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Die mit den Walen flüstert

Heute habe ich einen ganz besonderen Blogpost für euch. Meine liebe Freundin Alina, die ich unglaublich für ihre freigeistige Haltung und weltoffene Einstellung schätze und aus vielerlei anderen Gründen bewundere nimmt euch heute mit in die Dominikanische Republik.  Seit ich in Hannover wohne ist Alina, die ich auch davor schon kannte, eine feste Konstante in meinem Freundeskreis. Sie ist lebenslustig, humorvoll und wunderbar aber allem voran ist sie der Inbegriff des Weltenbummlers. Im letzten Monat war Alina als Walflüsterin unterwegs und hat sich bereit erklärt einige meiner Fragen für den Blog zu beantworten..
Ich wünsche euch viel Spaß beim Eintauchen in andere Welten und ferne Gegenden.

Liebste Alina
Vielen, vielen Dank, dass du dich bereit erklärt hast einige Fragen zum Thema Walflüsterer zu
beantworten. Ich freue mich spannende Geschichten von dir zu hören und ein wenig mehr über
diesen ungewöhnlichen Weg zu erfahren. Danke, dass du diese Geschichten auch mit meinen
Lesern teilen möchtest ❤

1. Zunächst einmal ganz banal: Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen Walflüsterer zu
werden ?

Jaaaaa, also das war eigentlich war es ganz lustig: Als ich vergangenen Sommer per
Mitfahrgelegenheiten nach Köln unterwegs war um eine Freundin zu besuchen, saß ich im Auto des
Walflüsteres 2014. Dieser heißt Roland und erzählte mir stolz von seinem Titel und was er dafür tun
musste: Einen Monat lang in der Dominikanischen Republik Buckelwale beobachten und darüber
schreiben. Für mich klang das viel zu schön, um wahr zu sein und da ich schon von klein auf
absolut begeistert von Tieren war, sagte ich mir: Alles klar, dieses Jahr werde ich Walflüsterin!
Tatsächlich wird das Programm jedes Jahr seit 8 Jahren ausgeschrieben, da das Domikanische
Tourist Board aber in Frankfurt sitzt, berichten vor allem die Medien im Umkreis jeder Stadt davon.
Wenn ich nicht neben Roland gesessen hätte, wäre ich wohl nie darauf gekommen :)

2. Und was genau kann ich mir darunter vorstellen, wenn du als Walflüsterin arbeitest? Tauchst du in die Tiefen des Ozeans und sprichst mit den Buckelwalen? Wie Robert Redford als Pferdeflüsterer?

Also das wäre natürlich schön, aber ich muss zugeben, dass ich dem Walischen nicht mächtig bin,
außerdem herrschen hier in Samaná strenge Regulierungen, sodass ich nicht einfach ins Meer zu
den großartigen Meeressäugern hüpfen darf. Leider. Nein, aber dafür fahre ich jeden Tag mit whale
samana hinaus, um die Giganten vom Boot aus zu beobachten. Kim Beddal, die vor 30 Jahren
hierher auswanderte, ist Inhaberin und Leiterin der besten Whalewatchingtour hier. Sie und ihr
Team werden es nicht müde den Beobachtern alles Wissenswerte über diese schönen Geschöpfe
mitzuteilen. Man sieht nicht nur einen mysteriösen Teil des Buckelwals, sondern es wird auch
erklärt was: Beispielsweise welches Geschlecht die Tiere haben, die Konstellation der Individuen
untereinander und der Grund für das gesehene Verhalten. Die soziale Interaktion ist unglaublich
vielschichtig und sehr faszinierend. Meine Aufgabe ist es dies per Photo und Film festzuhalten,
darüber zu schreiben und zu begeistern. Das geschieht durch den Walflüsterer Blog und Facebook.
Jeden Tag lade ich das ein oder andere Bild hoch und schreibe regelmäßig Artikel.

Unser knapp 5 Wochen altes Kälbchen hüpft immer höher aus dem Wasser. So erbrobt es seine Kraft und stärkt seine Ausdauer.

3. Du verbringst ja nun einige Zeit in der Karibik - ist das ein echter Traum oder gibt es auch
Dinge, die nicht so gut sind?

