Direkt zum Hauptbereich

Motivation 4.0 ein Gastbeitrag von Dr. Ralf Friedrich

Die heutige Montagsmotivation stammt nicht aus meiner Feder. Tatsächlich ist sie der erste Gastbeitrag auf meinem Blog. Ich hätte niemals gedacht, dass ich so etwas machen würde. Als kleiner Kontrollfreak habe ich nämlich gerne alles in meiner Hand.
Doch als die liebe Nadine den Vorschlag machte meine Montagsmotivation "abzuschieben" solange ich im Umzugschaos stecke, war ich sofort begeistert. Und beinahe im selben Moment fiel mir ein, wen ich um diesen Gefallen bitten möchte.
Dr. Ralf Friedrich ist einer der inspirierendsten und motivierendsten Menschen, die ich die Ehre habe zu kennen. Jedes Mal wenn wir uns treffen, habe ich das Gefühl einen enormen Anschub zu bekommen und mich ein Stückchen weiter zu entwickeln. Das liegt unter anderem an seiner Fachkompetenz aber auch zu einem großen Teil an seiner Persönlichkeit. Wenige Menschen laden derartig zu Wachstum, zum Reflektieren und zu gleichzeitigem Durchdenken eigener Muster ein, wie er es tut.
Wir trafen uns vor einigen Jahren auf einem Seminar und ich bin sehr glücklich darüber ihn seither einen Freund nennen zu dürfen.
Als er mir zustimmte einen Artikel für den Blog zu schreiben war ich sehr glücklich und auch ein bisschen stolz, denn sein Arbeitspensum ist ungefähr das siebenfache von mir. Trotzdem hat er sich die Zeit genommen heute einen Artikel für euch vorzubereiten.
Vielen Dank Ralf!
Und euch viel Freude beim Lesen.


***

Quelle: https://www.ralf-friedrich.com
Motivation 4.0

Vielleicht kennt ihr einen der folgenden Sätze: „Du kannst viel mehr aus deinem Leben machen!“, „Wenn du dich anstrengst, kannst du alles schaffen, was du nur willst!“, „Du musst jetzt mal richtig Gas geben!“. - Wer jetzt denkt: „Habe ich alle in meiner Jugend zu hören bekommen!“, der hüpft mit mir auf der gleichen Welt herum. Herzlichen Glückwunsch: Auch du bist ein Opfer der „Motivation 4.0“.

Was meine ich damit? Seit den 90er-Jahren bin ich Konsument (und stillschweigender Leidtragender) der deutschsprachigen Motivationsliteratur. Ganz gleich ob Jürgen Höller, Bodo Schäfer oder Emile Ratelband: Ich habe sie alle gelesen. (Wer sich jetzt fragt, wer dieser „Emile Ratelband“ ist, wird bei nicht sonderlich detailreicher Google-Recherche auf das Wort „Tsjakkaa“ (gesprochen „Tschackaa!“) stoßen. Dem ein oder anderen sollte das ein Begriff sein.) Die Intention der 90er-Jahre Coaches war simpel: „Wenn du es dir vorstellen kannst, bist du auch in der Lage, es zu schaffen.“ Das „Was“ war hierbei egal. Das „Wie“ wurde durch eine Vielzahl an Methoden vorgegeben. Ein geniales Konzept, das leider einen ungewollten Nachklang hatte: Es kam die Frage auf, wieso nicht jeder einzelne nach wirklich allem strebt, wenn es so doch so einfach ist?!

