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Montagsmotivation aus dem Kinosaal

Am Donnerstag habe ich einen wundervollen Abend verbracht. Eine Kollegin von mir erzählte von dem Film „Embrace“ und beschrieb ihn als einen dieser Feelgood Filme für Psychologen. Natürlich hatte dies augenblicklich eine gewisse Wirkung auf den Rest von uns anwesenden Damen und so beschlossen wir eine Art kleinen Betriebsausflug ins Kino zu machen und uns „Embrace“ anzusehen. 
Gesagt, getan und so fanden wir uns am letzten Donnerstag mit einem gigantischen Eimer Popcorn im Kino wieder. Der Film ging los und ich fing an zu weinen. Ich bin nicht besonders emotional, aber dieser Film packte mich, machte mich wütend, traurig und hinterließ in mir das Bedürfnis allen Frauen, die ich danach traf zu sagen wie wunderschön sie sind. 




Das Thema des Films? Unser Frauenbild von der schönen, schlanken Frau ohne Poren auf diversen Magazinen und sozialen Medien. Und während ich an manchen Stellen vor Rührung weinte, weil unendlich viel Liebe und Akzeptanz durch den Film transportiert wird, wurde ich auch an manchen Stellen wirklich wütend. 
Wütend auf die ewigen Lügen über Diäten, über die gesellschaftliche Norm die uns Frauen und kleinen Mädchen beibringt ein wichtiger Punkt unserer Identität sei es schön zu sein und das auf eine bestimmte Art und Weise und ein bisschen auch auf mich selbst, weil ich es an manchen Tagen glaube, weil ich an manchen Tagen bestimmte Körperstellen nicht mag, es zulasse, dass eine kleine innere Stimme konstant sagt „Du bist nicht gut genug. Du bist nicht dünn/trainiert/diszipliniert genug“, weil ich es zulasse, dass ich selbst es bin, die mein Zuhause beleidigt, diese wundervolle Hülle, die mich jeden Tag aufstehen, tanzen, singen und lachen lässt, dieser Körper, in dem ich wohnen darf. 
Ein Körper, der mich noch nie im Stich gelassen hat, ein Körper der mit mir durch eine schwere Zeit gegangen ist, dem ich viel abverlangen konnte und der mir nicht zürnt. Ein Körper, den ich feiern sollte für das, was er kann, was er mir für Dienste geleistet hat. Und doch stehe vor dem Spiegel, versuche den Bauch einzuziehen und stelle mir vor, dass ich glücklicher wäre, wenn ich nur ein wenig trainierter wäre. 
Und soll ich euch etwas verraten? Damit bin ich nicht allein. Ich kenne keine Frau in meiner Familie oder in meinem Freundeskreis, die nicht an einer Stelle ihres Körpers meckert. Wie viele von uns, bin ich mit Sätzen wie „Das darf ich nicht essen“ „Später setzt das alles an“ „Ich habe einen dicken Bauch“ „Früher war ich mal schlank, aber als ich älter geworden bin habe ich zugenommen“ „Nach der Geburt konnte ich die zusätzlichen Kilos nicht loswerden“ „Ich habe dicke Schenkel“ großgeworden. Niemand meinte das böse, niemand wollte das Bild vermitteln, dass ein Mensch ausschließlich etwas wert ist, wenn er einer bestimmten Figur entspricht. Und doch sind es die Begriffe und Sätze mit denen wir aufwuchsen, die uns ins Ohr gesetzt wurden. Es sind die Magazine, die zeigen welches Sternchen ein bisschen zugelegt hat und warum man bei einer ganz bestimmten Figur nur ganz bestimmte Sachen tragen darf. Es sind die Kommentare auf dem Schulhof, das Lästern unter Freundinnen, die Sprüche der Männer, das gelebte Ideal auf Instagram. 
All das machte mich mit einem Mal unglaublich wütend. Denn wisst ihr was? All das ist – verzeiht den Ausdruck – nichts Anderes als gequirlte Scheiße. Meine Persönlichkeit wird nicht besser und schlechter wenn mein Gewicht sinkt, ich bin nicht glücklicher, wenn mein Bauch trainierter ist, der Zeitpunkt an dem ich am wenigsten wog war nachweislich der unglücklichste Moment in meinem Leben. Ich werde nicht erfolgreicher, amüsanter oder schöner, wenn ich eine bestimmte Idealvorstellung habe, der ich permanent nachrenne. 
Natürlich kann ich ein Leben lang auf Kohlehydrate verzichten, mich nicht zum Pizza essen mit Freunden verabreden und jeden Tag zwei Stunden zielgerichtet trainieren. Aber das ist es nicht wert. Es ist es nicht wert, dass ich meine Zeit und Energie mit Dingen verschwende, die mich nicht glücklich und nachweislich sogar unglücklich machen. Es ist es nicht wert, dass ich mich mit einem Training quäle, das mir keine Freude bringt. Mein Leben ist endlich. Und in der Zeit, die ich habe, in dieser Millisekunde, die sich Leben nennt, geht es nicht darum eine bestimmte Figur zu haben. Es geht nicht darum einem Photoshop Ideal nachzueifern. Es geht einfach um so viel mehr als das. 
Aber wie komme ich an gegen den Mainstream? Wie komme ich gegen die lauten Stimmen an, die sagen sie sind unzufrieden? Wie kann ich ignorieren, was mich jeden Tag in bunten, lauten Farben anbrüllt?
Ich habe mich entschieden. Ich mache nicht mit. Ich rede nicht schlecht über meinen Körper. Ich beleidige nicht den Menschen, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen werde. Würde ein Freund oder eine Freundin mir die Dinge sagen, die manchmal in meinem Kopf sind, ich würde diese Freundschaft beenden – ohne zu zögern. Ich habe vor einiger Zeit die Entscheidung getroffen, dass ich nur Menschen in mein Leben lassen, die mir guttun, dass ich ungesunde Beziehungen, die mich kaputt machen, nicht dulde. Jetzt ist es an der Zeit konsequent zu sein. Denn wie heuchlerisch ist es, wenn ich nicht mitmache? 
Also starte ich eine Revolution. Ich stehe vor dem Spiegel und sage: 
Ich liebe meinen Körper, der mir ein Zuhause ist. 
Ich liebe meinen Körper, der mir zuverlässig sagt wie es mir geht.

Ich liebe meinen Körper, der zulässt dass ich laufe und renne. 
Ich liebe meinen Körper, der mich durch die Wohnung und manchmal auch durch das Büro tanzen lässt.

Ich liebe meinen Körper, der zu mir hält.

Ich bin perfekt so wie ich bin. 

Und kein Magazin, kein Mann, keine gesellschaftliche Konvention wird mir etwas Anderes einreden. 


Liebste Grüße
Lotte

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