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Die Königin vom Sorgenland

Die heutige Montagsmotivation beinhaltet ein Thema, das mich persönlich sehr oft betrifft.
Und ich denke damit bin ich nicht allein. ;)
Habe ich gerade genug Zeit zur Verfügung und befinde mich auf dem Weg zur Arbeit, beim einkaufen oder in der S-Bahn, kommt es vor, dass meine Gedanken mir entgleiten.
Und plötzlich, binnen weniger Augenblicke, befinde ich mich in Gedankenschleifen und -kreiseln, die immer wieder sehr ähnlich klingen.
Sie beginnen meist mit den Worten "Was ist wenn..."

Was ist wenn

... ich keine Stelle nach dem Studium finde 
... ich zwar eine Stelle finde, diese jedoch beginnt bevor ich meine Masterarbeit fertig geschrieben         habe
... ich nie wieder eine Beziehung haben werde
... ich alt und allein mit hundert Katzen leben werde
... ich meine Masterarbeit nicht gut genug schreibe
... ich sozial vereinsame, weil alle meine Freunde den Sommer über nicht in Leipzig sind
... ich in einer neuen Stadt keine Freunde finde+

usw.

Sorgen sind eine großartige Ablenkung von allem, was gerade in diesem Augenblick stattfindet, sie beschäftigen uns auf wunderbare Weise, sind zeitlich extrem intensiv und ein Garant dafür, dass unser Stimmung binnen Sekunden irgendwo in den Keller hinunter wandert.
Manche Menschen machen sich so stark und häufig Sorgen, dass sie die Kriterien einer psychische Erkrankung erfüllen, der sogenannten Generalisierte Angststörung, die, obwohl häufig nicht erkannt, eine der häufigsten Angststörungen überhaupt ist.

Zum Glück leide ich nicht unter dieser psychischen Erkrankung. (Sollte jemand von euch permanent Sorgen haben, diese nicht mehr kontrollieren können und deswegen schwer in der alltäglich Lebensführung beeinträchtigt sein ab zum Arzt und eine Überweisung zum Psychotherapeuten holen) Trotzdem kommt es vor, dass mich derartigen Sorgen runterziehen und von dem Ablenken, was eigentlich in diesem Moment wichtig ist.

Das Großartige und gleichzeitig extrem anstrengende an Sorgen ist ja, dass sie sich um Dinge drehen, die noch gar nicht stattgefunden haben und die wir dementsprechend gar nicht beeinflussen können.
Anstatt also darauf zu warten bis der schreckliche Fall tatsächlich eintritt (was er ja meistens nicht tut) und dann entsprechend zu handeln, denken wir schon im Voraus an alle hundertzwölf Möglichkeiten, machen Pläne und beklauen uns selbst an der Zeit, die wir genau jetzt haben und auf hundert Mal angenehmere Weise verbringen können.

Die Sache ist nämlich die, treten die entsprechenden Dinge über die wir uns sorgten tatsächlich ein, dann meist nie genauso wie wir es uns vorstellen, sondern völlig anders mit unzähligen Möglichkeiten die Situation zu beeinflussen und/oder zu ändern.



Was hat uns am Ende die Sorge gebracht? Nichts. Dann hätte man es ja auch gleich lassen können.
Und was machen wir dagegen, wenn wir plötzlich in der Sorgenfalle sitzen?
Wichtig ist zunächst einmal die Erkenntnis: Ich mache mir gerade Sorgen.
Das mitzubekommen ist gar nicht so leicht, wenn man sich gerade auf der Rolltreppe in Richtung Sorgenparadies befindet.
Schafft man das ist es schon einmal großartig und der erste Schritt um gegen die Sorgen ankommen.
Und dann gibt es die wunderbare Methode des "Gedankenstopps", die häufig bei Sorgenschleifen eingesetzt wird. Sie dient der Unterbrechung ebenjener Schleifen und ist so simpel wie wirksam.
Ertappt ihr euch auf Runde 36 des Sorgenkarusells, unterbrecht dies indem ihr laut "STOPP" sagt, wenn ihr allein seid oder eine andere Methode findet um einen Stopp zu symbolisieren.
(Ich schnipse zum Beispiel leise mit den Fingern- das ist nicht ganz so seltsam in der Öffentlichkeit)

Habt ihr dies getan, so geht die eigentliche Arbeit eigentlich erst los. Denn anstatt zu denken "OH! Ich sorge mich. Ich muss sofort aufhören mich zu sorgen. Sorgen sind böse. Sorgen, Sorgen, Sorgen" (Ist ungefähr so wie: Denken Sie bitte NICHT an den rosa Elefanten im Raum) braucht es ein Alternativprogramm, das wirklich Sinn ergibt.

