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Montagsmotivation am Mittwoch. Das Gegenteil von Einsamkeit

Letztes Jahr Weihnachten fasste ich einen Entschluss. Während ich mit meiner Familie dem Hobbitleben frönte und meine Eltern Pläne für ihren Frühjahrsurlaub in Italien schmiedeten, entschloss ich mich dieses Jahr Ostern ein kleines Experiment zu wagen. Anstatt, wie üblich, mit meiner Familie und/oder Freunden Ostern zu feiern, fuhr ich ganz allein an die Ostsee und verbrachte fünf Tage ausschließlich mit mir selbst. 

Tatsächlich hatte ich diese paar Tage nur für mich bitter nötig. Gar nicht, weil es mir schlecht ging, sondern weil ich ein wenig sortieren musste. Und obwohl ich ein wirklich verlockendes Angebot einer wundervollen Begleitung hatte, entschied ich mich wirklich bewusst Zeit mit mir alleine zu verbringen.
Ich bin ein introvertierter Mensch. Das erstaunt viele, die mich kennen, weil ich gleichzeitig viel rede, offen bin neue Menschen kennen zu lernen und neue Erfahrungen zu sammeln. Nichtsdestotrotz brauche ich Momente des Rückzugs, der Stille und Zeiten in denen ich niemanden sehe.
Früher habe ich mich dafür ein bisschen geschämt, heute weiß ich, dass ich mich dauerhaft nicht verbiegen kann und möchte.
Die Zeit allein nutze ich um mir über viele Dinge klar zu werden.
Lebe ich mein Leben so wie ich es möchte?
Habe ich die Beziehungen, die ich haben möchte?
Gebe ich Acht auf mich?
Gibt es Dinge, die ich zugunsten anderer vernachlässige?
Was ist mir wichtig im Leben?
Was tue ich um auf diesem Planeten mehr zu hinterlassen als nur mein Ego?
Wie helfe ich anderen?
Was möchte ich geben?
Ich sah mir an, was ich gerne mache und stellte es den Dingen gegenüber, die ich tagtäglich tue. Ich las ein Buch über intuitive Ernährung und beschloss mich vom Diktat der perfektionierten Ernährung zu befreien. Ich tanzte allein zu wundervoller Musik, fuhr an den Strand und machte einen klaren Cut mit allen sozialen Medien. Diese Zeit war meine und ich wollte wissen wie ich bin, wenn kein Lärm von Außen mich beeinflusst. Ankommen bei mir ohne gefallen zu müssen und einfach nur ich sein.
Und während ich alleine durch Rapsfelder tanzte, mir den Sturm am Meer entgegenschlagen ließ und den Katzen beim Streiten zusah kam ich endlich wieder bei mir selbst an. 
Und auch, wenn ich noch längst nicht dort angekommen bin wo ich sein möchte, bin ich dankbar für all das, was mein Leben begleitet, schöner macht und auch manchmal sehr heraus fordert.
Und während ich die Stille genoss, wurde mir klar, dass die Menschen, mit denen ich diese Momente gerne teilen möchte und die verstehen, wenn ich mich zurück ziehe, genau die sind auf die es ankommt.
Heute ist mein erster Arbeitstag und ich bin wieder zurück im echten Leben 
Ich wünsche euch einen wunderbaren Mittwoch
Liebste Grüße
Lotte

Kommentare

  1. Hallo liebe Lotte, ich zelebriere das oft unbewusst nach dem Abendbrot..indem ich alle aus der Küche scheuche.Ich sage dann ich habe Stress und alle lassen mich in Ruhe und ich kann meine Gedanken sortieren. Das ist herrlich.und wie Urlaub von der Welt.Liebe Grüße von Elke






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    1. Was für eine schöne Idee :)
      Ich glaube solche Rituale sind sehr wichtig

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  2. Es freut mich sicher, dass dir diese Zeit alleine gut getan hat. Dann hast du für dich definitiv die richtige Wahl getroffen. :)

    Viele liebe Grüße und fühl dich gedrückt,
    Anna

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