Also paradiesisch ist es hier auf jeden Fall: weißer Sandstrand, blaues Meer, Kokusnusspalmen und
exotische Früchte finden sich überall. Allerdings sind die Standards hier nicht mit unseren zu
vergleichen, denn aufgeräumt sind zwar die Hotelkomplexe, verlässt man diese jedoch türmt sich
der Müll zu allen Seiten. Warum sollte man seinen Müll entsorgen, man kann ihn einfach fallen
lassen. Auch das Meer ist voller Plastik und wer weiß was noch. Darüberhinaus wurden letzte
Woche in Samaná mindestens acht Straßenhunde mit Ködern vergiftet. Das Verhältnis zu Tieren ist
hier alles andere als moralisch. Besonders die Pferde können bis zum Tod schuften, werden aber
von vielen nicht im Geringsten gewürdigt. Und die zahlreichen Straßenhunden sind weniger wert
als Ratten und werden dementsprechend gequält. Das sind die Schattenseiten des Landes, derer man
sich klar sein muss und von denen ich hoffe, dass sie sich ändern. Was ich auch katastrophal finde,
ist, dass zahlreiche Kreuzfahrtschiffe mitten durch das Walschutzgebiet fahren dürfen, wo die
Mütter mit ihren Kälbern sind. Und das oft viel zu schnell. Wenn man zahlt, darf man hier alles, der
Effekt auf die Tiere ist s****egal! Die Haupttodesursache der Buckelwale sind das Verfangen in
Fischernetzen und Zusammenstöße mit Booten, die zu schnell fahren, als dass die Wale ausweichen
könnten.


4. Was ist die Kernbotschaft, die du als Walflüsterin mit nachhause nimmst?

Die Zeit als Walflüsterin wird mir auf jeden Fall als unvergessliche Zeit in Erinnerung bleiben:) Tag
für Tag fahre ich mit dem Schiff und Wal-begeisterten Menschen hinaus, halte Ausschau und warte
gespannt was für ein Schauspiel sich bieten wird, denn Buckelwale sind unberechenbar. Kaum
wendest du das Boot und beginnst deinen Blick abzuwenden, springt ein 40 Tonnen schwerer Wal
am Rande deines Blickfeldes aus dem Meer und verschwindet pünktlich in diesem, sobald deine
Kamera knipsbereit ist :D Auf jeden Fall konnte ich jeden Tag neues über diese Tierchen erfahren
und verstehen. Buckelwale haben eine unglaublich komplexe Art der Kommunikation, der sozialen
Beziehungen und der Bandbreite der Gefühle, welche unseren gar nicht unähnlich sind. So versucht
beispielsweise ein männlicher Buckelwal bereits eine Beziehung zu einem Walweibchen
aufzubauen, das gerade ein Kälbchen geboren hat und erst im darauf folgenden Jahr paarungsbereit
sein wird. Nach dem Motto: „Ich greif dir dieses Jahr unter die Flossen und nächstes Jahr denkst du
dann vielleicht an mich“ Sehr vorausschauend, oder? ;)

5. Was war dein bisher spannendstes Erlebnis als Walflüsterin?

Spannend ist es jeden Tag aufs Neue, wenn die Erwartung steigt und der Blick den Horizont
absucht, jede Aktivität eines Wales ersehnend. Besonders schön war es immer, wenn wir Grommet
mit ihrem Kalb sahen. (Sie ist ein recht bekanntes Weibchen, welches an der Seite ihrer einst an der
Ostküste der USA in Fischernetzen gefangenen Freundin Foggy blieb, bis diese nach Stunden
befreit wurde. Danach sprang sie voller Freude um das Boot der Retter.) Auch ihr Kälbchen springt
sehr gerne und kam immer mal wieder neugierig in die Nähe unseres Bootes und manchmal sprang
auch Grommet selbst sehr dicht neben uns aus dem Wasser. Wer sich dafür interessiert, kann sich
gerne auf www.walflüsterer.de die von mir und den vorherigen Walflüsterern geschrieben Artikel
durchlesen und sich die Photos ansehen, die wir dort veröffentlicht haben :)

Und so ruft die Mutter ihr Kälbchen zurück, wenn das Kleine zu nah an unser Boot heranschwimmt. Der Walfischschwanz gehört nebenbei einem knapp 15 meter langem und 40 Tonnen schweren Weibchen.


