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Warum Politik nur mit uns funktioniert

Wahljahr 2017. Die Zeitungen, das Internet, das Fernsehen- alles ist voll von Spekulationen, Ideen und Vorhersagen wer wann wie warum an die Macht kommt. Die SPD hat ihren Kanzlerkandidaten benannt und damit ist die erste Runde Wahlkampf offiziell eingeläutet worden.
Was in diesem Zusammenhang gerne vergessen wird. Der Wähler an sich.
Eine kurze Erinnerung: Wir leben in einer Demokratie. In unserem Fall heißt das: Wir gehen im Herbst (hoffentlich) zur Wahl und machen unsere Kreuzchen dort, wo wir es für richtig halten. Dementsprechend kommen gewählte Vertreter (entweder als Direktmandaten oder über Verhältniswahl) bestimmter Parteien in den Bundestag, es wird eine Regierung gebildet und entsprechend die nächsten vier Jahre Gesetze geschaffen und darauf geachtet, dass sie auch ausgeführt werden. Wir haben eine Gewaltenteilung zwischen Gesetzgebender, ausführender und Juristischer Gewalt und auf diese Einhaltung wird streng geachtet. 
Soweit so Sozialkundeunterricht. Das war jetzt grob vereinfacht und  ihr könnt das alles wunderbar auf der Seite der Bundeszentrale für Politische Bildung inklusive wunderbarer Ausführungen zur Fünf Prozent Hürde und Überhangmandate nachlesen (einmal hier entlang).
Worauf ich jedoch hinaus will ist Folgendes:
Wenn wir zur Wahl gehen sind wir alle gleich. Egal ob wir arm oder reich sind, männlich oder weiblich ungeachtet unserer sozialen Herkunft, unseres Status und unseres Kontoauszugs. Es ist völlig egal ob ich Schweinezüchter, CEO in einem Konzern oder Bundeskanzler bin. Ich habe dieselbe Stimme wie Fritzchen Müller aus Bottrop Ausbau. Und das ist Demokratie.
Es bedeutet nicht, wer am lautesten schreit oder am lustigsten Werbung macht kommt automatisch in den Bundestag. Nein, es ist derjenige, der die Stimmen der Bevölkerung bekommt.
Und jetzt einmal für die ganz Schlauen: WER ist die Bevölkerung?
Na? Na? Kommt ihr drauf? WIR. Jeder einzelne von uns der wahlberechtigt ist und zur Urne marschiert ist ein Teil dieser Bevölkerung und darf entscheiden. Völlig unabhängig davon was die Medien brüllen, ungeachtet seiner Partnerwahl oder den Vorgaben des Chefs dürfen wir streng geheim unser Gewissen befragen und eine Entscheidung treffen.
Das bedeutetet nicht, dass unsere Entscheidung automatisch gewinnt. Auch das ist Demokratie. Gewinnen tut die Mehrheit. Aber wenn ich mich nicht an dieser Entscheidung beteilige, dann nehme ich mir die Chance teilzuhaben und vielleicht etwas zu bewirken. 

Und jetzt kommt mein Lieblingseinwand aller politikverdrossenen "Ich gehe nicht zur Wahl aber beschwere mich laut über die da Oben" Menschen: Es ist doch völlig egal wen ich wähle, die da Oben machen doch eh was sie wollen und alle dasselbe. Wir tauschen nur Marionetten aus und das war es dann. Also gehe ich gar nicht zur Wahl. Bringt ja eh nichts. Ich werde nicht gehört. 