Meine Mutter sprang während meiner Schulzeit ebenfalls auf diesen Zug auf und wollte, wie jede Mutter, nur das Beste für ihr Kind. Angesteckt von Motivationsphrasen und einer übertriebenen „You can do it!“-Kultur versuchte sie mit aller Kraft ihren Antrieb auf mich zu übertragen. Mein damaliges Empfinden möchte ich gern in einer Metapher adaptieren: Stellt euch einen in der Savanne liegenden Löwen vor. Er schläft. Irgendwann ist er hungrig, beschließt zu jagen, erlegt eine Antilope, frisst und legt sich wieder hin. (…) Von vorn. - Geiles Leben.
Jetzt kommt ein Motivationstrainer vorbei und erklärt dem Löwen, dass er mit etwas mehr Energie fünf Antilopen fangen könne. Der König der Tiere erlegt also fünf Antilopen, frisst eine und benötigt anschließend einen Kühlschrank für das übrige Fleisch. Um diesen erwerben und betreiben zu können, jagt er noch mehr Antilopen, um diese verkaufen zu können … usw.

Die Problematik ist eindeutig: Das „Mehr“ bedeutet vor allem eines: Mehr Arbeit. Doch wo ist das Ziel? Wozu mehr erreichen? Wozu dem „Höher-Schneller-Weiter“-Impuls der Moderne folgen, wenn dieser weder einem Fortschritt noch einer Problemlösung dient?
Wir sollten uns jeden Tag eine Frage stellen: Wieso mache ich, was ich mache? Worin liegt mein Sinn, mein Motiv, mein Ziel? Wisst ihr, ich glaube, Motivation ohne Ziel ist wie eine Ehe ohne Partnerschaft: Möglich, von vielen praktiziert, aber sinnlos. Jeder von uns - und ich folge dem Ansatz der Erfolgstrainer hierbei voll und ganz - ist in der Lage, alles zu erreichen, was er möchte. Doch dazu benötige ich mehr als blinden Antrieb; vor allem, wenn es der eines Dritten (in meinem Fall dem meiner Mutter) ist. Es bedingt einem klaren Ziel, ein wenig Planung, Durchhaltevermögen und toller Menschen im persönlichen Umfeld, die uns ermutigen, zusprechen und unterstützen.

Und was machen wir jetzt mit der Motivation 4.0 und allen, die uns scheinbar sinnbefreit antreiben?! Das Gleiche, das wir auch mit jenen machen, die uns die Luft zum Atmen rauben, indem sie uns runterziehen, nicht vorhandene Grenzen aufzeigen wollen und in einer „Kann nicht!“ - „Geht nicht!“ - „Haben wir schon immer so gemacht!“ - Sphäre leben: Sie aus unserem Leben fern halten.

Jeder von euch ist frei im Denken und frei im Tun. Macht etwas daraus. Beißt euch durch, wenn ihr an das Ergebnis glaubt. Schlaft euch aus, wenn es sein muss. Und bitte, tut mir einen Gefallen: Seid glücklich! Ihr habt es verdient. Ihr alle!


***



Wer mehr über Dr. Ralf Friedrich erfahren möchte bitte hier entlang zu seiner Homepage.
In seinem Buch mit Trainigsbeiträgen aus den Jahren 2015/2016 können alle Unternehmer unter euch (und alle anderen natürlich auch) noch etwas mehr über eine Vielzahl von Themen von Netzwerkarbeit bis hin zu Empfehlungsmarketing erfahren. 

Ich wünsche euch einen fantastischen Montag
Liebste Grüße
Lotte

Kommentare

  1. Liebe Lotte,

    vielen Dank für diese tolle Chance auf eine mal ganz andere Montagsmotivation. Dein Mut die Kontrolle abzugeben, hat sich definitiv gelohnt :)
    Das Thema trifft es einfach auf den Punkt. Ich denke solche Aussagen à la "Du schaffst alles, was du willst", kennt jeder von uns. Ich persönlich habe es zum Glück schon sehr früh geschafft, hier zwischen meinen eigenen Zielen und denen der Anderen zu differenzieren (ich sage nur Mütter, die das natürlich gut meinen, aber ob das auch immer das Beste ist?). Trotzdem passiert es auch heute immer mal wieder, dass sich da ein Ziel einschleicht, bei dem mir erst nach einer Weile bewusst wird, dass es eigentlich nicht meines ist.
    Viel Spaß beim Kisten packen und hab etwas Nachsicht mit deinen Protagonisten ;)
    Liebe Grüße
    Nadine