6. Was würdest du anderen raten, die auch gerne Walflüsterer werden wollen?

Ganz viel Begeisterung für Wale, Photos und das Schreiben zu haben. Und das alles etwas
interessant sowie kreativ zu gestalten. Außerdem sollte man sich bewusst sein, dass es für einen
Monat in die Ferne geht. Zwar ist es wunderschön hier, aber manchmal ist es ganz schön
anstrengend; ich komme hundemüde nach dem Tag auf See zurück, zugegebenermaßen in ein
5*Hotel ;), versuche noch was zu posten und meine Gedanken zu verarbeiten. Auch sollte man sich
selbst genug sein, denn man ist hier ganz allein und wird gerade beim Essen von den anderen
Gästen mit gemischten Blicken bedacht. Diese reichen von mitleidig über verwundert bis hin zu
missbilligend. Außerdem ist das Klientel aufgrund der gehobenen Preise zum großen Teil 60+, was
zwar ab und an zu interessanten Gesprächen führt, aber seltenst auf der selben Wellenlänge. Wie
dem auch sei, die Hauptsache sind die Buckelwale und wer von diesen großartigen Tieren nicht
genug bekommen kann, und das überzeugend rüber bringt, sollte sich nächstes Jahr im September
auf jeden Fall dafür bewerben. Schreibt einen locker flockigen Text, dreht ein unterhaltsames Video
und dann toitoitoi!

7. Du bist meine persönliches Vorbild in vielerlei Hinsicht, besonders aber darin was freies und
wildes Reisen angeht. Was sind deine Top Tipps für Globetrotter und jene, die es werden wollen?

Ach du bist ja süß, vielen Dank für die Blumen :). Eigentlich nicht Außergewöhnliches, bloß: Nutzt
jede Chance. Wenn ihr studiert, dann macht ein Auslandssemester; oder ein Praktikum. Allein um
ein Land ein bisschen besser kennen zu lernen und verbarrikadiert euch nicht lediglich als Tourist in
einem Hotelkomplex. Das unterscheidet der Touristen vom Reisenden. Nutzt die wundervolle
Webseite Couchsurfing und damit die Gelegenheit Einheimische und das wahre Leben kennen zu
lernen. Wenn euch das too much ist, versucht es mit Hostels, dort gibt es zumeist eine bunt
gemischte Vielfalt der dort Untergekommenen, die gerne ihr Wissen teilen. Und vor allem traut
euch! Lest euch die Warnhinweise vom Auswärtigen Amt durch, lasst euch davon aber nicht
abschrecken. Seid immer wachsam, aber nicht ängstlich. Holt euch Tipps von locals, entweder
durch couchsurfing oder örtliche Facebook Gruppen. Schnappt euch einen Freund/Freundin oder
stürzt euch allein ins Abenteuer.

6:30 Uhr Sonnenaufgang in Cabarete, dieser Anblick war es wert um 5 Uhr aufzustehen

8. Deine jetzige Reise ist komplett geplant. Normalerweise organisierst du jedoch selbst.
Was sind 
deine Kniffe um günstig durch die Welt zu tanzen?

Ja das ist wirklich einmal etwas anderes! Normalerweise stehen derartige Etablissements nicht auf
meiner Tagesordnung. Wie erwähnt komme ich eher durch couchsurfing oder Hostels unter, was
auch den Vorteil der Selbstverpflegung bietet. Wer selber kocht spart natürlich Einiges. Und vor Ort
ist es am Besten sich immer zu erkundigen wohin die Einheimischen gehen, damit man nicht, wenn
man beispielsweise doch Essen geht, in einem überteuerten Restaurant mit Zusatzsteuern landet,
was mir auch schon passiert ist. Wer es einrichten kann, sollte natürlich außerhalb der
Urlaubssaison fahren. Nach Costa Rica empfehle ich im September/ Oktober zu reisen, da dann die
Preise günstig und das Land nicht Touristen überlaufen ist. Die Reisesaison dort startet im
November und geht bis März. Und wer sein Reiseziel und das Datum festgelegt hat, sollte auf den
Flugportalen wie Skyscanner und momondo ein bisschen Zeit verbringen. Ein bisschen mit den
Daten und Flughäfen hin und her suchen, was manchmal einen enormen Unterschied macht und das
über ein paar Wochen beobachten. Also eigentlich nur Kleinigkeiten, die vielen bewusst sein
dürften. Und wenn es darum geht Aktionen zu buchen, dann immer vor Ort und immer, immer
Erkundigungen und Vergleiche einholen und sich nicht von dem erstbesten Verkäufer belabern
lasen. Und immer, auch wenn es manchmal schwer fällt: handeln! Mehr als „Nein“ sagen, kann der
Händler nicht ;)

