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Fehlende Montagsmotivation - ein Credo für Besonnenheit


Am Sonntagabend saß ich lange vor dem Bildschirm und schrieb vier unterschiedliche Fassungen der Montagsmotivation.  
Die erste sollte eine Studie zum Thema "Intuitives Essen" vorstellen, doch ich fand die Formulierungen nicht passend, mochte meine Beschreibungen nicht und  mich in Einzelheiten, die den Post langweilig und schwer verständlich machten.
Die zweite Version des Posts sollte ebenfalls das Thema Essen behandeln. Ich ließ die wissenschaftliche Pfennigfuchserei aus und war unzufrieden damit, das es zu oberflächlich wurde. 
Also beschloss ich das Thema außen vor zu lassen und wollte ein Zitat von Augustinus posten. Das kam mir dann einfach zu flach vor und ich machte einen vierten Post zu einem Brief, den F Scott Fitzgerald seiner Tochter schrieb. Nachdem ich diesen Post fertig und abgespeichert hatte, machte ich den Fehler ihn noch einmal zu lesen, löschte alles und ging ins Bett.
Und so kam es, dass ihr gestern ganz ohne Montagsmotivation in die Woche starten musstet- geschuldet meinem etwas aus den Fugen geraten Perfektionismus.

Aber, und das ist doch eine gute Nachricht, entsprechend habe ich die Motivation einfach auf den Dienstag gelegt, meine Gedanken schweifen lassen und bin genau zu diesem Thema gekommen. Ein Thema, das mir am Montag quasi gratis dazu gereicht wurde: Perfektionismus.
Ich bin Perfektionistin, allenthalben wird das als positive Eigenschaften angesehen, die Forschung würde nicht voran kommen, wenn nicht Heerscharen perfektionistischer Wissenschaftler an immer besseren Methoden, Thesen und Theorien arbeiten würden. Perfektionismus ist en vogue, wir alle prahlen gerne damit, es ist eine beliebte "Schwäche", die man im Vorstellungsgespräch erwähnt (Ich habe mal bei einem Vorstellungsgespräch nach meinen Schwächen gefragt und antwortete schlagfertig: Das ist doch jetzt die Stelle an der Sie hören wollen, dass ich zu perfektionistisch bin - Die Antwort war: Wenn Sie das sagen können Sie gleich gehen.- Wir lachten sehr und ich bekam den Job 10 Minuten später angeboten). 
Was wir aber bei dem ganzen stilvollen "Ich bin perfektionistisch" vergessen ist leider das wesentliche. Wir optimieren unsere Ernährung, unser Sportprogramm, unseren Zeitplan, die sozialen Beziehungen, Partnerschaften und das Outfit, aber wir kommen nicht eine Sekunde lang auf die Idee einfach zu leben.
Leben ist nicht perfekt, denn wir sind es nicht. Wir sind es nicht und wir können es niemals sein. Und einem Ideal hinterher zu hechten, unglücklich nach dem einen perfekten Moment zu greifen, dem perfekt flachen Bauch oder der perfekt funktionierenden Beziehung zerstört genau das, was unser Leben ausmacht: Das Leben an sich.
Genussvoll ein Eis am Strand essen klappt nicht wenn man die perfekte  mit weiße Hose nicht Schokoladenflecken besudeln darf. Ein genussvoller Moment ist zerstört, wenn er auf ein perfektes Foto gebannt werden soll (ich rede nicht von einem Schnappschuss, der aus dem Moment heraus entsteht) und eine Beziehung bröckelt in dem Moment in dem wir versuchen sie perfekt zu gestalten.
Deswegen ist meine Motivation für die Woche, auch wenn sie am Dienstag kommt, die Folgende:
Versucht nicht alles perfekt zu machen, genießt die Unvollkommenheiten des Lebens, atmet frei und unbeschwert. Perfektionismus ist der sicherste Weg sich selbst unglücklich zu machen. 
Ich wünsche euch einen wundervollen Dienstag
Liebste Grüße
Lotte

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