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Montagsmotivation: It's all about Gratitude- Warum Dankbarkeit den Alltag verändern kann

Ich verrate euch heute in der Montagsmotivationsreihe ein kleines Geheimnis.
Jeden Abend bevor ich schlafen gehe mache ich eine Millionen unnötige Dinge  habe ich ein festes Ritual.
Nachdem ich meditiert habe (Oh ja, das mache ich tatsächlich- dazu ein anderes Mal mehr), nehme ich mir ein winziges Büchlein und schreibe hinein wofür ich heute dankbar bin.
Das klingt erst einmal nicht spektakulär und es ist innerhalb weniger Augenblicke erledigt, aber es macht einen gewaltigen Unterschied.
Begonnen habe ich damit als ich mich in einer für mich persönlich sehr herausfordernden und schlimmen Situation befand.
Ich bemerkte, dass mein Fokus auf das Leben sich immer mehr hin zum negativen verschob, ich zunehmend trauriger, wütender und unausgeglichener wurde. Immer mehr verfiel ich in eine Art "Opferdenken", das gar nicht zu mir passt, aber immer hartnäckiger bei mir blieb.
Als mir dies auffiel, beschloss ich etwas zu ändern.
Anstatt mich auf die Dinge zu fixieren, die traurig, ungerecht und schlimm waren, wollte ich wieder dankbarer werden für das Leben das ich führen darf. (Und mal ehrlich ich lebe soooo unglaublich privilegiert hier in Deutschland mit einem Studium das mir Spaß macht, einem tollen Beruf, einer liebenden Familie und täglich genügend zu Essen, dass es schlimm wäre, wenn ich dies nicht anerkennen könnte!)
Mit diesem Entschluss begann ich mein Dankbarkeitstagebuch zu führen und spürte tatsächlich bald einen Unterschied. Und nicht nur ich. Meine beste Freundin sagte nach einiger Zeit zu mir dass sie nun endlich wieder mein Strahlen sehen würde, das mir in der vorigen Situation so geraubt worden sei. Diese Rückmeldung bekam ich auch von vielen anderen Menschen, Familienmitgliedern, Freunden und sogar wildfremden Leuten auf der Straße, die mich seither mehrfach aufgrund meiner Ausstrahlung ansprachen!


Aber da ich Einzelfallstudien gegenüber ein wenig kritisch bin, habe ich mich entschlossen einmal die Wissenschaft zu Rate zu ziehen, bevor ich euch in der Montagsmotivation etwas zu Dankbarkeitstagebüchern schreibe.

Überall im Internet findet man Sprüche wie "Es sind nicht die glücklichen Menschen, die dankbar sind- Es sind die Dankbaren, die glücklich sind" oder so ähnlich. Es raunt und rauscht im Blätterwald und irgendwie wissen ja alle schon darüber Bescheid.
Kein Wunder also, dass es zur Dankbarkeit auch Studien gibt. Und eine davon möchte ich euch heute vorstellen.
Emmons et al. haben im Jahr 2003 drei Studien zum Thema Dankbarkeit an der University of California gestartet. Wie diese aufgebaut waren ist schnell erklärt:
Um die Effekte der Dankbarkeit auf Glück und Wohlbefinden zu messen, wurden zunächst 192 Studenten in drei gleich große Gruppen unterteilt.
Jede Woche wurde ihnen die Aufgabe gegeben folgende Dinge zu beantworten
Gruppe 1: Für welche fünf Dinge in deinem Leben bist du dankbar?
Gruppe 2: Welche fünf daily hassels (alltägliche kleine Stressoren) haben in der letzten Woche dein Leben beeinflusst?
Gruppe 3: Welche Umstände oder Ereignisse haben dich in der letzten Woche beeinflusst?
Danach wurden sie unter anderem zu ihrer Stimmung, körperlichen Symptomen, ihrer Reaktion auf soziale Unterstützung, die Zeit, die sie mit körperliche Training verbrachten und wie sie sich generell mit ihrem Leben fühlten befragt. Außerdem befragte man sie danach was sie in der kommenden Woche erwarten würden.
Dies wurde jede Woche über zehn Wochen hinweg erhoben, jedes Mal mit denselben Fragen.
Und tatsächlich: Diejenigen, die zuvor beschrieben hatten wofür sie dankbar sind waren signifikant optimistischer was die kommende Woche anging, fühlten sich mit ihrem gesamten Leben zufriedener, trieben mehr Sport und berichteten weniger körperliche Probleme.
Unglaublich oder?