Typisch in der Psychologie wäre zum Beispiel das sogenannte ABC Schema.
Dort schreibt ihr in eine Spalte eure gegenwärtigen Sorgen, in die nächste welches Gefühl sie auslösen und wie stark es auf einer Skala von 0-100 ist. Dann kommt der arbeitsreiche Teil: Die nächste Spalte widmen wir der Rationalität.
Das heißt ihr fragt euch: Was bringt mir diese Sorge jetzt? Wie nützlich ist es mich jetzt zu sorgen?
In die Spalte kommt dann ein alternativer Gedanke. Nach Überprüfung eurer Gefühl kommt dann in die letzte Spalte wie stark das vorherige Gefühl jetzt noch ist. (Das ist nicht ganz sauber das klassische ABC Schema ich weiß- es ist vielmehr eine eigene Modifikation im Bezug auf das Thema Sorgen. Mehr zur Modifikation könnt ihr unten lesen).
Lassen euch die Sorgen gar nicht los kann es Sinn ergeben eine festen "Sorgenzeit" einzuplanen(Wieder ein kleiner Trick aus der Behvioralen Therapie). Kommen die Sorgen ständig immer wieder legt einen festen Termin in euren Kalender, der nur dafür geplant ist sich aktiv zehn Minuten Sorgen zu machen. Natürlich sollte er NICHT abends vor dem Einschlafen sein, sondern so, dass ich unmittelbar darauf etwas zu tun habt, das eure Konzentration erfordert.
Ganz ehrlich? Verschiebe ich die Sorgen auf diesen Termin habe ich mich darum "gekümmert" zu dem Termin ist es mir allerdings meistens zu blöd mich aktiv runter zu ziehen und 10 Minuten damit zu verschwenden mich zu sorgen. Also lasse ich es ganz sein ;)

Zugegeben, das ist etwas aufwendiger und bedeutet tatsächlich ein wenig Arbeit, hilft aber ungemein.
Im Verlauf meines Studiums wurden wir angehalten eine Art Selbstmodifikation vorzunehmen, zu einem Thema, das uns an uns selbst stört wie zum Beispiel Prokastination, Nägel kauen, immer aufs Handy starren etc.
Diese Themen sollten wir mit Interventionsverfahren der Psychologie bearbeiteten.
Ich suchte mir, oh Wunder, genau das oben beschriebene Thema heraus, erarbeitete mir die Strategie, die ich euch beschrieben habe und versuchte meine kleinen Sorgenkreisläufe damit zu unterbrechen.

Fazit: Nach wenigen Wochen begann ich mir Sorgen darüber zu machen, dass mein Abschlussbericht nicht gut werden würde, da so wenig Sorgen im Verlauf meiner Selbstmodifikation auftraten.
Dann musste ich sehr herzhaft lachen.
(Das Sorgen machen ist seither übrigens auf ein absolutes Minimum geschrumpft)



Alles was ich euch oben beschrieben habe, ist zum Teil aus der typischen kognitiv-behavioralen Therapie entnommen, jedoch von mir stark auf mich angepasst und modifiziert worden.
Es hat mir sehr gut geholfen, ist jedoch keineswegs wissenschaftlich bestätigt und auch nicht geeignet wenn ihr unter einen schweren psychischen Störung leidet. Die entsprechenden Interventionen hierfür könnt ihr ausschließlich mit einem Fachmann in einer Psychotherapie erarbeiten und anwenden.
Oben beschriebenes ist ausschließlich ein kleines Experiment im Selbstversuch, das mir sehr gut geholfen hat. Es besitzt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Perfektion, sondern soll eine Anregung sein es auszuprobieren. Vielleicht hilft es euch ja ein wenig.

Ich wünsche euch einen sorgenfreien Montag
Liebste Grüße
Lotte

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