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Go with the Flow- Wenn arbeiten Freude macht

Habt ihr euch jemals gefragt, wie es möglich ist, dass manche Menschen stundenlang an einem Computerspiel sitzen können? Oder wolltet ihr schon immer wissen, warum einige Leute dermaßen in ihrer Arbeit versinken, dass sie völlig vergessen zu essen? Dann ist der heutige Montagsmotivationspost für euch.

Das Zauberwort von erfüllender Arbeit lautet: FLOW und nein, damit ist nicht ein Magazin gemeint, das mit Vorliebe von diversen Hipstern gelesen wird.
Vielmehr ist es ein Zustand der höchsten Konzentration, bei dem die Arbeit wie in einem Fluss von der Hand geht.
Vor einiger Zeit waren diverse Lifestyleheftchen voll von diesem Begriff, inzwischen ist er wieder ein wenig verschwunden.
Zu Unrecht, wenn ihr mich fragt, denn was nach Esoterik, Duftkerzen und Klangschalen klingt, ist in Wahrheit ein psychologisches Konstrukt, das sich großartig eignet um die Arbeitsmotivation zu verbessern.

Aber ganz von Anfang an: Was ist eigentlich Flow?
Mihály Csíkszentmihályi, DER Forscher zum Thema beschreibt diesen Zustand folgendermaßen:

"Flow ist ein Zustand von höchstem Engagement in eine Aktivität, die komplette Konzentration verlangt"

Gekennzeichnet ist Flow durch die folgenden Punkte:
1. Ein Zustand hoher Konzentration
2. Niedrige Selbstwahrnehmung
3. Geringe Angst vor der Bewertung durch andere
4. Veränderte Zeitwahrnehmung
5. Die Handlung fühlt sich automatisch und mühelos an
6. Subjektiv wahrgenommene hohe Kontrolle
7. Intrinsische Belohnung
8. Positiver Affekt



Das klingt alles recht simpel und ein bisschen nach Führungskräfteschulung, ist aber auch für das alltägliche Leben und die Arbeit essentiell. Wer sich im Flowzustand befindet, dem geht es besser, er schafft mehr Arbeit und ist dazu auch besser in seiner Arbeit. Zudem führt Flow zu einem erhöhten subjektiven Wohlbefinden und verbessert physische Ressourcen ebenso wie die Resilienz.
Darüber hinaus verbessert Flow das Energielevel und das nicht nur in der Arbeitszeit, sondern auch darüber hinaus zum Feierabend. Dies allerdings nur, wenn es eine psychologische Abgrenzung zur Arbeit gibt.

Alles in allem betrachtet ist Flow der Zustand, zu dem wir alle eigentlich hinwollen ;)
Und wie erreichen wir das?

In diesem Zusammenhang kann ich nur sagen: Es steht und fällt tatsächlich mit einigen wichtigen Punkten.

1) Zunächst einmal, und das ist unglaublich wichtig, muss man, um den Flowzustand zu erreichen, an einer Aufgabe arbeiten, die zwar herausfordernd und auch schwierig ist, jedoch im Rahmen des Machbaren liegt. Ein kleines Beispiel? Völlig untrainiert einen Marathon laufen, ist denkbar ungeeignet um ins Flow zu kommen. 20 Minuten durch den Stadtpark joggen -ohne anzuhalten-, ist in diesem Zustand vielleicht schwer, aber machbar.

2) Das führt uns schon zum nächsten Punkt: Ein messbares Ziel ist das A und O um in den Flow zu kommen. Wenn ihr genaueres über Zielsetzungen und Zielstellungen lesen möchtet, dann schaut einmal meine Woche zum Thema Ziele genauer an. Dort sind einige Methoden aufgezeichnet, wie Zielsetzung funktionieren kann.

3) Der nächste Punkt dürfte all jene von euch einschüchtern, die sich gerne alle fünf Minuten ablenken. Sei es in Form von Handys, nur mal eben schnell E-Mails checken oder ständig einen Kaffee kochen. Ja, ich bekenne mich schuldig.
Flow wird dann erreicht, wenn man sich nicht permanent anderen Aufgaben zuwendet. Das ist hart, aber wahr. Ablenkung ist tödlich für alle "Flow-Fetischisten". Wer alle fünf Minuten eine andere Aufgabe beginnt wird nicht ins Flow kommen.

