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Der Weg ist das Ziel

Einer der wichtigsten Punkte bei der Erreichung von Zielen ist - Oh Wunder- welche Ziele man sich steckt und wie man sie formuliert.
Was banal klingt, macht tatsächlich einen enormen Unterschied im Hinblick auf das Erreichen eines Ziels. Ein kleines Beispiel gefällig?

Ziel 1: Ich möchte irgendwann einmal auf einer Bühne stehen.
Ziel 2: Ich möchte in Chor xy/Band xy mitmachen und gehe deswegen zu der Aufnahmeprüfung.

Das Ergebnis der beiden Ziele könnte dasselbe sein-  wenn man bei Ziel 1 Glück hat- die Herangehensweise ist allerdings völlig unterschiedlich.
Während Ziel 1 vage und schwammig formuliert ist, hat Ziel 2 bereits einen konkreten Plan und einzelne Schritte, wie man am Ende zu demselben Ergebnis kommt (mal angenommen es handelt sich nicht um einen Chor/eine Band, die nie auftritt).
Und genau darum soll es heute gehen.
Ist man sich nicht sicher was man eigentlich genau erreichen möchte, wird man nie wissen ob man tatsächlich dort angekommen ist. ;)
Das hat nichts mit "visualisiere deine Träume" zu tun, sondern mit konkreten Schritten, die man tätigt um bei einem Ziel anzukommen.

Ein Freund von mir, der sehr erfolgreich Unternehmen berät und coacht, schwört auf die sogenannten SMART Goals, wenn es um die Planung von Zielen geht.
SMART steht für:
Specific (spezifisch)
Measurable (messbar)
Accepted (akzeptiert)
Reasonable (vernünftig)
Time-bound (zeitgebunden)



Was bedeutet das konkret? Ein Ziel ist SMART, wenn es genau diese Punkte erfüllt. Das hat den Vorteil, dass ich mich festlege, was ich genau erreichen will, woran ich erkenne, ob ich es erreicht habe, und es auch grundsätzlich akzeptiere.
Als Ziel zu haben 7 Mal die Woche Extremsport wie Bungee Jumping zu machen, ist zwar konkret, aber wenig vernünftig, weil es in Geld geht und dauerhaft sicher nicht gut für den Rücken ist ;)

Was wäre also ein SMART Goal?
Sagen wir: Ich möchte gesünder leben (betrifft ja die wenigsten derzeit glaube ich), dann wäre es ein SMART Goal zu sagen:

1. Ich ernähre mich diese Woche von Obst, Gemüse, gesunden Fetten, Vollkornprodukten etc,  gönne mir jedoch 3 Ausnahmen, bei denen ich mit Genuss Schokoladenkuchen oder Burger esse.


Warum ist das jetzt ein SMART Goal und "Ich lebe gesünder nicht"?
Es ist spezifisch - meine Ernährung besteht aus: ....
Es ist messbar - die nächsten sieben Tage der Woche kann ich überprüfen
Es ist akzeptiert - ich gehe mit,  mich so lange von gesunder Ernährung leiten zu lassen (auch weil ich 3 Möglichkeiten habe mal etwas außer der Reihe zu essen, wenn ich es möchte)
Es ist vernünftig- niemand kann 24/7 ständig perfekt auf seine Ernährung achten, wenn die Person nebenher auch andere Interessen und Tätigkeiten hat, Ausnahmen (im Rahmen) sind völlig ok und vernünftig,
Es ist zeitgebunden - die nächsten sieben Tage.

Und, wer hätte das gedacht, in gewisser Weise enthält es auch bereits einen Plan, zwar einen, der schreit "Auf zum Supermarkt und Vollkornprodukte für die nächsten Tage kaufen", aber einen Plan- Immerhin!

Die wichtigste Frage, die ich mir stelle, wenn ich ein Ziel erreichen möchte ist: Was ist der nächste nötige Schritt dafür? Und das möglichst konkret. Will ich mehr Zeit mit Freunden verbringen, ist der nächste konkrete Schritt, sie zu fragen wann sie Zeit für mich haben und mich mit ihnen zu verabreden. Eigentlich ziemlich logisch oder?


Als ich meinen Aufenthalt in Neuseeland plante, war der erste konkrete Schritt: Einen Job suchen und möglichst viel Geld sparen, um mir den Flug und das Reisen dort leisten zu können.
Bei der Suche nach einem Masterplatz in der Nähe von Leipzig (aufgrund meiner damaligen Beziehung gestalteten sich sowohl Umzug als auch Wochenendbeziehung als nicht miteinander vereinbar), war der nächste Schritt mir die besten Universitäten auszusuchen, die ich noch bequem per Bahn erreichen konnte.
Bei meinem Bachelorstudium war es ganz ähnlich: Der erste logische Schritt war ein Spitzenabi, um mir den Studienplatz aussuchen zu können ;)
Viel Reden und dann nichts machen ist nicht nur unbefriedigend, sondern auch nicht hilfreich.

