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Let it be --- Die Sache mit der Zeit


In meinem Kopf schwirren die Gedanken. Eigentlich möchte ich ja gerne etwas zum Rechtspopulismus schreiben oder zu Trump oder zu politischem Engagement - so nach dem Motto: Demokratie funktioniert nur, wenn wir alle mitmachen. 
Aber in den letzten Tagen schwirrt mir ein anderes Thema im Kopf rum, flattert durch meine Gedanken und kommt immer wieder. 
Und am Wochenende, beim Kakao mit meiner Mutter in Hannover, wurde es mit einem Mal so präsent, dass ich zum ersten Mal tatsächlich erzählte, was mich seit einigen Wochen bewegt.  

Seit einigen Wochen habe ich das Gefühl ständig gehetzt und unter Anspannung zu sein. Die Zeit rennt mir davon, bricht in großen Stücken ab und zerrinnt binnen kurzer Augenblicke.
Mit dem Beginn meiner ersten Arbeit, dem Umzug nach Hannover und dem Aufbau neuer Freundschaften, vergehen Stunden wie Sekunden und ich habe das Gefühl atemlos durch mein Leben zu hetzten. Was im Detail zu diesem Gefühl führt ist gar nicht so wichtig, Fakt ist: Seit einigen Wochen beobachte ich an mir selbst eine Anspannung, die ich sonst nicht von mir kenne.
Es ist ein wenig so, als wäre ich permanent auf der Hut vor blöden Entscheidungen oder Ideen und würde gleichzeitig einem ICE hinterher rennen. Oder wahlweise einem Düsenjet. Halte ich einmal an und kurz inne, bin ich nicht glücklicher, sondern denke ich verpasse etwas und bin mir selbst nicht genug. Statt inne zu halten fülle ich Stunden mit Aktivitäten, die erledigt werden müssen und ergehe mich in dem Versuch der Perfektion eines Lebens. Alles - nur nicht schön.



"Und was hat das jetzt mit der Montagsmotivation zu tun?" fragt ihr euch. In erster Linie klingt das ja nach Gejammer. Nun, ich habe entschieden,dass es so nicht weiter geht. Tolle Entscheidung, hätte ich ja auch sofort treffen können, oder? War nur leider nicht so einfach. Nachdem ich meine Mutter zum Zug gebracht hatte und laut ihrer Verordnung mitsamt einer Zeitschrift in Richtung meiner Wohnung unterwegs war, las ich dieses Interview in der Zeit Online und mit einem Mal wusste ich, was ich in den nächsten Wochen gerne ändern würde.
Anstelle meiner ewigen und langen To Do Listen werde ich eine "Let it be" Liste aufstellen, in der ich all das notiere, was ich einfach einmal sein lasse.
Vielleicht möchte ich gar nicht meinen Abwasch erledigen, wenn ich abends um 20 Uhr von meiner Arbeit oder einer neuen Verpflichtung (wie gesagt mehr dazu bald) nachhause komme. Vielleicht muss meine Ernährung nicht zu 100% perfekt und ausgewogen sein und jeder Tag genau durchgeplant. Vielleicht kann ich eine Verabredung, die mir mehr Stress macht als Freude, einfach nicht treffen und stattdessen bewusst Zeiten für mich einplanen, in denen ich wieder lerne meine eigene Gegenwart zu genießen so ganz ohne Whatsapp, Instagram und Serien, sondern einfach nur mit Bella, Tee und einem guten Buch. Vielleicht kann ich all diese "Ich muss" und "Ich sollte" zu einem "Ich werde" und "Ich will formen" - weg vom Fokus auf alles was gemacht werden muss, hin zu Prioritäten und persönlichen Momenten. 
Und während weiterhin postuliert wird, dass "keine Zeit haben" gleichbedeutend mit Status, Geld und Macht ist, möchte ich wieder lernen, das Zeit jeden einzelnen Augenblick zählt. Mir ist an diesem Tag an der Bahnhaltestelle klar geworden, dass es niemanden gibt, mit Ausnahme von mir selbst, der mich zwingt auf diesen: "Keine Zeit" Zug aufzuspringen und Prioritäten entgegen meiner Lebenseinstellung zu treffen. Ich muss nämlich gar nicht mein Leben so leben wie "alle es machen", sondern darf das selbst entscheiden. Ich bin ja schließlich erwachsen, ne? Coole Sache.

Also nehme ich mir in den nächsten Wochen einmal bewusst die Zeit Dinge weg zu lassen, sie einfach nicht zu machen und mich dafür zu entscheiden nicht mit einhundert Bällen gleichzeitig zu jonglieren. Ich bin mir sicher, dass es nicht leicht wird, aber das Experiment erscheint mir unglaublich wichtig.
Denn, das ist meine Überzeugung, es ist immer besser wenn möglich schon auf sich zu achten, bevor man in einer tiefen Krise steckt aus der man ohne Hilfe nicht mehr heraus kommt.
Also fange ich heute damit an es einfach einmal sein zu lassen mit all den Dingen, die den Tag verbauen können. 

Wunderschön und erhellend fand ich den TED Talk von Laura Vanderkam zum Thema "How to gain Control of your free Time". Sie sagt hierbei man solle anstelle von "Ich habe keine Zeit" lieber "Es ist keine Priorität" sagen. Denn auf diese Weise macht man sich bewusst, dass man selbst die Kontrolle hat. Wahre Worte. Simpel, aber wahrscheinlich effektiv. Und aus diesem Grund werden auf meiner Let it be Liste Dinge stehen, die keine Priorität haben. Nicht an diesem Tag zumindest um auf diese Weise Raum für all jenes zu schaffen, was Priorität besitzt. Sei es ein kurzer Spaziergang, ein kurzes Schläfchen oder ein Telefonat mit einem lieben Freund. 

Ich wünsch euch einen wunderbaren Start in die Woche. Genießt eure Zeit, sie ist unendlich kostbar
Lotte


PS: In zwei Wochen erzähle ich euch wie es mit einer Let it be Liste anstelle einer To Do Liste so ist. ;)

Kommentare

  1. Liebe Lotte,...also so eine..lass es sein ..Liste werde ich sofort machen..Es ist immer so mühsam..Haken an die ..to do Liste zu setzten..Danke Liebe Grüße von Elke

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    1. Liebe Elke
      Da hast du völlig recht. Mich stressen "To Do Listen" auch unglaublich und ich merke, dass ich ohne sie weit produktiver bin. Eine Let it be Liste ist großartig, denn sie zeigt mir was für mich wirklich wichtig ist. Selten war eine Woche so angenehm, produktiv und voller Freude wie diese. Ich wünsche dir viel Spaß bei der Umsetzung
      Liebste Grüße
      Lotte

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