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Change you actions and you change your life - Warum Aktivitäten uns glücklich machen

Dieses Wochenende war eigentlich ganz anders geplant. Ich wollte durchpowern und an meiner Masterarbeit sitzen. Leider wartete ich vergeblich auf die dafür erforderliche letzte E-Mail und so saß ich hier, vor mir ein leeres Wochenende und wusste nicht so recht was ich jetzt tun sollte (Ich hatte sogar mega gesunde Brownies nach diesem Rezept zubereitet um beim Schreiben die nötige Schokoladenmotivation bereitstehen zu haben). Blöd für mich, die ich damit endete meine Masterarbeit auf doppelte Leerzeichen und Tippfehler durchzusehen und zum siebzehnten Mal das Literaturverzeichnis zu überprüfen.
ABER: Ich habe auch die Zeit gefunden eine neue  Montagsmotivation vorzubereiten und das ist natürlich ein durchaus erfreulicher Aspekt.

Heute soll es um Glück gehen und drum wie man es schafft dauerhaft glücklicher zu sein.
Dafür möchte ich euch ein kleines Modell vorstellen, das in der Forschung zum Glück benutzt wird.
Es nennt sich das Sustainable Happiness Model (grob übersetzt: Das Model vom nachhaltigen Glück), kurz SHM.
Es geht davon aus, dass ein langfristiges Glücksgefühl der Menschen von 3 Faktoren abhängt:

1) Einer genetischen Komponente: Diese macht laut den Autoren des Modells circa 50 % aus und ist nicht veränderbar. Es schafft quasie die "Baseline" zum Glück an der wir uns in unserem Leben entlang hangeln

2) Die Umstände Gesundheit, Krankheit, neuer Job, Heirat. All das sind Umstände im Leben, die sich verändern können, aber nach denen auch ein gewisses Maß der Anpassung stattfindet. Zieht man beispielsweise in eine neue Stadt um dort einen Job zu beginnen (so wie ich es bald tun werde ...) dan verändert sich der Umstand, aber nach einer gewissen Zeit hat man sich daran gewöhnt. Ist leider auch so, wenn man mehr Geld verdient. Am Anfang ganz schön, später hat man sich daran gewöhnt. Die Umstände machen laut Modell ungefähr 10 % unseres Glücks aus. Also viel weniger als wir es eigentlich glauben

3) Die Aktivitäten. Hier wird es spannend. Die anderen 40 % unseres Glücks sind laut dem Modell auf unsere alltäglichen Aktivitäten zurück zu führen. Darauf was wir jeden Tag tun. Sind wir offen für Neues, versuchen wir schöne Dinge in den Alltag zu integrieren, machen wir Sport und erfahren neue positive Erlebnisse, suchen wir die kleinen Abenteuer? All das sind Dinge, die unser Glück beeinflussen und wenn ihr mich fragt, dann ist das eine ziemlich gute Nachricht. Ich habe nicht immer die Kontrolle über die Umstände, ich kann krank werden, meinen Job verlieren oder die Stadt in der ich wohne gefällt mir nicht. ABER was ich jeden Tag in meinem Leben mache, das kann ich kontrollieren, daran kann ich aktiv arbeiten. Ziemlich super, wenn man mal genau darüber nachdenkt.



Wissenschaft wäre allerdings nicht Wissenschaft, wenn sie solche Modelle nicht überprüfen würde, Und so haben die Autoren des Modells einige Experimente diesbezüglich gestartet.
Noch einmal: Es geht um NACHHALTIGES Glück, also nicht ein bis zwei Tage Euphorie, sondern ein Zustand, der möglichst lange anhält.

In einer über 12 Wochen andauernden Studie wurden Probanden nach ihren positiven und negativen Affekten befragt, nach ihrer Lebenszufriedenheit und nach ihrem subjektiven Glück.
Nach sechs Wochen wurden sie dazu befragt ob es in ihrem Leben einen positiven Umstand oder eine positive Aktivität gab, die stattgefunden hat und erneut wurden sie in Bezug auf das Glück "maß genommen". Danach wurde erneut sechs Wochen gewartet bis es eine erneute Befragung zum Glück gab.
Die Ergebnisse sahen folgendermaßen aus: Sowohl Menschen, die einen positiven Umstand erfuhren, als auch jene die an positiven Aktivitäten teilnahmen hatten ein höhere "Glücksmaße" nach der sechsten Woche als noch zur Baseline. Allerdings nahm dies bei der "Umständegruppe" ab, sie gewöhnte sich quasi an den tollen Umstand,während die "Aktivitätengruppe" weiterhin glücklicher war als zur Baseline.
Daraufhin bat man  Probanden an der Studie teilzunehmen, weil sie gerade einen positiven Umstand erlebten oder an einer neuen für sie positiven Aktivität teilnahmen.
Diese berichteten, dass sie,  wenn sie an einer positiven Aktivität teilnahmen:
1) mehr Anstrengungen unternahmen
2) eine größere Vielfalt an Erfahrungen sammelten und
3) sich weniger an die Aktivität gewöhnt hatten
als diejenigen, die sich der " Umständegruppe" zuteilten.