Aber der nächste logische Schritt ist nicht ausreichend. Wichtig ist zu erkennen wann ich mein Zeil tatsächlich erreicht habe.
Wie oft sagt man sich selbst:
Ach ich möchte soooo gern glücklicher/schlanker/entspannter/freier sein.
Und dann kommt die erste Frage: Woran würde ich merken, dass ich glücklicher/schlanker/entspannter/freier/etc wäre?
Genau das ist es, was Verhaltenstherapeuten mit ihren Patienten besprechen: Woran würden Sie merken, dass Sie einen Fortschritt gemacht haben? Was konkret ist es, was anders wäre? Wie würden Sie oder Ihr Umfeld merken, dass es Ihnen besser geht? Was konkret im Kleinen und Großen möchten Sie bei mir verändern?
Wie können wir das feststellen? Woran erkenne ich, dass es Ihnen besser geht?
Wie würden Sie sich genau verhalten?

Und das ist nichts anderes als Zielabsteckung. Ich kann einem Klienten nicht gut helfen, wenn ich nicht genau weiß was ihn quält, woran er arbeiten möchte (und manchmal muss) und wie er sich seine Zukunft vorstellt.
Und der nächste Schritt ist: Ich mache einen Plan mit winzig kleinen Minischritten, die auf den ersten Blick vielleicht lachhaft oder einfach wirken, jedoch in die richtige Richtung gehen. Stück für Stück nähren wir uns dem Ziel an, rekapitulieren was gut läuft, was schwierig ist und wie man etwas verbessern kann.
Tatsächlich ein bisschen wie die SMART Goals eben.

Zurück zum Thema Glück:
Bin ich nicht glücklich frage ich mich zuerst: Was hindert mich daran jetzt in diesem Moment glücklich zu sein (es folgen eine Millionen nicht änderbarer Umstände und Situationen), dann frage ich mich "Was kann ich jetzt tun um glücklicher zu werden?" (Es folgen eine Millionen Ideen, von denen Auswandern momentan am attraktivsten erscheint)
Und dann frage ich mich "Was konkret kann ich jetzt tun um glücklich zu sein?"
Und schließlich last but not least: "Woran merke ich, dass ich glücklicher bin?"

Also auf geht's Flugticket kaufen, auswandern und feststellen, dass genau dies der falsche Weg war, denn irgendwie habe ich meinen Kopf mit all seinen seltsamen Gedanken mitgenommen  ;)

Das ist natürlich Quatsch, aber was ich euch eigentlich damit sagen möchte ist: "Ich wäre gern glücklicher" ist eher ein schwieriges Ziel.
Woran erkenne ich denn Glück? Es ist eine Emotion, die mal da ist und mal nicht. Ein bisschen wie Ebbe und Flut.
Ich habe gemerkt, das ich persönlich viel glücklicher bin, wenn ich nicht das Ziel habe "Ich will irgendwann einmal glücklich sein", sondern beginne bewusst Aktivitäten in meinen Alltag zu integrieren, von denen ich weiß, dass sie mich glücklich machen. Sei es eine halbe Stunde lesen, spontan mit Freunden den Aufstieg von RB Leipzig anschauen, in der Sonne sitzen und veganes Cranberrie-Balsamico Eis essen oder zu Fuß zur Arbeit zu laufen um mich an diesem Tag zu bewegen.
Bewusst plane ich jeden Tag eine Sache ein, die mich glücklich macht. Egal wie voll der Tagesplan ist, diesen Moment für meine psychische Gesundheit nehme ich mir (10 Jahre Psychotherapie sind sehr viel zeitaufwendiger am Ende - kleiner Scherz)

Bei all meinen Zielen, und ja, das sind der derzeit viele, versuche ich mich an die SMART Goals zu halten, früher ganz unbewusst, seit der Freund sie mir vorstellte, sehr konkret.
Natürlich gehen nicht alle Ziele auf, selbstverständlich funktionieren nicht alle Pläne und das Leben funkt dazwischen. Das ist auch gar nicht schlimm, im Gegenteil meist bringt es sehr viel mehr auch einmal los zu lassen und zu treiben, aber insgesamt bin ich doch ein Fan davon mir eine Vorstellung davon zu machen was ich erreichen möchte und wie ich das schaffen kann.
Das Leben sorgt schon für genügend bunte Abwechslung dazu.



Ich wünsche euch den herrlichsten Mittwoch
Liebste Grüße
Lotte

PS: Wem das jetzt alles zu ehrgeizig klang, dem versichere ich: Am Freitag gibt es eine wunderschönes und herzerwärmende Idee für ein richtig tolles Tagesziel.

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