9. Was ist dein persönliches Reisehighlight und dein Lieblingsort auf der Welt?

Nun meinen Lieblingsort kann ich erst bestimmen, wenn ich die ganze Welt gesehen habe und dafür
habe ich noch mein ganzes Leben Zeit! Frag mich nochmal in 50 Jahren :D Aber ich habe bisher
viele Reisehighlights, die Wale hier sind eines, das Besuchen der Halbinsel Montezuma in Costa
Rica mit einer lieben Freundin ein anderes. Wir sind mit einem Mietauto an einem Tag durch die
herrlich grüne Dschungelpracht des Landes gefahren und hatten alle Zeit der Welt. Außerdem der
Besuch des Nationalparks Corcovado, mit einer anderen Freundin, in dem wir leider von unserem
Guide sitzen gelassen wurden, aber einen unvergesslichen Abend bei Vollmond am Strand hatten
und eine sehr abenteuerliche Heimreise am Tag danach. Oder als ich mich in der Türkei das erste
Mal ganz allein nach Izmir aufmachte, dort ein wundervolles Wochenende verbrachte und per
couchsurfing einen unglaublich sympatischen Host fand. Und solche tollen Begegnungen sind
immer wieder eine Freude, die mir immer wieder bewusst machen, wie gerne ich unterwegs bin um
neue Länder und deren Bewohner kennen zu lernen.

10. Ich habe bestimmt vergessen etwas Wichtiges zu fragen... Was möchtest du meinen Lesern noch mitgeben ?

Da ich von dir sehr viel halte und weiß, dass du sehr klug und reflektiert bist, gehe ich davon aus,
dass es deine Leser ebenfalls sind. Deswegen möchte ich zum Einen Alle ermutigen sich als
Walflüsterer zu bewerben und zum Anderen betonen, wie wichtig das Whalewatching ist. Je mehr
Touristen daran Interesse zeigen, desto mehr wird den lokalen Bewohnern bewusst, wie
lohnenswert es ist, dies zu erhalten um so ihr Auskommen zu sichern. Und unseren Schutz brauchen
die Buckelwale (eigentlich generell alle Tiere). Tatsächlich gibt es noch die Grönländer, die jedes
Jahr 10 Buckelwale und die Grenadiere von Saint Vincent, die 4 Buckelwale jährlich auf das
Grausamste abschlachten dürfen. Mit dem Ergebnis, dass das Fleisch zum Teil in dänischen
Supermärkten verkauft wird und am Strand von Saint Vincent verrottet. Dass die Japaner gerade auf
Walfang sind um Minkwale zu töten, halte ich ebenso für eine Unverzeihlichkeit. Für die Zukunft
muss sich das ändern, das sinnlose Töten dieser einzigartigen Geschöpfe darf nicht weitergehen.
Zudem sollten Marine Säugetiere nur vom Boot aus beobachtet werden, niemals in Aquarien. Weder
Wale noch Delphine gehören in solch enge Becken gesperrt. Deswegen möchte ich alle deine Leser
motivieren ihren persönlichen Beitrag zu leisten! Geht auf Whalewatchingtour, nicht in Delfinarien
(wie beispielsweise das niederländische Dolfinarium Harderwijk). Und falls jemand im Urlaub
Walfleisch auf der Menükarte oder im Kühlfach vorfindet: boykottiert solche Restaurants und
Supermärkte! Denn nur so können wir die Welt ändern, Tag für Tag ein bisschen. Und ich bin
überzeugt, dass wir die Welt zu einem tierfreundlicherem Ort machen können, wenn alle dieselbe
Überzeugung teilen, dass Tiere genauso wie wir fühlende Lebewesen sind, denen mit Respekt
begegnet werden darf.



Auf dem Weg zum Salto "El Limón". Ein großartiges Erlebnis bei dem die Pferdchen un Maultiere die wagemutigen Touristen über das unwegsamste Gelände tragen


Ich hoffe das Interview hat euch ebenso viel Spaß gemacht wie uns!
Habt einen fantastischen Mittwoch 

Liebste Grüße
Lotte


Alle Bilder hat Alina gemacht. Ich habe sie nachträglich nur minimal bearbeitet und Lotte Fuchs darauf gepackt, damit sie beim kopieren wilde Kopierer wissen woher die Bilder stammen ;)

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