Direkt zum Hauptbereich

Montagsmotivation: Langes Leben here we go oder Warum Langweiler älter werden

Vor einer Woche fiel mir beim Gang durch die Stadtbibliothek ein Buch in die Hände, dessen provokanter Titel mich zum Lachen brachte. "Die Long-Life Formel" prangte groß und deutlich auf dem Cover und ganz ehrlich? Das klang ein bisschen lächerlich. Von dem Cover irritiert schnappte ich mir das Buch und schlug es auf und siehe da: Es handelte von der Terman Studie.
Für alle Nicht Psychologen: Terman sammelte seit 1928 die Daten von 1528 Kindern, die seiner Meinung nach hochbegabt waren. alle 12 Jahre wurden diese Kinder untersucht und zwischendurch sollten sie Fragebögen per Post beantworten. Die Studie ist einerseits unglaublich interessant, da sie  eine Langzeituntersuchung einer großen Stichprobe ist, andererseits steht sie auch immer wieder in der Kritik, da sie sich beinahe ausschließlich auf Kinder bezog, die aus einem entsprechend hohen sozioökonomischen Status kamen. Zudem wird häufig kritisiert, dass die angebliche Hochbegabung der Teilnehmer nicht richtig getestet wurde.
Nichtsdestotrotz: Ein Datensatz, der 1528 Menschen über 35 Jahre hinweg untersucht lässt so manchen ins Träumen geraten. Unglaublich was man daraus an Erfahrungen gewinnen kann.
Das dachten sich auch Howard Friedman und Leslie Martin, die Autoren des Buches, und sie gingen sogar noch einen Schritt weiter. Kurzerhand ließen sie sich die Sterbeurkunden der Teilnehmer schicken und untersuchten systematisch wer wann wie auf welche Weise gestorben war. Ihr Ziel? Die Frage zu beantworten was zu einem langen (und erfülltem) Leben führt und welche Faktoren dafür verantwortlich sind, dass manche Menschen älter werden als andere.
Ein hochgestecktes Ziel und natürlich nicht per se zu beantworten. Die Studie an sich fand ich dann jedoch trotzdem spannend und so wanderte das kleine Buch mit dem seltsamen Titel mit zu mir, wo ich es fortan las.
Das Buch ist rein populärwissenschaftlich, einige Absätze sind recht reißerisch und, das sollte man bei der Lektüre unbedingt bedenken: es handelt sich um eine extrem ausgewählte vo Stichprobe bestehend aus weißen Amerikanern der gehobenen Mittelschicht. Eine Vergleichgruppe was nicht vorgesehen und wir können wenig von diesen Daten auf alle anderen Menschen dieser Welt schließen, denn auch kulturelle Unterschiede mögen bei der Lebenserwartung eine Rolle spielen.
Dennoch fand ich das Buch recht interessant. Die Kernaussage, die ich daraus mitgenommen habe war die folgende:
Gewissenhaftigkeit ist wichtig für ein langes Leben.
Jene Probanden, die besonders gewissenhaft waren, stets darauf bedacht waren ihre Aufgaben zu erledigen und gut zu arbeiten wurden am Ende auch älter.
Da erstaunt wenig, wenn man bedenkt, dass wahrscheinlich auch die gewissenhaften Menschen jene sind, die regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen gehen, den Alkoholkonsum in Maßen halten und ein wenig besser auf sich aufpassen.


Davon abgesehen wiederholt sich viel und in jedem dritten Absatz wird von der beträchtlichen Menge an Daten gesprochen.Das ist auch richtig so. Nichtsdestotrotz halte ich es für schwierig Daten ohne eine Vergleichsgruppe (zum Beispiel bestehend aus nicht Hochbegabten nach der Terman Einschätzung) und ausschließlich aus einer bestimmten (privilegierten) Bevölkerungsgruppe als den Stein der Weisen zu betrachten. Sicherlich sind viele der Punkte logisch und auch richtig, dennoch, was Heilsversprechen in Buchform angeht ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste.
Mein Fazit: Ein interessantes Buch, das mich meine Lebensentscheidungen hat überdenken lassen und das ich gewissenhaft bis zum Ende las. Ob sich dies nun auf die Länge meines Lebens auswirkt kann ich leider nicht sagen ;)
Ich wünsche euch einen wundervollen Start in die Woche und während ihr gewissenhaft arbeitet denkt daran: Möglicherweise wirkt dies lebensverlängernd ;)
Liebste Grüße
Lotte

