Gebrauch von Effektstärken, die Angabe von Stichprobengrößen und das Zitieren zahlreicher Studien und wurde auf die Debatte, die sich um Spitzer und seine Theorien ringt, erst im Nachhinein aufmerksam.
Viele der von ihm zitierten Studien waren mir geläufig (Der Gehirnscan der Taxifahrer und die dortigen Veränderungen in den Gehirnarealen, die mit räumlichen Denken zu tun haben gehörte bei mir zu den Grundlagen des Studiums), andere wiederum waren mir neu.
Das ein ums andere Mal zuckte ich innerlich zusammen. Man berechnet keine Effektstärken in Bevölkerungszahlen um, damit die Zahl größer scheint. Das ist schlechter Stil und recht polemisch. Eine Effektstärke von 0,2 wird nicht besser, weil man sie in Millionen umrechnet (ab 0,5 ist sie mittelprächtig. ab 0,8 ziemlich groß so für die Freaks unter euch) und auch das etwas schnelle Hinweggehen über das Thema Verhaltenssüchte hat mich kurz erschauern lassen.
In der neuen Diagnostikbibel für psychische Störungen, dem DSM 5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) tauchte zum ersten Mal der Begriff der Verhaltenssüchte auf.
Dieser bezieht sich auf das pathologische Glücksspiel, ein Gebiet das ausreichend erforscht ist. Internetsucht befindet sich ganz am Anfang der Forschung, die Studienlage ist nicht ausreichend um schon von einer psychischen Störung zu sprechen und auch, wenn das Verhalten 24/7 am Computer zu hängen mit Sicherheit nicht gesund ist, hätte ich mir einen differenzierten Blick auf das Themengebiet gewünscht. Den Begriff Sucht in den Raum zu werfen und dann populärwissenschaftlich davon zu sprechen, dass es sich beim übermäßigen Gebrauch von Smartphone, Laptop und Co um ebenjene handelt störte mich.

Nichtsdestotrotz brachte mich das Buch einmal mehr zum Nachdenken über meine Handy- und Internetgewohnheiten. Wie häufig sehe ich viele Dinge nicht oder nicht wirklich, weil ich über einen kleinen Bildschirm gebeugt etwas anschaue, das nichts mit dem aktuellen Moment zutun hat?
Wie oft weckt mich ein leuchtender Handybildschirm, weil jemand es gut findet mir nachts um 3 eine betrunkene Whatsappnachricht zu schicken?
Wie schnell sage ich mir: "Das weiß ich gerade nicht so genau, da müsste ich nachdenken- ach ich gucke schell bei Google nach"?
All das waren Fragen, die ich mir auch schon vor der Lektüre des Buchs gestellt habe, die dabei aber noch einmal bekräftigt wurden.
Besonders das Kapitel über cirkadiane Rhythmik, also in diesem Falle den Schlaf-Wach-Rhythmus. hat mich sehr beschäftigt und ich tat, was ich schon vor Ewigkeiten hätte tun sollen: Ich kaufte mir endlich einen neuen Wecker. Kein Handy mehr am Schlafplatz. Ich hatte bisher nie das Gefühl schlecht zu schlafen, merke aber seit dem Monat in dem ich ohne Handy neben mir einschlafe eine deutlich größere Erholung. (Was auch an der allabendlichen Meditation oder einem hübschen Placeboeffekt liegen könnte wohlgemerkt)
Außerdem stelle ich mir immer öfter die Frage: Muss ich mein Handy dazu mitnehmen? So lasse ich es mit großem Vergnügen Zuhause liegen, wenn ich einfach nur bummeln oder einkaufen gehe, nehme es aber beim morgendlichen Joggen mit. Treffe ich mich mit Freunden bleibt das Taschentelefon genau dort wo es hingehört: in der Tasche. Es sei denn, wir sprechen uns ab, dass wir jetzt mal kurz aufs Handy schauen, weil wir einen wichtige Nachricht erwarten. Und ja, das geht. Wir reden einfach so miteinander ;)
Anmerkung hierzu: Okayyyyyy ich gebe zu ich gehöre zu den seltsamen Menschen, die manchmal in Restaurants Essen fotografieren. Aber das ist alles für den Blog also ähhhh somit für die Allgemeinheit. In letzter Zeit lasse ich aber auch das immer öfter sein, es sei denn es handelt sich von vorneherein um ein Restaurant, das ich euch vorstellen möchte wie den Chinabrenner. Dann ist das jedoch mit meiner Begleitung abgesprochen, genehmigt und das Handy kommt danach sofort weg.

Ich bin ein wenig aufmerksamer geworden was den Konsum angeht, setze mir ein Limit wie oft ich darauf gucke und merke immer mehr wie viel Zeit verloren geht, weil man "nur mal eben" eine Nachricht tippt.
Und mal ganz ehrlich: NICHTS ist unhöflicher als ein Mensch, der mitten in einem Treffen (vielleicht sogar DATE!) mal eben sein Handy zückt, das Gespräch unterbricht und dort schaut was sonst so los ist.

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Wir können soziale Medien nicht aus unserem Leben verbannen, sie gehören dazu und ich genieße die Vorteile, die sie mit sich bringen. Als Bloggerin liebe ich ebenso natürlich die Möglichkeit des Austauschs über Plattformen wie diese hier oder auch Pinterest und Instagram. Aber ich möchte nicht von digitalen Medien diktiert werden, mein Leben danach ausrichten und viele Stunden täglich damit zubringen in virtuellen Realitäten zu leben statt in diesem  Moment.

Allen, die sich mit der Thematik auseinandersetzen möchten sei das Buch "Cyberkrank" von Manfred Spitzer empfohlen, als Denkanstoß für den kritischen Geist -
Nicht als Dogma und nicht als Teufelswerk, sondern einfach als die Möglichkeit eigene Gewohnheiten zu überdenken.

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In diesem Sinne wünsche ich euch einen wunderbaren Start in die neue Woche
Liebste Grüße
Lotte

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