Ein großer Kritikpunkt dieser Studien ist, dass Probanden sich retrospektiv selbst beurteilen mussten. Um dies zu vermeiden gab es eine weitere Studie zum SHM. Hier wurden Probanden nach einer kurzen Vorbefragung in zwei Gruppen unterteilt. Die eine Gruppe sollte einen positiven Umstand herbei führen während die andere Gruppe an einer positiven Aktivität teilnehmen sollte.
An dieser Studie nahmen 113 Probanden teil.
Nachdem sie den Gruppen zugeteilt wurden bekamen sie zwei Wochen später eine E-Mail, in der sie gefragt wurden ob sie die  Veränderung (Umstand/Aktivität) vorgenommen haben. Danach wurden sie zu ihrem Positiven und Negativen Affekt befragt (Studiendetails für alle Psychologen unter euch findet ihr natürlich im angegebenen Paper ;)).
Weitere vier Wochen später wurden die Probanden erneut per E-Mail nach ihrem Positiven und Negativen Affekt befragt.

Die Ergebnisse waren folgendermaßen.
Probanden in der "Aktivitätengruppe" waren motivierter die Veränderung zu wagen und glaubten eher, dass diese eine größere Anstrengung bedurften als Probanden der anderen Gruppe.
Es gab jedoch keinen Unterschied zwischen den Gruppen hinsichtlich der Affektbalance (also der Balance positiver und negativer Affekte) oder der affektiven Voraussage inwiefern diese Veränderung ihre Stimmung positiv beeinflussen würde.
Einen Unterschied gab es jedoch zwischen jenen, die Veränderungen (sowohl der Umstände als auch der Aktivitäten) herbeiführten und jenen, die es nicht taten.
Probanden, die tatsächlich etwas verändert, sei es der Umstand oder eine neue Aktivität, hatten eine höhere Affektbalance als jene die es nicht taten. (Die Autoren sprechen sehr malerisch von einem "boost in affective balance")- Das Ganze war in der "Aktivitätengruppe" tendenziell noch etwas stärker ausgeprägt als in der "Umständegruppe". Allerdings waren diese Ergebnisse nicht signifikant.
Von all den Probanden, die tatsächlich eine Veränderung in ihrem Leben vornahmen hatten diejenigen die noch einmal einen größeren Effekt in der Affektbalance, bei denen die Veränderung mehr Vielfalt in ihr Leben brachte und die sich der Veränderung bewusst waren. Den allergrößten Effekt erzielten hierbei die Probanden der "Aktivitätengruppe"

Und was heißt das jetzt für uns? Wie immer in der Psychologie ist ein Modell niemals perfekt, es erklärt nicht das gesamte Leben und zu sagen ich mache jetzt xyz und werde für immer glücklich sein, weil es in einer Studie steht, ist illusorisch.
Mir hat die Studie trotzdem einmal mehr bewusst gemacht, dass ich selbst in der Verantwortung dafür bin wie mein Leben aussieht und wie ich es gestalte. Das kann mich letztendlich sogar glücklicher machen. Ein Umstand wie ein Umzug, ein Job, eine Beziehung sind gut und schön, wir gewöhnen uns aber tatsächlich daran. Sich engagieren, Neues wagen und sich ins Abenteuer stürzen, sind jedoch Dinge, die ich in die Hand nehmen kann. Ich allein habe die Verantwortung dafür nicht jeden Tag gleich grau an mir vorbei ziehen zu lassen, sondern Neues, Besonderes und Einzigartiges zu integrieren und mich Aktivitäten zu widmen, die mich herausfordern, wachsen lassen und mich glücklich machen.
Immer auf dem gegenwärtigen Umstand rumhacken bringt nichts, macht unglücklich uns sehr lethargisch. Stattdessen lasst uns Veränderungen wagen, diese umarmen und uns darauf freuen, dass wir wachsen können. Nehmen wir also unser Leben in die Hand und malen es kunterbunt.



In diesem Sinne einen aktiven Start in die Woche
Lotte

Nähre Informationen findet ihr in folgendem Buchkapitel:

Sheldon & Lyubomirsky (2009). Change your actions, not your circumstances: an experimental
test of the Sustainable Happiness Model. In Dutt, A. K., & Radcliff, B. (2009). Happiness, economics and politics: New lessons for old problems (324-342). Cheltenham: Edward Elgar.

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