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Run Baby Run

Wie angekündigt gibt es heute den zweiten Teil meiner Montagsmotivationsreihe.
Und heute geht es um den lieben Sport.
Genauer gesagt um das allseits beliebte und häufig ausgeführte Joggen.
Ich weiß, viele Fintessgurus sagen man solle nicht so viel Cardio machen und sich lieber darauf konzentrieren Muskeln aufzubauen.
Das mag ja auch richtig sein, aus einer reinen Forschungsperspektive bringt joggen jedoch unglaublich viel.
Dazu möchte ich euch heute ein Paper von Erickson et al aus dem Jahr vorstellen. Heute handelt es sich jedoch nicht um ein Review oder eine Metaanalyse, sondern um eine einfache Studie.
Trotzdem finde ich sie unglaublich interessant und aufschlussreich. Zudem gehört sie zu meinem aktuellen Prüfungsstoff und ich habe sie kürzlich in einem Referat vorgestellt ;)

Der Frühling naht und auf meinen Jogingrunden durch den Park habe ich wieder zunehmend Gesellschaft. Laufen, Musik hören und dabei auch noch etwas für Gesundheit und geistige Fähigkeiten tun- das klingt ziemlich perfekt.
Dass aerobische Sportarten wie Jogging, Schwimmen, Radfahren oder ähnliches tatsächlich etwas für unser Gehirn tun beforscht unter anderem das "Lifelong Brain and Cognition Lab" der Universität Illinois. Und genau aus dieser Ecke kommt auch die Studie, die ich euch heute vorstellen möchte.

Bildquelle: https://s-media-cache-ak0.pinimg.com/564x/dc/dc/b9/dcdcb9c9ffa478214b3799921fb7556b.jpg

Um mit den Messungen in dieser Studie etwas anfangen zu können, machen wir heute einen kurzen Ausflug in unser Gehirn- zumindest in einen kleinen Teil davon, der sich Hippocampus (Seepferdchen) nennt.
Dieser Teil, der im Übrigen nichts mit einem Seepferdchen gemein hat, ist für viele Dinge in unserem alltäglichen Leben zuständig. Unter anderem ist er die Schaltstelle des limbischen Systems, dieses regelt beispielsweise Emotionsverarbeitung.
Der Hippocampus ist aber auch mit einer anderen wichtigen Aufgabe betraut: unserem Gedächtnis, genauer gesagt unter anderem für Kodierung, Speicherung und Abruf episodischer sowie räumlicher Erfahrungen. Außerdem ist er verantwortlich für räumliches Lernen und Gedächtnis Und an diesem Punkt fängt es an für uns interessant zu werden. (Die vielen anderen Funktionen des Hippocampus könnt ihr hier nachlesen, wenn ihr möchtet)
Altersbedingt nimmt das Volumen  des Hippocampus pro Jahr ca 1-2% ab. Das ist völlig normal und passiert bei jedem von uns.
Genau an diesem Punkt setzten Erickson und sein Team schließlich an.
Insgesamt 120 Probanden im Alter zwischen 55 und 80 Jahren wurden zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt. Während die erste Gruppe (mittleres Alter 65,5 Jahre) viermal wöchentlich ein leichtes Stretching und Toning absolvierte sowie leichte Yoga- und Balanceübungen machte, musste die andere Gruppe (mittleres Alter 67,6 Jahre) in dieser Zeit schnell gehen, zunächst nur wenige Minuten mit einer Steigerung auf 40 Minuten. Schnell gehen heißt in diesem Fall an der Belastungsgrenze ;).
Jeweils vor und nach Beginn dieses Trainings und nach 6 Monaten, also der Halbzeit der Untersuchung, die sich über ein Jahr zog, wurden verschiedene Parameter bei den Probanden erhoben.
Unter anderem maß man mit Hilfe eines MRI Scans (Kann nicht nur Dr. House, das können auch Psychologen) das Volumen des Hippocampus, ließ die Probanden einen Fitnesstest absolvieren und machte eine kurze Übung zum räumlichen Gedächtnis mit ihnen (Für die Freaks unter euch: zusätzlich wurde noch der BDNF (Brain Derived Neurotrophic Faktor- vereinfacht ausgedrückt ein Nervenwachstumsfaktor, der eine wichtige Rolle beim Erhalt und der Neurogenese von Neuronen und Synapsen spielt)

Die Ergebnisse waren, gelinde gesagt, ein Grund sofort mit dem Joggen anzufangen.
Nicht nur, dass die Gruppe mit dem aerobischen Training ein Wachstum des Hippocampusvolumen verzeichnen konnte, es waren genau jene 2 Prozent, die sonst den jährlichen altersspezifischen Abbau kennzeichnen. Die Kontrollgruppe (Stretching) hingegen verlor weiterhin an Hippocampusvolumen.
Zudem konnte nachgewiesen werden, dass ein Zusammenhang zwischen höherem Fitnesslevel mit gestiegenem Hippocampusvolumen besteht (ebenso wie eine Veränderung im BDNF).
In den Aufgaben zum räumlichen Gedächtnis verbesserten sich beide Gruppen und es konnte
zunächst kein signifikanter (also bedeutsamer) Unterschied gefunden werden. Sah man sich die Ergebnisse jedoch genauer an kam man zu folgendem Zusammenhang: Ein gesteigertes Hippocampusvolumen zur Baseline (also vor Beginn der Intervention) und nach dem Ende der Trainingszeit, also nach einem Jahr, war mit einer besseren Gedächtnisleistung assoziiert. Das gestiegen Hippocampusvolumen in der "Joggergruppe" stand ebenfalls in direktem Zusammenhang mit der verbesserten Gedächtnisleistung dieser Gruppe.