Kommentare

Beliebte Posts

Weg mit den Mythen

Der folgende Post ist das Gegenteil von einfach. Um ehrlich zu sein weiß ich gar nicht, ob ich ihn überhaupt veröffentlichen möchte und das liegt unter anderem daran, dass er so privat ist wie bisher wenig auf meinem Blog. Viele Dinge behalte ich für mich, sie passen nicht hier herein, aber ich denke in diesem Fall sollte es das. Und nachdem inzwischen mehrere Jahre vergangen sind, denke ich: einfach machen.
Der heutige Post ist weniger Montagsmotivation als vielmehr Aufklärung und dafür möchte ich eine Geschichte voran stellen. Als ich noch jung und um einiges naiver war als heute, hatte ich Besuch. Der Freund einer lieben Freundin kam nach Leipzig und übernachtete bei mir. Sein enttäuschter Blick, als ich ihn auf dem Sofa einquartierte sprach Bände, aber ich hatte das Gefühl damit genau das richtige Signal gesetzt zu haben. Wir verbrachten ein angenehmes Wochenende miteinander, von seinen andauernden Beschwerden über das Sofa einmal abgesehen. Er erzählte mir viel von seinem Kampfs…

Ein bisschen mehr Anstalt, bitte!

In unserer Wohnung gibt es keinen Fernseher, zumindest keinen um darin Tatort, Wetten, dass? oder Frauentausch zu gucken. Dafür haben wir weder Zeit noch die nötige Lust.
Um ehrlich zu sein langweilt mich das herkömmliche Fernsehprogramm meistens, Tatort und Co. sind faktisch meist falsch und ich finde eh kaum die Zeit mir so etwas anzuschauen.
Eine große Ausnahme gibt es jedoch: Satirsendungen. Ich bin ja bekanntlich ein großer Fan der heute show. Dieses Jahr ist jedoch eine Sendung dazu gekommen, die beinahe alles in den Schatten stellt, was ich bisher an politischem Kabarett und Satire gesehen habe. Bitterböse, gnadenlos und sofort mit einer einstweiligen Verfügung von einem gewissen Herrn Joffe (Herausgeber der Zeit, klick hier) bedacht, ist das neue Format von "Neues aus der Anstalt" bisher ungeschlagen auf Platz 1 meiner liebsten Satiresendungen.
Dabei blieb mir bei einigen Sendungen das Lachen, vor lauter Wahrheit, im Hals stecken. So zum Beispiel bei Claus von Wagner…

Ein Hoch auf die Frauen

Während ich den Titel des heutigen Blogposts lese, muss ich ein bisschen schmunzeln. Das Ganze klingt recht pathetisch. Vielleicht durchaus zurecht.  In den letzten Monaten und Jahren habe ich nämlich eine Sache festgestellt: Freundinnen sind unbezahlbar.  Sie sind für dich da, wenn du zum tausendsten Mal einen Abend durchgehst um festzustellen, was das nun alles zu bedeuten hat, nehmen dich in den Arm, wenn gerade mal alles schief läuft, ziehen dich mit Typen auf, indem sie Gänsblümchenblätter für dich zupfen, machen Unfug mit dir, leihen dir ihre Ohr, ihr Kleid oder sogar ihre Schulter zum ausweinen und holen dich auf den Boden der Tatsachen zurück, wenn du mal wieder abhebst.  Kurzum: Sie sind einfach das Salz in der Suppe.  Irgendwie haben wir Damen uns einreden lassen, dass die einzige Beziehung, die wirklich zählt, die mit deinem sexuellen und/oder Lebenspartner ist. Was wir dabei vergessen: Zwischen allen Beziehungen, den lärmenden Liebschaften und auf und ab sind die Freundin…