Da die Autoren jedoch der Meinung waren ein Rückblick über die gesamte Woche könne zu lang sein und zu Erinnerungsverzerrungen führen, kamen sie darin überein zwei weitere Studien durchzuführen, bei denen die Dankbarkeits/Daily Hassel Fragen täglich gestellt wurden.
Im Gegensatz zu der Studie davor sollte die dritte Gruppe jedoch nicht von Ereignissen berichten, sondern vergleichen in welchen Bereichen sie besser sind als andere und warum.
Hiermit wollten die Autoren eine positive Stimmung erzeugen, die nichts mit Dankbarkeit zu tun hat und somit gewährleisten, dass nicht einfach nur ein positives Gefühl gemessen wird.
Die zweite Studie lief über zwei Wochen, die dritte über drei Wochen.
Eine weitere Besonderheit der dritten Studie war, dass hierbei  Probanden  genommen wurden, die unter einer neuromuskulären Erkrankung litten. Diese wurden jedoch nur in eine "Dankbarkeitsgruppe" und in eine neutrale Gruppe aufgeteilt.
Um es kurz zu machen: Dankbarkeit lohnte sich auch hier. Wer täglich Dankbarkeit praktizierte und niederschrieb hatte einen positiveren Affekt und half Menschen eher bei Problemen (Ja, Dankbarkeit macht offensichtlich auch etwas mit unserem Moralempfinden).
In der dritten Studie wurde sogar gemessen, dass Dankbarkeit einen negativen Affekt reduzieren kann, den Schlaf verbesserte (und verlängerte) und sich eher das Gefühl der Verbundenheit mit Partnern einstellte.
Tatsächlich waren die Effekte der Dankbarkeit größer, wenn sie täglich praktiziert wurde.
Wer hätte das gedacht ;)
Insgesamt lässt sich also sagen: Dankbarkeit lohnt sich auf jeden Fall, Den Fokus einmal auf die Dinge zu richten, für die ich dankbar sein kann und die mich freuen ist sehr viel sinnvoller als immer nur im Dreck zu fühlen und mich mit den Dingen zu beschäftigen, die mir fehlen.



Und, als kleiner Leserservice für euch: Eine kleine Liste der Dinge für die ich dankbar bin.


  • Zahme Eichhörnchen im Clara Park, die sich aus der Nähe beobachten lassen
  • Eine heiße Tasse Kaffee, die mir das Pflegepersonal im Praktikum ausgibt
  • Der Rückhalt meiner Familie und die Sicherheit ihrer Liebe und Wertschätzung, egal was ich tue
  • Die ersten Sonnenstrahlen beim Joggen im Park
  • Lange Gespräche mit guten Freunden bei einem Glas Wein
  • Ein unverhofftes Lachen
  • Die Freiheit sagen zu dürfen was ich will 
  • Im richtigen Moment (k)einen Schirm dabei zu haben
  • Cupcakes am Sonntag essen zu können
  • ...

Die Studie: Counting blessings versus burdens: An experimental investigation of gratitude and subjective well-being in daily life.
Emmons, Robert A.; McCullough, Michael E.
Journal of Personality and Social Psychology, Vol 84(2), Feb 2003, 377-389. http://dx.doi.org/10.1037/0022-3514.84.2.377




Ich wünsche euch einen wundervollen Start in die neue Woche
Liebste Grüße
Lotte

Kommentare

  1. Liebe Lotte, Dankbarkeit.. ist für mich zufrieden sein mit dem was ich habe.. und aus allem das Beste machen. Entscheidend ist immer wie ich aus einer Sache rausgehe..denn Probleme haben wir ..leider alle.Liewbe Grüße von Elke

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  2. Ich führe auch so ein Dankbarkeitstagebuch. Seit 2014 schreiche ich jeden Abend die schönsten und dankbarsten Momente des Tages auf. Es lässt mich den Blick auf die kleinen Dinge fokussieren. Ebenfalls sammle ich seit 2012 jeden Sonntag auf dem Blog meine Glücksmomente der Woche. Wer möchte, darf sich gerne anschliessen. :-)
    Liebe Grüsse Alizeti

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