Bildquelle: https://s-media-cache-ak0.pinimg.com/564x/cf/26/3a/cf263a0558e6969181810ab9cb49a429.jpg


Also jetzt: Sportschuhe an und alles wird automatisch gut? Nie wieder Abbau im Gehirn stattdessen der Weg in die Unsterblichkeit. Leider nein. Die Studie ist wirklich spannend, aufschlussreich und motiviert zum Joggen oder Radfahren.
Aber, wie bei allen Dingen, sollte man sich das Ganze genau anschauen. So darf man nicht vergessen wer die Versuchsgruppen waren. Es handelte sich hierbei um ältere Menschen, die aber noch vergleichsweise fit waren und bereit sind an einer Studie teilzunehmen. Aus meiner eigenen jahrelangen Erfahrung mit Probandenrekrutierung weiß ich: Diese Gruppe an sich ist meist schon sehr begrenzt. Es sind Leute, die sich für Forschung interessieren, sich informieren und manchmal auch einfach nur Menschen, die dringend das Geld der Aufwandsentschädigung benötigen. (Gerade bei Studenten sehr beliebt).
Repräsentativ für eine gesamte Bevölkerung sieht anders aus.
Zudem kam bei dieser Studie hinzu, dass ausschließlich die supergesunden Probanden mitmachen durften. Das bedeutet: Sie durften weder Diabetiker sein, noch kardiovaskuläre Erkrankungen haben, noch unter Depressionen oder neurologischen Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer leiden.
Das macht man um auszuschließen, dass man die Effekte dieser Erkrankung misst und nicht den reinen Effekt an sich. Das bringt viele Vorteile mit sich, ist aber in der Bevölkerung so beinahe nicht vertreten... Zumindest nicht in diesem höheren Alter.

Nichtsdestotrotz: Die Studie verdient allerhand Aufmerksamkeit. Sie zeigt, dass es sich auch im fortgeschrittenerem Alter noch lohnt mit dem Sport zu beginnen und unser Gehirn eben auch im höheren Alter noch veränderbar ist. Neuronale Plastizität ist hier das Stichwort. Lange dachte man, dass die Gehirnentwicklung und -veränderbarkeit ab einem bestimmten Alter abgeschlossen ist.
Inzwischen wissen wir: Dem ist nicht so. Sich mit Dingen auseinandersetzen, ein Instrument lernen, eine neue Sprache sprechen, Sport treiben. All das nützt uns auch im hohen Alter noch etwas. Natürlich sind die Veränderungen in der Jugend größer, nichtsdestotrotz sind sie im Alter größtenteils auch noch vorhanden.
Es ist also nie zu spät mit dem gesunden Leben zu beginnen. Wobei früh im Leben eine Gewohnheit daraus zu machen natürlich das Optimum ist ;)
Noch ein Wort an die älteren Herrschaften, die nun hoch motiviert einen  Marathon laufen wollen: Bitte immer mit dem Arzt besprechen, abklären und die Belastung nicht übertreiben. Das vergrößerte Hippocampusvolumen nützt recht wenig, wenn das Herz schlapp macht. Die Probanden in der Studie waren während ihrer Übungen stets von einem Arzt begleitet, der sie überwachte.
Radfahren ist übrigens eine geniale aerobische Übung, die etwas schonender ist.

Ich habe folgende Studie für den heutigen Post verwendet: Erickson, K. I., Voss, M. W., Prakash, R. S., Basak, C., Szabo, A., Chaddock, L., . . .Kramer, A. F. (2011). Exercise training increases size of hippocampus and improves memory. Proceedings of the National Academy of Sciences, 108(7), 3017–3022. doi:10.1073/pnas.1015950108

In diesem Sinne wünsche ich euch eine wundervollen Start in die neue Woche
Liebste Grüße
Lotte, die sich beim sonntäglichen Joggen im Regen immer wieder leise "Hippocampus" zuflüsterte ;)

Bildquelle: https://s-media-cache-ak0.pinimg.com/564x/2f/c8/6b/2fc86b88ec5fa9961d292f944ea8944e.jpg

Kommentare

  1. Hallo Lotte, danke für den wundervollen Bericht :-) sehr schön, dass Sport anscheinend nicht nur kurzfristige positive Wirkungen hat (bessere Konzentration, gute Laune, gutes Körpergefühl, ...). Hoffentlich reichen auch meine 5 km Jogging dafür aus ;-)
    Viele Grüße, Anne

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