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich über eure Anmerkungen und Kommentare :-)

Beliebte Posts

Weg mit den Mythen

Der folgende Post ist das Gegenteil von einfach. Um ehrlich zu sein weiß ich gar nicht, ob ich ihn überhaupt veröffentlichen möchte und das liegt unter anderem daran, dass er so privat ist wie bisher wenig auf meinem Blog. Viele Dinge behalte ich für mich, sie passen nicht hier herein, aber ich denke in diesem Fall sollte es das. Und nachdem inzwischen mehrere Jahre vergangen sind, denke ich: einfach machen.
Der heutige Post ist weniger Montagsmotivation als vielmehr Aufklärung und dafür möchte ich eine Geschichte voran stellen. Als ich noch jung und um einiges naiver war als heute, hatte ich Besuch. Der Freund einer lieben Freundin kam nach Leipzig und übernachtete bei mir. Sein enttäuschter Blick, als ich ihn auf dem Sofa einquartierte sprach Bände, aber ich hatte das Gefühl damit genau das richtige Signal gesetzt zu haben. Wir verbrachten ein angenehmes Wochenende miteinander, von seinen andauernden Beschwerden über das Sofa einmal abgesehen. Er erzählte mir viel von seinem Kampfs…

Ein bisschen mehr Anstalt, bitte!

In unserer Wohnung gibt es keinen Fernseher, zumindest keinen um darin Tatort, Wetten, dass? oder Frauentausch zu gucken. Dafür haben wir weder Zeit noch die nötige Lust.
Um ehrlich zu sein langweilt mich das herkömmliche Fernsehprogramm meistens, Tatort und Co. sind faktisch meist falsch und ich finde eh kaum die Zeit mir so etwas anzuschauen.
Eine große Ausnahme gibt es jedoch: Satirsendungen. Ich bin ja bekanntlich ein großer Fan der heute show. Dieses Jahr ist jedoch eine Sendung dazu gekommen, die beinahe alles in den Schatten stellt, was ich bisher an politischem Kabarett und Satire gesehen habe. Bitterböse, gnadenlos und sofort mit einer einstweiligen Verfügung von einem gewissen Herrn Joffe (Herausgeber der Zeit, klick hier) bedacht, ist das neue Format von "Neues aus der Anstalt" bisher ungeschlagen auf Platz 1 meiner liebsten Satiresendungen.
Dabei blieb mir bei einigen Sendungen das Lachen, vor lauter Wahrheit, im Hals stecken. So zum Beispiel bei Claus von Wagner…

Ein Hoch auf die Frauen

Während ich den Titel des heutigen Blogposts lese, muss ich ein bisschen schmunzeln. Das Ganze klingt recht pathetisch. Vielleicht durchaus zurecht.  In den letzten Monaten und Jahren habe ich nämlich eine Sache festgestellt: Freundinnen sind unbezahlbar.  Sie sind für dich da, wenn du zum tausendsten Mal einen Abend durchgehst um festzustellen, was das nun alles zu bedeuten hat, nehmen dich in den Arm, wenn gerade mal alles schief läuft, ziehen dich mit Typen auf, indem sie Gänsblümchenblätter für dich zupfen, machen Unfug mit dir, leihen dir ihre Ohr, ihr Kleid oder sogar ihre Schulter zum ausweinen und holen dich auf den Boden der Tatsachen zurück, wenn du mal wieder abhebst.  Kurzum: Sie sind einfach das Salz in der Suppe.  Irgendwie haben wir Damen uns einreden lassen, dass die einzige Beziehung, die wirklich zählt, die mit deinem sexuellen und/oder Lebenspartner ist. Was wir dabei vergessen: Zwischen allen Beziehungen, den lärmenden Liebschaften und auf und ab sind die Freundin…