Bitte einmal scharf nachdenken: Wer sind "Die da Oben"? Und woraus besteht eine Partei? Schwere Frage, leichte Antwort. Sowohl "die da Oben" als auch eine Partei besteht aus Menschen. Ich zumindest habe noch keinen Alien, Roboter oder Berner Sennenhund gesehen, der Teil der Regierung war. Und wisst ihr was daran die gute Nachricht ist? Ihr seid auch Menschen. Anstatt also mürrisch Bier in sich hinein zu kippen und zu schimpfen: Wie wäre es selber etwas zu machen? Sich selbst zu engagieren. Wisst ihr wie euer der Abgeordnete für euren Wahlkreis im Bundestag heißt? Habt ihr einmal Kontakt zu ihm aufgenommen und erklärt was gerade hier in seinem Wahlkreis ein großes Problem darstellt? Habt ihr euch an die Partei gewendet, die ihr in der letzten Bundestagswahl gewählt habt? An den entsprechenden Ortsverein und nachgehakt was genau eigentlich aus Versprechen xy geworden ist? Habt ihr nachgefragt wie es konkret mit Problem soundso aussieht und wer sich darum bemüht?
Habt ihr einmal überlegt selbst aktiv zu werden? Sei es in einer Partei, einer Gewerkschaft eine Initiative um für das einzustehen, was euch in der Politik wichtig erscheint?
Keine Partei ist perfekt. Darauf zu warten, dass wie aus dem Nichts eine Messiaspartei auftaucht, die alles besser und anders macht, die niemals in Skandale verwickelt ist und nur tut was mir gefällt und die ich deshalb wählen kann (natürlich wird es die Mehrheitspartei aller und wir leben fortan auf der Insel der Glückseligen mit Einhörnern und Regenbögen) ist, mit Verlaub, nicht nur naiv, sondern auch gefährlich.
Es ist gefährlich, weil wir die Verantwortung abgeben, die wir haben. Unsere Verantwortung ist es nachzuhaken, zu wählen und aktiv zu werden. Ich kann mich hundert Jahre beschweren und mit der Einstellung durch das Leben gehen, dass "die da Oben" niemals etwas ändern werden oder ich kann selbst etwas tun.
Vielleicht werde ich scheitern, vielleicht werden meine Vorurteile bestätigt aber vielleicht kann ich ja etwas bewirken. Auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist, so ist es immer noch besser als tatenlos zuzusehen.

Meine Montagsmotivation ist heute ganz einfach. Fragt euch in dieser Woche: Was kann ich tun? Wo kann ich Veränderungen anstoßen in den Dingen, die mich schon lange stören. Wer ist der Abgeordnete meines Wahlkreises? Wo sitzt der Ortsverband der Partei, die ich gewählt habe? Wen kann ich ansprechen? Wo kann ich Steinchen ins Rollen bringen? Und vielleicht sogar? Wie kann ich mit meinem Wissen, meiner Integrität am besten wirken? Gibt es eine Gewerkschaft, der ich mich zugehörig fühle? Eine Partei, die trotz ihrer Unzulänglichkeiten im wesentlichen meine Werte widerspiegelt? Einen Interessenverband, dem ich beitreten möchte? Eine Bürgerinitiative, die mir wichtig erscheint? Wo kann ich aktiv werden und was hat mich bisher davon abgehalten?




Es ist Wahljahr. Ihr habt die Wahl. Nutzt sie. 
Eine wunderbare Art sich über das aktuelle Politische Geschehen zu informieren ist übrigens die Zeitung "Das Parlament" wird vom Deutschen Bundestag herausgegeben und beinhaltet Bundestagsdebatten ebenso wie ein gezieltes Leitthema. Dazu gehört immer das Heft "Aus Politik und Zeitgeschehen", das von der Bundeszentrale für Politische Bildung herausgegeben wird. Lesenswert und sehr sachlich wird hier deutsche Innenpolitik greifbar gemacht. Wer sich einmal genau informieren möchte ist hier an der richtigen Stelle. ***



Ich wünsche euch einen wunderbaren Start in die Woche
Liebste Grüße
Lotte

*** Dieser Abschnitt spiegelt meine persönliche Meinung. Ich habe keinen Vorteil von dieser Aussage und arbeite auch nicht mit den Herausgebern der Zeitung zusammen. Es ist lediglich meiner Meinung nach gute Lektüre ;)

Kommentare

  1. Glückwunsch! ich hoffe, Du erreichst möglichst viele Deiner Wähler. Du hast es Gott sei Dank mit einfacher und nicht mit "Gelehrten - Sprech" oder Wundertütenrethorik auf den Punkt gebracht.
    Hansi

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