4) Um einen Flowzustand zu erreichen ist das Gefühl von Kontrolle extrem wichtig. Allerdings ist eine permanente Kontrolle aller Dinge genauso schädlich für den Flowzustand wie die Angst die Kontrolle zu verlieren. Das Gefühl "Alles im Griff" ist hingegen genau das, was für den Flowzustand unabkömmlich ist.


5) Tadaaa ein Punkt, der tatsächlich toll ist. Sofortiges Feedback ist essentiell für Flow. Deswegen funktioniert Stricken super als Flow-Aktivität oder Computerspiele, wahlweise auch Kochen und Backen (für die Nerds unter euch wie--- ähm ich: Das Programmieren von Syntaxen für die Masterarbeit ist auch toll). Das Feedback erfolgt unmittelbar, messbar und kann unglaublich glücklich machen (gerade bei Schokotorte). Im Alltag wird das etwas schwieriger, aber machbar. Wichtig an einem Feedback ist, dass es zurück zu den Zielen führt und dem Individuum erlaubt sich den Prozess vor Augen zu führen. Das kan man sich selbst vor Augen führen oder man hat einen Chef, der in diesem Bereich fit ist. Wahlweise bäckt man halt einfach eine Schokoladentorte.

6) Persönlichkeitseigenschaften je nachdem welche Eigenschaften ihr zu den euren zählt variiert die Dauer und Intensität des Flows. Menschen, die eher hohe Werte im Neurotizsimus aufweisen, also eher ängstlich, depressiv und besorgt veranlagt sind, erfahren weniger Flow. Menschen, die einen hohen Grad an Gewissenhaftigkeit aufweisen sind häufiger im Flow.

Übrigens scheint das Flow Empfinden universal zu sein. Das bedeutet es gibt keinerlei kulturelle Unterschiede darin OB jemand in einen Flow Zustand kommt. Unterschiede bestehen jedoch darin bei welcher Art von Aufgabe Menschen ins Flow kommen.

Zusammengefasst kann man sagen: Das Flow ist der ideale Start um die montäglichen Aufgaben zu erledigen, es macht euch glücklich, zufrieden, hilft bessere Arbeit zu leisten und motiviert dabei weiter zu arbeiten.

Für diese Montagsmotivation durfte ich auf die Aufzeichnungen einer lieben Freundin, die sich mit dem Thema Flow auskennt zugreifen. Alle Psychologen finden unter dem Post die entsprechenden Quellen zu den Studien.



In diesem Sinne: Lasst es fließen :)
Liebste Grüße
Lotte

PS: Erzählt niemals, wirklich NIEMALS eurer Familie beim sonntäglichen Frühstück begeistert vom Flow. Es führt nur zu Kommentaren wie "Hauptsache der Cashflow stimmt" auf der einen und "Ja Flow ist etwas aus der Beatmungsmedizin" auf der anderen Seite. Lasst es einfach, es ist besser für eure Nerven

Quellen

Csíkszentmihályi, M. (1999). If we are so rich, why aren’t we happy? American Psychologist, 54 (10), 821 – 827.
Demerouti, E., Bakker, A. B., Sonnentag, S., & Fullagar, C. J. (2012). Work-related flow and energy at work and at home:  A study on the role of daily recovery. Journal of Organizational Behavior, 33, 276 – 295.
Eisenberger, R., Jones, J. R., Stinglhamber, F., Shanock, L., & Randall, A. T. (2005). Flow experiences at work: for high need achievers alone? Journal of Organizational Behavior, 26, 755 – 775.
Kirchner, J. M. (2011). Incorporating flow into practice and performance. Work, 40, 289 – 296.
Moneta, G. B. (2004). The Flow Experience Across Cultures. Journal of Happiness Studies, 5,   115 – 121.
Ullén, F., de Manzano, Ö., Almeida, R., Magnusson, P. K. E., Pedersen, N. L., Nakamura, J., Csíkszentmihályi, M., & Madison, G. (2012). Proneness for psychological flow in everyday life: Associations with personality and Intelligence. Personality and Individual Differences, 52, 167 – 172

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